16.01.2018  Die neuen Luxusuhren des SIHH 2018

Die Uhren werden kleiner, die Preise auch

Aus Genf berichtet Michèlle Mussler
Audemars Piguet

Als Trend-Barometer für das neue Uhrenjahr gilt der SIHH (Salon de la Haute Horlogerie). Soeben eröffnete der vornehme Salon in Genf, zu dem nur Händler, Medien und VIPs Zutritt haben, um sich über Neuerscheinungen aus der Luxusuhrenwelt von 35 Ausstellern zu informieren. Am 19. Januar erhält auch für die Öffentlichkeit Zugang.

Gleich mehrere Weltpremieren werden stolz präsentiert: A. Lange Söhne hält Sammlern den ersten mechanischen Schleppzeiger-Chronographen vor die Nase, der eine mehrstündige Vergleichszeitmessung erlaubt. Die andere Sensation findet auf nur 4,3 Millimetern statt - quasi zwei aufeinandergelegte 20-Cent-Münzen. So schlank ist die aktuell flachste Automatikuhr der Welt und kommt aus dem Hause Piaget. Mehr noch: Die Manufaktur überbietet sich selbst, indem sie eine Konzept-Uhr mit Handaufzugswerk vorstellt, die gesamt nur 2 Millimeter Höhe misst.

Für Verblüffung sorgt auch die junge Marke Ressence. Die Belgier machen den etablierten Nobel-Manufakturen vor, wie man Smart-Tech mit Mechanik clever vereint, indem ein elektromechanisches Modul einem Automatikwerk stets die korrekte Uhrzeit vermittelt. Anders gesagt: diese mechanische Uhr geht stets pünktlich, ohne dass man sie nachregulieren muss.

Auf klassische Konstruktionen der Haute Horlogerie hingegen setzt Ferdinand Berthoud. Erstmals in der Geschichte der Armbanduhren wird ein Tourbillon mit Regulator-Anzeigen kombiniert. Und die Innovationsschmiede Greubel Forsey stellt eine Konzept-Uhr mit springender Sekunde vor, die dank Nano-Mechanik um den Faktor 1800 weniger Energie sowie 96 Prozent weniger Platz benötigt. Klingt alles sehr technisch, für Uhrenfans jedoch bieten diese Neuentwicklungen durchaus Vorteile: nutzerfreundlichere und sinnvolle Funktionen. Zudem beweisen sie, dass die Uhrmacher trotz schwächelnder Umsätze nicht die Hände in den Schoß legen, sondern zukunftsorientiert weitertüfteln.

Allerding kommt die Branche nicht ohne die Vergangenheit aus. Retro hier, Vintage dort, Klassisches neu interpretiert, so lautet auf dem SIHH die omnipräsente Modellpolitik. Allen voran bei Audemars Piguet. Die unabhängige Manufaktur zelebriert den 25. Geburtstag ihrer 'Royal Oak Offshore' mit immerhin 20 neuen Varianten dieser Gattung.

IWC setzt noch einen darauf. Zum 150-jährigen Firmengeburtstag wird nicht nur ein neues Manufakturgebäude eingeweiht, sondern auch eine Kollektion mit 27 limitierten Jubiläumsneuheiten. Ebenso baut Montblanc seine Vintage-Linie 1858 im Military-Look stark aus. Vacheron Constantin stellt die Kollektion Fiftysix vor, Jaeger-LeCoultre relauncht zum 50. Geburtstag seiner Kultmodelle Polaris eine neue Familie, Girard-Perregaux erweitert seine 1970er-Jahre Laureato-Serie mit stylischen Chronographen, ebenso schwimmt Ulysse Nardin auf der Retro-Welle mit neuinterpretierten Marine-Uhren.

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