19.05.2017  Kinderbetreuung für Karrierepaare

Super Nannys - die Stars im Kinderzimmer

Von
Daniel Delang für manager magazin

Immer mehr Karrierepaare holen sich ein Kindermädchen ins Haus. Die Nannys von heute sind top ausgebildet und teuer, aber ertragen jeden Eltern-Spleen.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 4/2017 des manager magazins, die Ende März erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Fangen wir mal ganz oben an, bei den Stars der Zunft. Bei Marva Soogrim etwa, der Hollywood-Nanny. Die rundliche Kinderfrau mit den dunklen Locken, die einst ohne einen Cent aus Trinidad kam, hütet seit mehr als 30 Jahren die Brut von Schauspielern und Popstars: Julia Roberts, Reese Witherspoon. Mit Sheryl Crow ging Soogrim sogar auf Tour, den Tourbus hatte sie vorher babyfreundlich umbauen lassen.

Promikinderfrauen verdienen bis zu einer Viertelmillion Dollar pro Jahr, Handy, Dienstwagen und Unterbringung kommen obendrauf. Soogrim ist längst zu einer Marke geworden, sie twittert, bloggt (marvalousbabies.com) und hat auf ihrer Website diverse Tipps für den Umgang mit Babywehwehchen parat: Milchschorf auf dem Kopf? Olivenöl drauf. Selbst im Fernsehen tritt sie auf, eine eigene Serie mit Babyprodukten ist in Vorbereitung. Die "Huffington Post" rühmt Soogrims einzigartigen Mix an Techniken, die "Ruhe ins Chaos des Elternseins bringen". You love it.

Kindermädchen, die es zu einigem Einfluss brachten, gab es schon früher. Friede Springer stieg qua Hochzeit mit ihrem Chef zur Verlegerin auf, Ursula Piëch zur Matriarchin bei Volkswagen. Doch die Supernannys von heute ticken anders. Sie sind top ausgebildet, beherrschen Frühkindpädagogik, Baby-Apps und die Knigge-Regeln. All jene, die in der Premier League spielen, also die Kinder der oberen Zehntausend großziehen wollen, erwerben erst mal den Bachelor in Early Childhood Education, etwa am Wellington Nannies College in Neuseeland.

Danach führen sie Tagebuch über Mahlzeiten und Aktivitäten ihrer Schützlinge - und regelmäßige "Feedback-Gespräche" mit den Eltern. Je nach deren Lebenswandel sind die modernen Kindermädchen sportlich oder musikalisch versiert, können (wenn der Kapitän ausfällt) eine Jacht steuern, Formel-1-mäßig durch engste Gassen brettern (um Kidnapper abzuschütteln) oder eine dieser Maschinen bedienen, die Eisbahnen glattziehen (damit der Kindergeburtstag nicht im Heulkrampf endet).

Statussymbol Premier-Cru-Nanny

Profinannys spiegeln das Prestige ihrer Arbeitgeber, längst nicht nur in der Upper Class und längst nicht mehr nur in den USA. Auch deutsche Karriere-Couples holen sich zunehmend qualifizierte Hilfe ins Haus. Gut eine Million Menschen arbeiten inzwischen als haushaltsnahe Dienstleister, Tendenz steigend, meldet das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Der Hamburger Gesellschaftsanalytiker Christoph Bartmann macht ein "wachsendes Dienstleisterheer" aus: Kinderfrauen, Haushälterinnen, Gärtner und sogar Butler - vermittelt von spezialisierten Agenturen. Er sieht schon einen "neuen Feudalismus" heraufziehen, unten die Hilfskräfte in prekären Jobs, oben ihre bürgerlichen, gut situierten Auftraggeber.

Für den Berufsstand der Nannys gilt das noch nicht. Die Branche ist eng, die Guten sind teuer. Das mittlere Gehalt einer staatlich ausgebildeten Vollzeitnanny liegt in Deutschland bei etwa 3500 Euro brutto im Monat. Junge Kinderärzte verdienen kaum mehr.

Zelebriert wird die zeitgemäße Version der Mary Poppins vor allem in England. Das Land der Lords und Ladys, in deren Kreisen professionelle Kinderbetreuung stets zum Lebensstil zählte, hat den Goldstandard der Nannyausbildung zu bieten: das Norland College. Hier suchten sich schon Mick Jagger und Jerry Hall ihr Kindermädchen aus, hier rekrutierten William und Kate Windsor die Nanny für Baby George (die 45-jährige, hagere, nach Norland-Kodex stets ungeschminkte Spanierin Maria Teresa Turrion Borrallo).

Hunderte von Mädchen bewerben sich jährlich in Bath, die Auswahl ist hart. "Norlanders" weisen sich durch eine altjüngferlich-braune Uniform mit Hut und Handschuhen aus, die zu offiziellen Anlässen zu tragen ist. Besser nur dann, denn deutlicher kann man nicht zeigen, wo ein Millionärskind im Sand sitzt.

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