28.04.2017  Führung

Klötzchen statt PowerPoint - wenn Manager mit Lego spielen

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Allein auf Basis von Big Data lassen sich keine guten Entscheidungen treffen. Die Intuition feiert ein Comeback. Das bedeutet: Raus aus dem CEO-Büro, rein ins Kinderzimmer.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 5/2017 des manager magazins, die Ende April erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Auch das noch: Den ganzen Tag in Meetings, Workshops und Telkos gehockt, um die Firma voranzubringen, und dann heißen einen daheim Dutzende von Legoklötzen willkommen, die der Nachwuchs vorm Zubettgehen im Wohnzimmer verstreut hat. Runter auf die Knie und wegräumen?

Falsch: Damit spielen! Denn möglicherweise schlummern in den bunten Plastikteilen neue Lösungen für die Challenges in der Company.

Irre? Das dachte sich auch Ursula Schwarzenbart, als sie erstmals von "Lego Serious Play" hörte, dem von dem dänischen Hersteller vor Jahren gemeinsam mit der Lausanner Kaderschmiede IMD entwickelten Strategieplanungsprozess. Als Head of Talent Development and Global Diversity bei Daimler ist die Managerin an sich prädestiniert für Neues, soll sie doch dem Autokonzern mehr Farbe verpassen.

Aber mit Legosteinen bauen, um komplexe Prozesse besser zu bewältigen? "Das war mir zunächst zu spielerisch", sagt Schwarzenbart, "der Bezug zum Alltag schien mir zu gering."

Ein Jahr lang kaute Schwarzenbart auf der Idee herum. Anschließend lud sie für das Projekt "Leadership 2020", das eine neue Führungskultur bei Daimler etablieren soll, 60 Mitarbeiter zum Legospielen ein. Schließlich hatte Konzernboss Dieter Zetsche den Umwälzungsprozess in den Satz gepresst: "Die einzige Vorgabe dazu: Es gibt keine Vorgabe."

Daimler, jener altehrwürdige Konzern, der seit über 130 Jahren Autos baut, muss ein anderer werden, weil sich die Welt immer schneller dreht: Weniger Hierarchien, weniger Benzinmotoren und weniger Krawatten, dafür mehr Elektroantriebe, mehr Schwarmdenken und mehr Frauen in Topjobs - Strategiestress pur.

Umso erstaunter war Schwarzenbart, was ihre Leute mit den Legoklötzchen so alles anstellten. Die großen strategischen Fragen eines Weltkonzerns - Wer sind wir? Wer wollen wir sein? Wie ändert sich unsere Welt? - wurden anhand von Schildkröten, Elefanten und Tigern diskutiert, und das klappte viel besser und kreativer als mit Flipcharts und Powerpoint. "Ich habe schon viele Strategieprozesse mitgemacht, aber das war einer der effizientesten, die ich je erlebt habe", sagt die oberste Talententwicklerin.

Warum? "Wenn man intuitiv vorgeht, kommt man zu ganz anderen Ergebnissen als sonst." Das Spielerische kitzelt Wissen aus dem Unbewussten heraus, das die Mitarbeiter sonst gar nicht abrufen. Bauchgefühl statt Kopfsache.

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