16.05.2018 
Richemont launcht neue digitale Uhrenmarke

Neue Uhren für ungeduldige Millenials

Von Michèlle Mussler
Baume

2. Teil: Neue Personalrochaden und digitale Branchen-Rallye

Erst im Januar übernahm Richemont das digitale Luxuskaufhaus und holte sich als Digitalchef Jacques Van Oosten. Doch dieser warf nach nur vier Monaten das Handtuch. "Aus persönlichen Gründen" teilte Richemont Anfang Mai seinen Abgang mit und initiierte eine weitere Personalrochade: Alain Zimmermann, CEO von Baume & Mercier, wird den neu geschaffenen Bereich E-Commerce des Konzerns leiten. Seine Nachfolge tritt Geoffroy Lefebvre ab 1. Juni an, der zuvor Jaeger-LeCoultre als Deputy-CEO führte. Die dort entstandene Lücke wird Catherine Rénier als neue CEO der Nobelmanufaktur füllen. Mit der erfahrenen Luxusmanagerin von Van Cleef & Arpels positioniert der Konzern die zwei Frau in solch einer Top-Position.

Auch beim Mitbewerber Kering wechselten schnell die Personalien. Urplötzlich musste Patrick Hoffmann letzten Herbst seinen CEO-Stuhl bei Ulysse Nardin verlassen. Seit wenigen Tagen tritt er als Executive Vice President beim Portal Watchbox Schweiz an. Für die Branche ein Überraschungs-Coup, da Hoffmann als Branchenveteran mit besten Kontakten hohes Ansehen genießt und sich die Plattform auf den Handel mit Vintage-Uhren spezialisiert hat. Noble Manufakturen wie Audemars Piguet, Vacheron Constantin, Zenith, Hublot und Tag Heuer möchten jedoch solchen Portalen nicht mehr den lukrativen Second-Hand-Handel alleine überlassen und steigen selber in das Business ein.

Omega hingegen setzt schon längst auf den Vintage-Markt und gilt mit digitalen Coups als Branchen-Pionier: Die limitierte Speedy Tuesday Community-Uhr, die nur über Instagram angeboten wurde, war in 4 Stunden 15 Minuten ausverkauft - und fast 11 Millionen Euro Umsatz erzielt. Seither steigen zahlreiche Marken auch in die Rallye mit Online-Editionen ein. Das Tempo gibt aber weiterhin Omega vor. CEO Raynald Aeschlimann präsentierte kürzlich die neue Markenbotschafterin Kaia Gerber. "Wichtig ist, dass unsere Testimonials die Markenwerte anschaulich teilen und Millennials ansprechen", erklärt Aeschlimann. Sie ist die neue Version des Supermodels, Influencerin mit 3,2 Millionen Followern und Cindy Crawfords 16-jährige Tochter. Den nächsten Coup kündigt er im Exklusiv-Interview in der neuen Ausgabe des manager magazin an, die am 18. Mai erscheint.

Dass neue Zeiten angebrochen sind, zeigt auch das Beispiel Patek Philippe. Bisher distanzierte sich die vornehme Manufaktur von Social Media, im März jedoch brach sie mit der Tradition und öffnete einen eigenen Instagram-Kanal. Medienwirksam brach auch A. Lange & Söhne einen Rekord: am 13. Mai versteigerten die Sachsen bei Phillips zu Ehren von Walter Lange ein Unikat aus Edelstahl zum Hammerpreis von 713.627 Euro - das bisher höchste Auktionsergebnis, das jemals eine Lange-Armbanduhr erzielte. Der Erlös wird einem guten Zweck gespendet, ganz im Sinne der Millennials.

Auch Mühle-Glashütte liebäugelt mit den jungen Käufern und lanciert nicht nur eine Modell-Neuheit, sondern auch einen neuen Uhren-Begriff. Die neue 'Panova Blau' wird mit zwei Armbändern ausgeliefert: ein schlicht blaues für das Business, das andere in knalligen Farben für die Freizeit. Mühle nennt das 'Watch-Life-Balance'.

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