18.01.2017  Mädchen gegen Jungs in der Luxusindustrie

Der Comeback-Versuch der Stil-Ikone Natalie Massenet

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Mit der Gründung des Shopping-Onlineportals Net-A-Porter revolutionierte Natalie Massenet die Modewelt. Dann drängten die Konzernherren sie an den Rand - und sie warf hin. Jetzt greift die Stilikone wieder an.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 2/2017 des manager magazins, die Ende Januar erschien. Wir veröffentlichen Sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Royal Albert Hall, London, im Dezember 2016. Draußen steht etwas, das aussieht wie eine Sonne in der Nacht, ein Gitter, behängt mit Tausenden gelblich glitzernden Swarovski-Kristallen, gehalten von einem kreisrunden Stahlrahmen. Das tonnenschwere Objekt "Prologue" des britischen Designerduos Fredrikson Stallard wurde nur für diesen Abend aufgebaut.

In der Royal Albert Hall werden die Fashion Awards verliehen, die wichtigste Auszeichnung der europäischen Modeszene. 4000 Celebritys aus aller Welt sind angereist, Popstars wie Lady Gaga, Lily Allen oder M.I.A., hippe Jungdesigner wie Molly Goddard oder Alessandro Michele, bewährte Senioritäten wie Jean Paul Gaultier oder Karl Lagerfeld, Comedians wie Amy Schumer oder Jack Whitehall, Models wie Gigi Hadid oder Karlie Kloss und Mäzene wie Nadja Swarovski.

Mittendrin die Gastgeberin: Natalie Massenet (51), Präsidentin des British Fashion Council, besser bekannt als Gründerin des Online-Luxusshoppingportals Net-A-Porter. Das Haar wie immer in der Mitte gescheitelt, Zufriedenes-Kätzchen-Lächeln, schneeweißes Federkleid - Massenet hat ihren ersten großen öffentlichen Auftritt nach dem Abschied von der eigenen Firma.

Die Erwartungen sind hoch. Im Vorfeld hatte die "New York Times" von Massenets Ambitionen berichtet, die leicht angestaubte Londoner Veranstaltung zu einer "Antwort auf den Met Ball" aufzupolieren, die wohl hochkarätigste Gala der Modewelt. Mit ihr hat "Vogue"-Chefin Anna Wintour (67) im Laufe der vergangenen Jahre 145 Millionen Dollar für die Modeabteilung des Metropolitan Museum of Art eingespielt.

Massenet strich dem British Fashion Award zunächst einmal das "British" und verlegte die Preisverleihung vom Coliseum in die wesentlich größere Royal Albert Hall. Aus ihrer Sicht ging der Plan auf. "A Dream came true", sagt sie sichtlich zufrieden am Ende der langen Nacht.

Natalie Massenet ist zurück. Monatelang war sie kaum zu sehen, erst recht nicht zu sprechen, seit sie im September 2015 Hals über Kopf das von ihr im Jahr 2000 gegründete Unternehmen verlassen hat: Net-A-Porter, das erste Luxusportal seiner Art, eine Revolution in der Branche, mit der sich Massenet zur Stilikone aufschwang. Die Queen ernannte sie zum "Member of the Order of the British Empire" (2009), das Magazin "Glamour" kürte sie zur "Frau des Jahres" (2013), "Time" setzte sie auf die Liste der 100 Einflussreichsten der Welt (2014), sie war Gast bei den Obamas (2014), Prinz Charles erhob sie in den Adelsstand der "Dame" (2016).

Warum also der überraschende Abgang? Seit Herbst 2015 spekuliert die Modeszene über die Hintergründe von Massenets Ausstieg aus der Firma, die sie erst an den Richemont-Konzern (Cartier, Jaeger-LeCoultre, Montblanc) verkaufte und die dann mit dem Konkurrenten Yoox verschmolzen wurde. Von Intrigen ist die Rede, Massenets ehemalige Partnerin Carmen Busquets (51) deutet gar an, das Ganze sei ein Fall für den Staatsanwalt.

Die neueste Wendung: Natalie Massenet soll als Beraterin bei Farfetch einsteigen, dem größten Rivalen von Yoox und Net-A-Porter. Das berichtete Mitte Dezember die "Daily Mail". Von Massenet und Farfetch gibt es dazu keinen Kommentar. Das Spiel geht weiter.

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