12.05.2016  Das Comeback des Finanzartisten

Milliardenzauber - die wilden Geschäfte des Lars Windhorst

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Das Comeback ist spektakulär. Aus dem Nichts baute der zweifache Pleitier eine beachtliche Unternehmensgruppe auf. Ein Hasardeur ist er geblieben.

Die Investmentbanking-Koryphäe der internationalen Großbank war überwältigt. Die Location? Eine 68-Meter-Superjacht mit Hubschrauberlandeplatz. Die Speisen? Vom Sternekoch. Der Service der 27-köpfigen Besatzung? Umsorgend auf Schritt und Tritt. Und dann noch der Ausblick, den der Eigner der "Global", Lars Windhorst (39), den Gästen bot. Pünktlich zum venezianischen Kunst-Happening "Biennale" durfte das Schiff vis-à-vis dem Markusplatz anlegen.

Euphorisiert verschickte der Mann von seinem Smartphone Fotos an Bekannte: Wie könnt ihr euch eine solche Party entgehen lassen? Kommt her - und bringt gleich eure Frauen mit, textete er dazu. Lars Windhorst weiß, was Investoren lieben. Zielsicher trifft er Lebensstil und Geschmack der internationalen Hochfinanz. Mit seinen Accessoires (dazu gehört auch ein Privatjet) kann er es mit jedem Ölmagnaten und Oligarchen aufnehmen.

Wenn allerdings der Champagner erst mal aus dem Kopf ist, muss auch risikofreudigen Investmentbankern klar sein, dass es der Gastgeber nicht nur beim Feiern extravagant mag. Immerhin hat Windhorst, der mit 16 Jahren seine erste Firma gründete, bereits zwei Pleiten (2003 und 2009) samt Privatinsolvenz hingelegt. Danach schaffte er jedes Mal den Turnaround, und zwar spektakulär.

Tatsächlich ist Windhorst inzwischen besser im Geschäft als je zuvor. Sein persönlicher Lebensstil erreicht mindestens Thomas-Middelhoff-Qualität zu dessen besten Zeiten, und das nicht nur, weil er selbst für die Strecke Berlin-Hamburg seinen Privatjet abheben lässt. Er hält sich kerzengerade im eng geschnittenen Maßanzug, sein jungenhafter Charme mischt sich angenehm mit schneller Intelligenz und sprudelnder Rhetorik.

Ihm gehören Öl- und Minenunternehmen. Er hält Beteiligungen an schillernden Firmen wie dem Filmverleiher Wild Bunch ("Ziemlich beste Freunde"), entwickelt große Agrarprojekte in Afrika und spekuliert tüchtig mit notleidenden Betrieben.

Für seine diversen Gremien hat Windhorst Granden wie Beraterlegende Roland Berger (78) oder Hubertus von Grünberg (73; ehemals Conti, ABB) verpflichtet. Kürzlich konnte er sogar einen echten Scheich als Miteigner für die Sapinda Holding - den berichtspflichtigen Kern seines Firmenreichs - gewinnen. Sultan Bin Khalifa Bin Zayed Al Nahyan (50), Chef von Abu Dhabi Capital und ältester Sohn des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, investierte einen dreistelligen Millionenbetrag.

Lars Windhorst selbst sagt, sein Geschäftsmodell sei so einzigartig, dass er möglichst wenig darüber verraten wolle, um keine Nachahmer anzulocken. Alle anderen fragen sich, ob jemand wirklich so viel besser sein kann als der Markt, so viel schlauer als das Gros der Investoren.

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