08.05.2017  IT-Riese im Abwärtsstrudel

Little Big Blue - IBMs letzte Hoffnung heißt Watson

Von Eva Müller

6. Teil: "IBM ist tot"

Berater Steven Zolman, der mit seinem Team rund 2000 Technologiekäufer betreut und allein im Dezember IBM-Verträge im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar verhandelt, ist skeptisch. "Kein einziger meiner Kunden will neue innovative Deals mit IBM abschließen", fasst er die Wünsche seiner Klienten zusammen. Stattdessen planten alle, ihre Ausgaben für IBM-Produkte zu senken und den Anteil von Big Blue an ihrer IT zu verringern.

Niemand sehe mehr einen Grund, IBM zu kaufen. Die Angebote der Konkurrenten seien längst attraktiver. "IBM ist tot", sagt Zolman. "Sie haben es nur noch nicht gemerkt."

Ein vernichtendes Urteil - und sicher zu radikal. Schließlich verfügt Big Blue über eine gigantische Zahl von Kunden, die seit Jahrzehnten IBM-Maschinen im Keller stehen haben.

Sie sind von ihren historisch gewachsenen Altsystemen so abhängig, dass sie IBM treu bleiben. Sie kaufen dann auch, wie unlängst American Airlines, zu ihrem Technikerbe passende Cloud-Angebote.

Ein dynamisches Wachstumsgeschäft mit satten Margen lässt sich aus der Pflege und Weiterentwicklung des Altbestands indes nur schwerlich generieren. Deshalb vermuten selbst Insider hinter vorgehaltener Hand, dass IBM trotz aller Transformationsbemühungen in Zukunft wohl ein noch kleineres Unternehmen sein werde als bisher.

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Den Anteilseignern kann dieser langsame Abstieg nicht gefallen. Doch Rometty will sich nicht von ihrem Kurs abbringen lassen, sie hält ihn für alternativlos. "Lass dir von niemandem sagen, was möglich ist und was nicht", predigte sie Mitte Oktober bei einem Auftritt im Rahmen der Konferenz "Women in Computing".

Den sturen Glauben an sich selbst habe sie von ihrer Mutter, erzählte die IBM-Chefin den 15.000 Zuhörerinnen. Die habe als Alleinerziehende ihre vier Kinder ernährt und dabei noch studiert: "Mutter wollte auf keinen Fall als gescheitert angesehen werden."

Und die Tochter will das noch viel weniger.

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