21.09.2016  Googles Chef-Innovator über Firmenkultur

"Mit einem Fußballkicker ist es nicht getan"

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Frederik Pferdt: Der promovierte Wirtschaftspädagoge vom Bodensee ist Chief Innovation Evangelist bei Google, lehrt in Stanford und berät UN-Institutionen in Genf. Der Vater von drei kleinen Kindern bewundert deren Neugier und Vorstellungskraft.
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Frederik Pferdt: Der promovierte Wirtschaftspädagoge vom Bodensee ist Chief Innovation Evangelist bei Google, lehrt in Stanford und berät UN-Institutionen in Genf. Der Vater von drei kleinen Kindern bewundert deren Neugier und Vorstellungskraft.

2. Teil: "Leidenschaft für die Arbeit erzeugt man nicht durch Präsenzpflicht"

mm: Mischen Sie dort kleine mit größeren Räumen, oder ist alles ein großes Labor?

Pferdt: The Garage ist ein Mix, nur wenn persönliche Nähe entsteht, fließen auch Ideen, wird Vertrauen geschaffen. Ganz wichtig ist dabei, dass wir den Mitarbeitern auch die Möglichkeit geben, von zu Hause zu arbeiten. Die Technologie dafür existiert ja.

mm: Wie ist das bei Google gelöst?

Pferdt: Jeder darf arbeiten, wo er möchte und wann er möchte. Es gibt kein System, das sagt, du darfst nur einen Tag in der Woche von zu Hause arbeiten und du musst von neun bis fünf arbeiten. Das ist in einem globalen Unternehmen ohnehin kaum möglich, sonst hätten wir wegen der Zeitverschiebung keinerlei Kontakt mit Asien.

mm: Wie stellen Sie sicher, dass sich die relevanten Leute noch regelmäßig sehen?

Pferdt: Menschen kommunizieren heute anders als früher, da läuft viel über digitale Wege. Leidenschaft für die Arbeit erzeugt man nicht durch Präsenzpflicht. Zumal wir inzwischen nicht mehr 60, sondern 60.000 Leute sind.

mm: Wie gelingt es Ihnen persönlich denn, sich aus der Routine zu befreien?

Pferdt: Sie werden mich selten im gleichen Restaurant sehen, ich schlafe nie im gleichen Hotel und versuche täglich, neue Dinge zu entdecken, mich auf Neues einzulassen. Wir als Unternehmen hinterfragen uns ständig: Warum können wir dies oder das eigentlich nicht zehnmal so schnell?

mm: Google ist bekannt für seine Paranoia, irgendwann nicht mehr der Beste zu sein. Ist das eher hilfreich oder schädlich?

Pferdt: Hilfreich, deshalb überprüfen wir unsere Innovationskultur ja auch ständig. Sobald wir sehen, dass wir in eine Routine verfallen oder nur noch Durchschnitt liefern, werden sofort alle nervös. Wir orientieren uns wenig an anderen, jedoch ist unser Fokus immer auf den Nutzer und seine Bedürfnisse ausgelegt.

mm: Wo sehen Sie bei Google noch Nachholbedarf?

Pferdt: Bei der Diversität. Wir haben jetzt sieben Produkte, die von einer Milliarde Menschen täglich benutzt werden, und wir entwickeln Technologien und Produkte, die für jeden Menschen dieser Welt nützlich sind und gleichzeitig schnell und umsonst. Wir müssen sicherstellen, dass an all diesen Projekten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten, die die gesamte Welt repräsentieren. Und da haben wir noch große Defizite.

mm: Das heißt: Auch Googles Führungskräfte sind zumeist weiß und männlich?

Pferdt: So ist es, deshalb hat das Thema Diversity höchste Priorität in diesem Jahr. Unser Ziel ist, "the most inclusive workplace in the world" zu werden.

mm: Sie sind doch so schon eines der wichtigsten Ausflugsziele im Silicon Valley?

Pferdt: Das stimmt wohl. Bis zu 20.000 Menschen pro Monat besuchen unser Headquarter in Mountain View, da kommen ganze Regierungsabordnungen, Schulklassen, Freunde, Familien und wollen von uns lernen. Das ist natürlich eine große Ehre für uns, zeigt aber gleichzeitig, dass wir mehr Verantwortung in der Welt haben, wie die Zukunft aussieht. Wir werden diesen September mit 18 Jahren erst mal erwachsen.

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