18.01.2017  Testfahrt im Kia Sorento

Bulle mit Tigernase

Von

Alcantaraleder, Carbonauspuff, induktive Handyladestation - erreicht die Masterpiece-Edition des Kia Sorento schon Premiumqualität?

Technik
200 PS/147 kW
174 g/km CO2-Emission (kombiniert)
Dynamik
9,6 Sekunden Beschleunigung von 0 auf 100 km/h
205 km/h Spitzengeschwindigkeit
Preis
60.990 Euro

Der Londoner nennt sie "Chelsea tractors": Wuchtige Geländewagen, die für einen Ausflug ins Grüne ebenso wenig geeignet sind wie das dichte Gedränge auf der Chelsea Flower Show für einen lauschigen Spaziergang. Auch Kias Sorento, Anfang des Jahrtausends durchaus matschtauglich angetreten, gehört mittlerweile in diese Kategorie. Nun haben die Koreaner mit der auf 200 Autos limitierten Masterpiece-Edition noch einmal ordentlich an der Premiumschraube gedreht.

Das merke ich schon beim Einsteigen. Die offene Fahrertür projiziert selbstbewusst "Masterpiece" auf den Boden. Innen ist das Meisterstück angenehm dezent in Schwarz gehalten, nur der große Touchscreen und die Lüftungsauslässe sind in Silber gehalten. Über den Sitzen spannt sich ein Alcantaralederhimmel, der auf Knopfdruck den Blick aus zwei großen Panoramafenstern freigibt. Das Smartphone lädt induktiv in der Mittelkonsole. Vorurteile gegenüber vermeintlichen Plastikautos aus Fernost? Sind hiermit definitiv zerstreut.

Für einen Praxistest richte ich die bullige Tigernase von Hamburg aus gen Süden. Diskret versieht ein ganzer Strauß an Assistenzsystemen seinen Dienst: Entspanntes Überholen ist dank zweier Lämpchen in den Außenspiegeln selbst im wuseligen Vorfeiertagsverkehr auf der A7 möglich - sie blinken auf, wenn andere Fahrzeuge im toten Winkel herangerauscht kommen. Beim Einparken schützt eine simulierte Draufsichtkamera Karosse und Leichtmetallfelgen vor Kratzern; wer dem Bordcomputer traut, kann den Sorento komplett selbstständig einparken lassen.

Ist Kia hier konkurrenzfähig, so wirkt der Antrieb für diese Preisklasse untermotorisiert. Unter der Haube des Masterpiece brummt das gleiche 200-PS-Dieselaggregat, das auch die weniger exklusiven Varianten des SUVs antreibt. Damit kommt man an der Ampel zwar zügig vom Fleck. Bei höheren Geschwindigkeiten dürfte es indes mehr Schubkraft sein, zumal man preislich nicht mit Opels Mokka und Nissans Qashqai konkurriert, sondern eher mit den Dickschiffen aus Ingolstadt oder München.

Der größte Rivale des Masterpiece dürfte der Sorento selbst sein. Denn die vielen Assistenten, der schmucke Kühlergrill und das große Glasdach, die ihn auch ohne Alcantarahimmel und Carbonauspuff zum wertigen SUV machen, fahren bereits in der knapp 10.000 Euro günstigeren Platinum-Edition mit. Andererseits: Wer kann schon behaupten, dass es von seinem Auto nur noch 199 andere gibt.

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