17.01.2017 
Luxusuhren-Messe in Genf

Die spektakulärsten Luxusuhren auf dem SIHH

Aus Genf berichtet Michèlle Mussler
Richard Mille

Auf der Suche nach Materialien, die keinen Börsenschwankungen unterliegen und die der Kunde auch schwieriger kalkulieren kann, mutieren einige Uhrmacher schon mal zu Alchemisten, wie derzeit auf der Genfer Luxusuhrenmesse SIHH (Salon International de la Haute Horlogerie) zu sehen. Allen voran Richard Mille, der den leichtesten Chronographen der Uhrmacherei vorstellt. Entwickelt wurde der 40 Gramm leichte Weltrekord zusammen mit der Universität Manchester und dem Rennsportteam McLaren. Abgehobene 980.000 Franken netto (etwa 914.000 Euro netto) verlangt dafür die Innovationsschmiede.

Panerai zieht mit dem Metallglas BMG-Tech, Carbon und einem Zifferblatt nach, das wie ein schwarzes Loch wirkt - es schluckt tatsächlich jedes Licht. Reflektionen haben keine Chance. Vermehrt anzutreffen ist auch Hightech-Keramik. Und zwar nicht nur für die Lünetten oder beim Gehäuse sondern auch beim Armband. Weiterer Vorteil: die Farbpalette ist facettenreicher und das Material ist kratzresistent. Allerdings empfindlich bei harten Stößen. Welches Hightech-Material auch immer, letztendlich sollte man sich überlegen, ob es einem so viel wert ist wie ein Edelstahl- oder gar Goldmodell.

Eine weitere Epoche von Extremuhren läuten momentan Repetitionen ein. Gleich zwei Modelle an Grande Sonnerie sind bei Uhrennerds das große SIHH-Gesprächsthema: Der Klangkörper von Greubel Forsey für etwa 1.07 Millionen Euro oder der Subwoofer von Vacheron Constantin für etwa 1.13 Millionen Euro - welcher klingt besser, welcher lauter, und selbst wenn sich einen leisten kann, an welche kommt man überhaupt ran? "Wir haben heute schon zwei verkauft. Somit ist die Jahresproduktion 2017 für die Komplikation schon voll ausgelastet," erklärt Juan-Carlos Torres, CEO von Vacheron Constantin.

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Bei solchen Extremisten möchte man meinen, die Luxusuhrenbranche erlebt eine Blütezeit. Von wegen. Unverblümt räumen alle Marken ein, dass die Zeiten seit zwei Jahren schwierig sind. Torres, der schon 40 Jahre in dieser Branche arbeitet, empfand 2016 als das komplizierteste Jahr und fügt hinzu: "noch anspruchsvoller wird es aber 2017". Hingegen Alain Zimmermann, CEO von Baume & Mercier, der mit Einsteigeruhren für unter 2000 Euro lockt, beschreibt die momentane Situation "als marktgerecht". Soll heißen, die Preise fallen.

Im Rennen um Preisattraktivität liegt Montblanc mit seiner überarbeiteten TimeWaker-Linie, darunter ein Chronographen mit zweiter Zeitzone für 4990 Euro, ebenso weit vorne . Bei Girard-Perregaux sind die neuen Herrenuhren der Laureato-Kollektion um etwa 4000 Euro günstiger als die 2016 lancierte Limitierung. Parmigiani bringt seinen puristischen Klassiker 'Tonda 1950' jetzt erstmals als Edelstahlvariante für 8950 Euro.

Nachdem Ulysse Nardin viele Jahre überwiegend für den osteuropäischen und asiatischen Geschmack und Geldbeutel produziert, geraten jetzt Europäer in Schwärmen: Die schlichte Dress Watch 'Classico Manufacture Grand Feu' mit Emaille-Zifferblatt und Manufakturwerk samt eigener Silizium-Spirale liegt bei etwa 8500 Euro. Das neue 'Marine Tourbillon' bei circa 28.800 Euro. Auch Panerai steigt in den Tauchgang ein - mit Submersible-Taucheruhren schon ab 7900 Euro.

Trauer um Walter Lange

Blühende Zeiten also für Uhrenliebhaber. Und zwar jeder Gattung: die Sammler und vermögenden Nerds werden mit einer üppigen Auswahl an wagemutigen Erfindungen und Komplikationen angelockt. Die Einsteiger oder Mehrfach-Uhrenbesitzer können auf Schnäppchenjagd gehen.

Bewusst nutzen die Hersteller diese zweigleisige Strategie: seltene Komplikationen und limitierte Extravaganzen sorgen fürs gute Image und werden immer verrückter im Preis - ein paar Exemplare gehen immer. Vereinzelte Modelle werden als Köder angeboten und machen die breite Masse aus. So werden zum einen die Produktionskapazitäten ausgelastet, zum anderen lassen vereinzelte Prachtexemplare die Kassen schnell klingeln - und nichts hat die Branche mehr nötig.

Unterdessen trauert die Uhrenwelt um den Wiederbegründer des Luxusuhren-Labels Lange & Söhne, Walter Lange, der in der Nacht zum Dienstag im Alter von 92 Jahren starb. "Ein riesiger Verlust nicht nur für uns, sondern für die gesamte Uhrenindustrie", sagte Unternehmenssprecher Arnd Einhorn. Lange, der in den vergangenen Jahren als Repräsentant der Firma aus dem sächsischen Glashütte tätig war, habe als Pionier die gesamte Branche geprägt.

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