16.02.2018 
Business-Knigge Duzen oder Siezen

Soll ich dich siezen oder Sie duzen?

Von Katharina Starlay

Katharina Starlay
  • Copyright: Wala Heilmittel / Stephanie Schweigert
    Wala Heilmittel / Stephanie Schweigert
    Katharina Starlay ist Modedesignerin, Imageberaterin und Mitglied im Deutschen Knigge-Rat. In Vorträgen, Seminaren und individuellen Beratungen coacht sie rund um Kleiderstil und Businessknigge. Seit 2002 berät sie auch Unternehmen für deren Außenauftritt und entwickelt Stil-Leitfäden sowie Firmenkleidung. Sie schreibt Bücher (zuletzt als Hörbuch erschienen: Der Stilcoach für Männer Stilcoach für Männer) und publiziert über Stilthemen: Starlay.de.

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Was hat die lässige Duz-Kultur bisher gebracht? Haben sich die Unternehmen, in denen das globale Du ausgerufen wurde, drastisch verjüngt? Gab' es im Interesse des Employer Branding einen Run junger High Potentials auf die Personalabteilungen? Ist die Mitarbeiter-Zufriedenheit durch den verbalen Kuschelkurs messbar gestiegen? Der Respekt füreinander so groß wie nie und die Zahl der Kunden und Follower größer als vorher? Das muss sich jedes Unternehmen selbst beantworten.

Was - außer reichlich Presserummel - hat die modische Anrede noch gebracht? Vor allen Dingen doch dieses: Sie hat Verwirrung gestiftet und nicht nur für Unterhaltung gesorgt, sondern auch für Ablenkung von den Dingen, die inhaltlich wichtig sind. Es ist ein bisschen wie mit ungeschickt gewählter Kleidung, durch die der Betrachter nur noch unkonzentriert zuhören kann, weil er heimlich überlegt, wie es zu diesem Mode-Statement wohl kam.… Dabei sollten Sie an dieser Stelle "modisch" und "modern" unbedingt unterscheiden, das erste folgt einem kurzfristigen Trend, das zweite einem sich entwickelnden Zeitgeist.

Eben jener Zeitgeist macht es aber nicht nur leichter, sondern manchmal auch schwerer: Weil Knigge in erster Linie im Sinn hatte, dass sich Menschen miteinander wohlfühlen sollen, und weil die individuelle Anrede zum Wohlbefinden beiträgt, frage ich am Beginn eines Seminars ab, wie die Teilnehmer von mir angesprochen werden möchten. In der Regel läuft es auf einen einheitlichen Modus hinaus.

In einem Kurs geschah es aber, dass sich ein paar die Anrede mit Nachnamen oder Vornamen und Sie wünschten - nur der Chef und zwei seines Teams entschieden sich für den Vornamen mit Du, um ein Zeichen zu setzen. Was für ein Balance-Akt!… "Duzis machen" nennt es der Schweizer, wenn er sich mit Geschäftspartnern und privaten Kontakten auf die Anrede mit Du verständigt. Die Episode zeigt nur beispielhaft, was in Organisationen, Clubs und Wirtschaftsunternehmen gerade passiert: Im besten Fall ein Dialog auf Augenhöhe, im ungünstigsten ein Duzis-Durcheinander. Wie sich die Duz-Kultur sanft statt plötzlich integrieren lässt, lesen Sie hier.

Wie lässt sich aber Ruhe in das Thema bringen, wenn das Du schon längst zum Alltag gehört? Welche Arten begegnen uns und wie wird es elegant? Denn jünger macht es uns nicht, das Duzen. Höchste Zeit, die verschiedenen Stile des Du zu reflektieren:

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