08.06.2018  Luxushotels und US-Stars lieben die Blumenarrangements

Florist Jeff Leatham - ein Mann blüht auf

Von Martina Meister, "Der Feinschmecker"
Jeff Leatham

Jeff Leatham verwandelt Blumen in Kunst, etwa im "George V" in Paris und im "Four Seasons Hotel" in Los Angeles. Mit seinen opulenten Installation ist er zum Floristen der Stars avanciert.

Frage: Wenn man in die Lobby des Hotels "George V" in Paris kommt, meint man, eine Galerie zu betreten. Sind Ihre Blumenarrangements Kunst?

Jeff Leatham: Ja, genau diesen Eindruck möchte ich erzielen: Die Gäste sollen das Gefühl haben, in ein Museum zu kommen oder vor einer Kunstinstallation zu stehen. Ich mag diesen Wow- Effekt und das Staunen, wenn Menschen meinen, so etwas noch nie gesehen zu haben. Ich verwende bis zu 14.000 Blumen in der Lobby. Und dann setze ich die Dekoration bis in die Zimmer fort.

Frage: Dank Ihren Arrangements im "George V" in Paris und im "Four Seasons Hotel" in Beverly Hills sowie Ihrem bei Prominenten gefragten Blumenschmuck gelten Sie als Star-Florist. War es schon immer Ihr Traum, mit Blumen zu arbeiten?

Leatham: Nein, das war purer Zufall. Ich war Model, und das lief Mitte der Neunziger gerade nicht. Ich brauchte einen Job, und jemand sagte mir, er habe einen Freund, der den Blumenladen im "Four Seasons Hotel" in Beverly Hills führe und Hilfe brauche. Ich habe dann dort angefangen und erst mal sehr viele Fehler gemacht. Aber mit der Zeit habe ich meinen ganz eigenen Stil entwickelt.

Frage: Wie sieht der konkret aus? Geht es bei Ihnen um die Form, die Farbe oder den Duft einer Blume?

Leatham: Ich fange immer mit der Farbe an, die ein Arrangement haben soll, dann folgt der Rest. Denn die Farbe ist für mich das Wichtigste, erst dann kommen der Typus der Blume und zuletzt ihre Form.

Frage: Spielt denn der Duft gar keine Rolle?

Leatham: Früher war das so, aber heutzutage duften die meisten Blumen gar nicht mehr. Man muss sie schon im Garten pflücken, um so einen Effekt zu haben. Manchmal versuche ich für Schlafzimmer Gardenien oder Gartenrosen zu finden, aber bei großen Installationen geht es mir eigentlich nur um die optische Wirkung.

Frage: Sie sagen, die Farbe spiele die größte Rolle, allerdings sind die meisten Ihrer Installationen einfarbig. Wie passt das zusammen?

Leatham: Ich versuche immer, die Dinge sauber, einfach und schick zu halten. Wenn man eine Sache zu kompliziert macht, dann schauen die Leute nicht mehr hin, aber etwas Simples wird immer den Blick der Passanten auf sich ziehen.

Frage: Bei 14.000 Blüten kann man ja kaum von etwas Einfachem reden … Was für ein Budget haben Sie im "George V" pro Jahr?

Leatham: Das liegt bei über eine Million Euro allein für die Blumen. Für mich ist es ein Zeichen, wenn ein Hotel Geld für Blumen ausgibt. Das heißt nichts anderes, als dass man dem Gast eine einmalige Erfahrung von Luxus bieten will, bei der Geld keine Rolle spielt.

Frage: Wer oder was inspiriert Sie?

Leatham: Mir schwebt bei jeder neuen Herausforderung ein Design aus Farben und Formen vor, sodass ich ständig neue Inspiration brauche. Kunst ist dabei sehr wichtig. Wenn ich in Paris bin, gehe ich viel ins Museum. Die ersten Jahre bin ich oft nach Giverny in den Garten von Claude Monet gefahren. Seine Seerosen haben mich stark beeinflusst. Ich mag aber auch Mark Rothko wegen seiner klaren Formen, seiner Modernität und seines Sinns für Farben. Und dann inspirieren mich die Filme der 50er- und 60er-Jahre mit der damaligen amerikanischen Ästhetik. Wenn ich ganz ehrlich bin, haben diese Filme vermutlich den größten Einfluss auf meine Arbeit, die Blumen selbst den geringsten.

Frage: Haben Sie denn trotz allem eine Lieblingsblume?

Leatham: Ich liebe Blumen mit Duft wie Magnolien, Gardenien oder Gartenrosen. Wenn Blumen duften, schaffen sie Erinnerungen, denn unser Gedächtnis funktioniert über Geruch und Geschmack.

Frage: Zeichnen Sie, bevor Sie mit der Arbeit beginnen?

Leatham: Das habe ich früher regelmäßig gemacht. Aber inzwischen kann ich mir vor dem inneren Auge sehr genau vorstellen, was ich will und wie es aussehen soll. Darüber hinaus arbeite ich längst mit einem Grafikdesigner zusammen, der Präsentationen erstellt, die meinen Kunden sehr helfen, sich alles genau auszumalen.

Frage: Sie arbeiten für viele Stars und Prominente. Was müssen Sie vorher über Ihre Kunden wissen?

Leatham: Ihre Persönlichkeit ist mir wichtig. Ich muss herausfinden, was sie mögen, und versuche, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Das ist gerade bei einer Hochzeit wichtig. Es fühlt sich immer besser an, wenn man das Gefühl hat, etwas für einen Freund zu entwerfen, nicht für einen Kunden.

Frage: Bei einem Abendessen zu Hause: Welche Blumen sollte man verwenden oder auf jeden Fall vermeiden?

Leatham: Ich würde auf zu hohe Blumen verzichten, denn die sind bei einer guten Konversation am Tisch immer im Weg. Ansonsten geht eigentlich alles - außer Blüten, die zu stark duften. Einfarbige Arrangements machen sich auch zu Hause gut, sie wirken raffiniert und elegant. Sie zeigen, dass Sie sich als Gastgeber wirklich Gedanken gemacht haben über die Dekoration.

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Frage: Womit kann ich meine Gäste noch überraschen?

Leatham: Kleine handgebundene Bouquets, die Ihre Gäste mit nach Hause nehmen können, sind eine hübsche Überraschung und eine Erinnerung an die Zeit, die man gemeinsam verbracht hat.

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Frage: Ich bin eingeladen und möchte Blumen mitbringen - was liegt da gerade im Trend?

Leatham: Das unterscheidet sich je nach Anlass erheblich. Aber im Trend liegen derzeit vor allem sehr luftige Sträuße im Bohemian Style. Die Bouquets wirken sehr wild, als wären die Blumen gerade erst im Garten gepflückt worden.

Frage: Welche Blumen eignen sich am besten, um Danke zu sagen?

Leatham: Mit einem Arrangement ganz in Weiß sagt man auf ebenso klassische wie zeitlose Art und Weise Danke - wenn die Landessitte das Weiß nicht als Blumenfarbe der Trauer ablehnt. Ansonsten empfehle ich etwas Fröhliches und Freches, ganz in Orange, Gelb oder Violett.

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