01.04.2017  Hinter den Kulissen der teuersten Uhrenmarke der Welt

Inside Patek Philippe

Von Klaus Ahrens
Patek Philippe

Wer dem inneren Zirkel von Patek Philippe nahe kommen will, der wird, daran führt kein Weg vorbei, erst mal ins hauseigene Museum geschickt. Die Sache ist Philippe Stern, bis 2009 Chef von Patek und heute Ehrenpräsident, so wichtig, dass er 2001 zur Eröffnung die gesamte Weltpresse einfliegen ließ, samt Händlern und Kunden.

Ein Gebäude mitten in Genf, prunkvoller Eingang, dann ein paar Sandsteinstufen hoch zum Empfangstresen, wo man von einer älteren Dame, das blonde Haar akkurat frisiert, im Arm einen Leitz-Ordner, abgeholt und ganz nach oben geführt wird. Edle Hölzer, Kabinette mit endlosen Bücherwänden, messinggefasste Vitrinen mit kostbaren Schaustücken, gerahmte Dokumente. Links in der Ecke ein Schreibtisch mit grün bespanntem Leuchter, Pfeifenständer, Briefwaage, ein paar Schriftstücken, wie eben kurz verlassen. Das Büro von Henri Stern, dem Vater von Philippe.

In den drei Etagen darunter: knapp 2000 Uhren, alle gesammelt von Philippe Stern. Die archaische Dosenuhr von 1540, Meisterstücke aus der Fabrik von Voltaire, Klassiker von Ferdinand Berthoud und Abraham Louis Breguet, emaillierte und bemalte Preziosen, Renommierstücke für China und die Türkei, Patek-Uhren der Reichen und Mächtigen, die Stern zurückgekauft hat. Eingerichtet hat das Museum Gerdi Stern, die blonde Frankfurterin, die Philippe während eines Jobs in Deutschland kennengelernt und 1966 geheiratet hat.

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Die Ehrfurcht vor Firma und Familie ist bei den Mitarbeitern riesig. Sieben Mal, so erzählt die Museumsdame, habe Philippe Stern den Bol d'Or gewonnen bei der jährlich auf dem Genfer See stattfindenden Segelregatta. Ein toller Skiläufer sei er gewesen, 1960 Hochschulweltmeister. Von seiner Frau habe er sich die Kunst des Hundeschlittenrennens beibringen lassen. Und selbstverständlich sei dies das beste Uhrenmuseum der Welt, geleitet von Peter Friess, Kunsthistoriker und Uhrmachermeister, einem Spitzenmann der Branche.

Eine Welt der Superlative: Patek Philippe baut die teuersten Uhren, zu Preisen zwischen 10.000 und mehr als einer Million Euro, hält mehr als 100 Patente, besitzt die größte Vielfalt an Modellen - neben den acht Linien der normalen Kollektion gibt es noch die umfangreichste Auswahl komplizierter Uhren - und stellt die höchsten Anforderungen an die Qualität. Zum Beispiel bei der Ganggenauigkeit, die nur eine Abweichung von minus drei und plus zwei Sekunden am Tag zulässt.

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