06.12.2018 
Gimmicks für Uhrenfans

Mehr Lametta fürs Handgelenk

Von Michèlle Mussler
[M] Nomos, Maurice Lacroix, Seiko, Hermes, Oris

Gimmicks, Gadgets und Geniales für Uhrenfans, die schon fast alles haben - aber eben nur fast.

Zur Adventszeit herrscht Hochsaison. Oft gehen in den sechs Wochen vor Weihnachten mehr Uhren über die Ladentheken, als in den ersten sechs Monaten eines Jahres zusammen. Das liegt auch an der Verfügbarkeit. Neuheiten und Appetitanreger, die im Januar auf dem Genfer Uhrensalon SIHH und im Frühjahr auf der Uhrenmesse Baselworld vorgestellt wurden, treffen häufig erst in den Herbstmonaten bei den Konzessionären ein.

Um den Hype anzuheizen, setzen clevere Marken oft noch einen drauf. Für einen lukrativen Jahresendspurt frohlocken sie im Herbst mit weiteren Modellneuheiten. Breitling stellte kürzlich die komplett neue Kollektion Premier vor, Oris preisattraktive Jubiläumsmodelle, Tissot rassige Auto-Uhren, IWC überarbeitete seine Portugieser Linie und A. Lange & Söhne hält Sammlern eine neue Version ihres begehrten Datographen vor die Nase. Der Händler Bucherer ködert mit der Sonderedition Blue Editions von edlen Manufakturen, die exklusiv nur bei ihm zu haben ist. Gleichzeitig ploppen überall tannenbaumgrüne Uhren auf.

O Tannenbaum, o Uhrentraum

Das trifft den Nerv bei Uhrenfans, die oft auch ein Faible für Uhren-Accessoires pflegen, bevorzugt von ihrer Lieblingsmanufaktur. Einige Label haben das erkannt und bieten mal praktisches, mal paradoxes Zubehör. Eine Herausforderung für alle, die einen Uhren-Liebhaber beschenken möchten. Vor allem, wenn es zur Leidenschaft passen und auch überraschen soll, man aber nicht tausende Euro in einen Zeitmesser investieren möchte. Aber: Ideen rund um die Uhrenwelt gibt mehr als man vermutet.

Geschenke für Geschäftspartner

In Zeiten von Compliance eine diffizile Angelegenheit. Aber nicht unmöglich. Fingerspitzengefühl ist gefragt. Eine Uhrmacher-Lupe beispielsweise. Das ist durchdacht, bezahlbar und nicht nur für Uhren praktisch. Damit lässt sich auch das Kleingedruckte der gemeinsamen Verträge besser lesen - überlegen Sie also genau, ob das zielführend ist.

Ist der Kollege oft auf Geschäftsreise, empfiehlt sich auch ein Uhrenetui. Aus Textilien sind die praktischen Begleiter preiswert, teurer sind die noblen Ledervarianten von Rapport, Montblanc, Scatola del Tempo oder Louis Vuitton, in die man ein Monogramm einprägen lassen kann.

Schreibtischuhren erleben ein Revival. Zum einen weil sie dekorative Kunstobjekte sein können, zum anderen weil sie in Zeiten der Digital-Überflutung beruhigend wirken. Für die Extraportion Lametta sorgen Zusatzfunktionen, wie etwa einen Wecker oder zweite Zeitzone.

Geschenke für Freunde und Lieblinge

Bitte keine Krawatten oder Socken mit Uhren-Motiven. Aber haben Sie keine Angst vor mutigen Ideen. Gemeinsame Erlebnisse sind oft das höchste Gut. Ein Kurztrip in die sächsische Uhrenstadt Glashütte zum Deutschen Uhrenmuseum ist lässt sich ideal mit Dresden und dem dortigen Mathematisch-Physikalischen Salon kombinieren. In der Uhrenhochburg Genf betreibt Patek Philippe ein verblüffendes Uhrenmuseum betreibt. Im Nachbarkanton Neuenburg lassen sich Uhrmacher bei der Arbeit über die Schulter schauen - eine Seltenheit in der Branche, da sonst nur geladene Gäste Zutritt erhalten. Seit wenigen Monaten erlaubt dort die Manufaktur Zenith, deren Gebäudeensemble zum Uneso-Weltkulturerbe zählt, nach Voranmeldung einen dreistündigen Rundgang.

Oder man belegt zusammen mit Freunden ein Uhrenseminar. Quer durch Deutschland bieten kleine Uhrenmarken und professionelle Uhrmacher Workshops an. Meistens werden die Demontage, das Reinigen und das Zusammensetzen der Kaliber geübt, mechanisches Nerdwissen vermittelt und manchmal kann man sich sogar eine eigene Uhr anfertigen. Ob Amateur oder Bescheidwisser ist dabei völlig egal. Auch die Hessische Uhrmacherschule im Taunus weist Laien in die Materie ein. Die Watch Academy kommt sogar mit einer mobilen Werkstatt nach Hause oder ins Büro.

Video: So klingt Bulgaris 720.000-Euro-Uhr

Der Klassiker sind Uhrenbeweger, damit die gesammelten Automatikuhren immer fit bleiben. Jedoch sind die preiswerten Modelle oft laut und lassen sich weder in der Geschwindigkeit noch in der Drehrichtung regulieren. Da die meisten Aufzugsrotoren in den Kalibern nur in eine Richtung aufziehen, muss der Besitzer genau wissen, wie er seine Uhr in dem Uhrenbeweger platziert. Besser man entscheidet sich für einen Beweger, der in beide Richtungen dreht und programmierbar ist. Spezialisten wie Erwin Sattler, Döttling und Buben & Zörweg offerieren solche Highend-Objekte mit weiteren raffinierten Gimmicks.

Geschenke von Uhrenmarken für Kunden

Pünktlich zur Weihnachtszeit beschenkt Omega seine Kunden. Die Manufaktur erweitert die Garantiezeit von zwei auf fünf Jahre für alle neuen Modelle, die ab diesen November gekauft werden. Wer diese Frist um wenige Monate verpasste, kann sich trösten. Alle ab Juli 2018 erworbenen neuen Omega-Uhren erfahren nachträglich und kostenlos dieses Upgrade. Auch Rolex, Ulysse Nardin und vereinzelte Breitling-Modelle bieten eine fünfjährige Garantie.

Ebenso setzen etablierte Konzessionäre auf Service-Leistungen, die Online-Händler meist nicht bieten. Bucherer offeriert beispielsweise eine Reparatur-Ferndiagnose über ein Kontaktformular an. Wempe gibt eine Drei-Jahres-Garantie auf alle in ihren Filialen gekauften Uhren. Wer länger verreist kann dort seine Preziose sicher lagern. Alles kostenfrei.

Solche Gratis-Extras stehen hoch im Kurs. Qualitäts- und Chronometer-Zertifikate zählen schon länger dazu. Jüngster Coup, um Kunden an sich zu binden, sind Wechselarmbänder. Immer häufiger locken Marken mit dem kostenfreien Obolus, der sonst mehrere hundert Euro abverlangt. Tudor und Oris gelten hier als Vorreiter. Bei Patek Philippes neuem Aquanaut Chronograph erhält man gesamt zwei Armbänder, ebenso bei Cartiers neuer Santos und bei Vacheron Constantins Overseas-Kollektion sogar drei.

Natürlich haben die Marken solche Extras im Endpreis einkalkuliert, doch es macht eines deutlich: statt irrwitziger Preispolitik rückt Kundenservice wieder mehr in den Mittelpunkt. Und das nicht nur zu Weihnachten.

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