18.11.2016  Volvo V90 im Autotest

Gentrifizierter Kombi

Von
Volvo

Der neue Volvo V90 ist eine durchaus knackige Familienkutsche, aber kein echtes Nutzfahrzeug mehr.

Nun stirbt also auch der Kombi aus: Volvo, bisher Bewahrer einer Tradition von Großraumfahrzeugen, die weniger Stirnfläche auf die Straße bringen als eine Schrankwand, gibt mit seinem jüngsten Modellwechsel das Kombikonzept auf und stellt die Heckscheibe des neuen V90 so schräg wie bei einem Touring, einem Shooting Break oder einer anderen dieser gentrifizierten Crossover-Züchtungen.

Zwar ist der Gepäckraum des V90 noch immer 1,10 Meter breit und 70 Zentimenter hoch. Doch wer eine Waschmaschine transportieren möchte - lange eine beliebte Übung für Volvo-Besitzer -, muss die Rückbank umlegen. Ein Trockner passt dann, anders als früher, nicht auch noch rein. Dazu bedarf es eines XC90, des SUV-Modells von Volvo.

Natürlich bauen auch die chinesischen Volvo-Eigentümer den V90 als grundsolide Familienkutsche. Zur Markteinführung gibt's (Stichwort Downsizing) zunächst einmal nur Vierzylindermotoren, später kommt ein Hybridmodell hinzu. Der Benzinmotor T6 hat mit seinen 320 PS indes ordentlich Temperament, ebenso wie der neu konzipierte Dieselmotor D5, der das Turboloch vermeidet, indem er bei Bedarf einen kleinen Kompressor vorschaltet. Der ist elektrisch angetrieben, sodass die Motorleistung nicht geschmälert wird. Freilich wacht der Diesel erst im Sportmodus richtig auf. In der Ökoeinstellung bleibt die Beschleunigung zäh.

Technik
235 PS/173 kW (D5)
129 g/km, CO2-Emission
Dynamik
7,2 Sekunden Beschleunigung von 0 auf 100 km/h
240 km/h Spitzengeschwindigkeit
Preis
ab 61.400 Euro (D5 Inscription)

Große Ambitionen hegen die Volvo-Entwickler beim autonomen Fahren: Bis Tempo 130 soll der V90 selbst die Spur halten können und mühelos im Verkehrsstrom mitschwimmen. Bei meiner Ausfahrt entlang der Costa del Sol und durch die angrenzenden Küstengebirge gelingt ihm das nur gelegentlich. Mal sind die Fahrbahnmarkierungen, die das Kamerasystem zur Orientierung braucht, zu stark abgefahren; mal blendet das grelle Sonnenlicht die Objektive. Jedenfalls verlassen mehrere der Testwagen in Kurven die Autobahnspur - ohne zu warnen, dass sie das Selbstlenken gerade aufgegeben haben. Sie wollten kein Orchester von Piep- und Alarmgeräuschen installieren, erklären Volvos Ingenieure.

Über einen hochkant gestellten Großbildschirm gelangt man in die Tiefen des Bedienmenüs. Parkassistent und Ausparkhilfe sind aber schwer zu finden, das System ist selbst für Geübte eine Herausforderung.

Ergonomisch ausgeklügelt ist hingegen die Sitzqualität beim neuen Volvo - zumindest in der teuersten Ausstattung. Dieser alte Markentrumpf hat also selbst die Gentrifizierung überlebt.

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