08.05.2017  IT-Riese im Abwärtsstrudel

Little Big Blue - IBMs letzte Hoffnung heißt Watson

Von Eva Müller

2. Teil: Geduld am Ende

manager magazin

Die Geduld von Buffett und Co. nähert sich ihrem Ende - so wird in Unternehmenskreisen gemunkelt. Die Analysten, die das Papier mehrheitlich nicht zum Kauf empfehlen, kritisieren schon lange den Negativtrend beim Umsatz. Denn fünf Jahre Umsteuern ohne spürbare Wirkung sind auch für die Aktionäre eines Riesentankers wie IBM eine sehr, sehr lange Zeit.

2017 muss Rometty endlich Wachstum ausweisen, bei Umsatz und Gewinn. Sonst wird es ihr womöglich ergehen wie dem Führungspersonal von HP, der anderen US-Tech-Legende. Es wurde persönlich disruptet.

Alle Hoffnung liegt nun auf dem sagenumwobenen Watson. Rometty setzt für die Zukunft von IBM - und ihrer eigenen - voll auf die hauseigene Künstliche Intelligenz. "Eine große Wette", wie sie zugibt, "aber keine riskante."

Von Optimismus zeugt schon der Name des selbstlernenden Systems: Thomas J. Watson gründete IBM. Sein gleichnamiger Sohn, der laut US-Magazin "Fortune" größte Kapitalist der Geschichte, verzehnfachte von 1956 bis 1971 den Umsatz des aufstrebenden Informationstechnologieunternehmens.

Kann der Supercomputer, der 2011 die Champions im Schlaumeierspiel Jeopardy besiegte, tatsächlich den lange ersehnten Turnaround einläuten und IBM wieder zum begehrten Tech-Wert machen? Das bisherige Wirken Romettys lässt da Zweifel aufkommen. Nichts von dem, was die IBM-Veteranin (sie begann 1981 als Systemingenieurin) als Vorstandschefin versucht hat, funktionierte.

Zunächst setzte sie die Strategie ihres Vorgängers Sam Palmisano fort, die vor allem darauf zielte, die Börse zufrieden zu stellen. Palmisano hatte den Aktionären vollmundig versprochen, bis 2015 einen Gewinn von 20 Dollar pro Aktie zu erwirtschaften.

Rometty arbeitete mit allen Mitteln an diesem Ziel. Schließlich orientiert sich ihr Bonus (zuletzt 4,5 Millionen Dollar) an dieser Kennzahl. Sie kaufte jedes Jahr für etliche Milliarden Dollar Aktien zurück, um den Gewinn auf weniger Papiere verteilen zu müssen.

Zur Senkung der Kosten entließ sie massenhaft gut bezahlte IT-Spezialisten und verlagerte immer mehr operatives Geschäft an Billiglohnstandorte. Heute sitzen Schätzungen zufolge mehr als 100.000 der insgesamt rund 380.000 IBM-Mitarbeiter in Indien. Das brachte Rometty zunächst Ärger mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump ein, der seinen Wählern mehr heimische Arbeitsplätze versprochen hat. Inzwischen sitzt sie in seinem Beraterteam und will so weiteres Ungemach von ihrem Konzern abhalten.

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