08.05.2017  IT-Riese im Abwärtsstrudel

Little Big Blue - IBMs letzte Hoffnung heißt Watson

Von Eva Müller

5. Teil: Chefverkäufer Watson

Watson kann sogar die Feinheiten der menschlichen Ausdrucksweise korrekt interpretieren. In einer Anwendung für die Bayerische Versicherungskammer erkennt der Computer, ob es ein Schreiber ehrlich oder ironisch meint, wenn er sich für die schnelle Erledigung seines Falles bedankt.

Alles sehr beeindruckend für ein Elektronengehirn. Doch begeistern Watsons Fähigkeiten auch neue große Geschäftskunden? Frank Niemann, Branchenanalyst beim Beratungshaus PAC, fehlen die überzeugenden Praxisbeispiele: "Der Markt für die kognitiven Technologien reift erst noch heran." Die von IBM präsentierten Anwendungen seien noch längst kein "Big Business".

Das Rätselraten um den Nutzen der magischen Maschine scheint von den gewieften IBM-Marketeers durchaus beabsichtigt. Sie kreieren mit all den Storys über niedliche Roboter, die Professoren ausfragen, oder über Forscher, die dank kognitiver Technik den Krebs besiegen, den Nimbus eines Universalgenies.

Wie Unternehmen aus den Fähigkeiten dieses Alleskönners einen Wettbewerbsvorteil ziehen können, das müssen sie nach IBM-Philosophie selbst herausfinden. Natürlich stehen ihnen dafür die hauseigenen Experten mit Rat und Tat zur Seite. Allein für Watson IoT etwa sollen 1500 neue Berater arbeiten.

Chefverkäufer Watson

Will heißen: Watson dient auch als schlagkräftiges Verkaufsargument für die eher traditionellen Produkte von Big Blue - umfangreiche Consultingprojekte, deren Umsetzung dann idealerweise in den Verkauf von Großrechnern und Powerservern, von Software und Service münden oder in das Abonnement von IBM-Cloud-Diensten.

Sebastian Krause, Europa-Chef des Cloud-Geschäfts, sagt ganz unverblümt: "Watson ist das entscheidende Differenzierungsmerkmal für die IBM-Cloud." Die lasse sich auch perfekt mit bereits vorhandenen Systemen im Unternehmen verbinden.

Damit wird auch Romettys neue Strategie deutlich: Mit dem Hype um Watson will sie das vertraute IBM-Geschäft mit Großprojekten befeuern. Bleibt abzuwarten, ob die Kundschaft zugreift.

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