22.03.2018 
Uhrenmesse Baselworld 2018 ist eröffnet

Die spektakulären Neuheiten der Luxusuhrmacher

Von Michèlle Mussler
Rolex

Posen und Posten - das Public Viewing rund um die Uhr und der Luxusuhrenindustrie hat auf der Baselworld (22. bis 27. März) begonnen. Nicht nur ein Wettlauf um digital und analog ist entbrannt, sondern auch um die richtigen Marketing- und Vertriebsstrategien. Patek Philippe lanciert erstmals Neuheiten auf einem eigenen Social-Media-Kanal, Hublot setzt jetzt auch auf Smartwatches, Nomos überlegt eventuell von der Baselworld zum SIHH zu wechseln, Marken steigen in den Second-Hand-Handel ein und irgendwie schaut jeder nach einem neuen Tick zur richtigen Zeit. Hinsichtlich Designtrends und Modellpolitik für 2018 scheinen sich die Marken jedoch ziemlich einig.

Mehr Charakter und Authentizität fürs Handgelenk

Sachliche Retro-Modelle sind bei modernen Businessmen ebenso gefragt wie bei hippen Yuccis. Mit dem Old School Look ist es aber nicht mehr getan. Statt Vintage lautet das Motto jetzt Heritage. Soll heißen, die Marken entdecken ihre Klassiker neu und statten sie mit moderner Technik aus. Vor allem müssen die Uhren eine echte Vergangenheit besitzen, authentische Geschichten erzählen und nicht nur auf alt getrimmt sein. Bevorzugt werden hierfür die Jahrgänge zwischen 1930 und 1970. Anzutreffen sind sie beispielsweise bei Longines mit einer Taucheruhr, bei Arnold & Son mit einem Tourbillon und bei Omega, Tissot und Mido handelt es sich um puristische Dress Watches.

Vor 110 Jahren offiziell registriert - Rolex hätte allen Grund mit Jubiläums-Editionen zu prahlen. Stattdessen legt die Innovationsschmiede eine Ikone von 1954 neu auf: Die Pepsi alias GMT-Master II kommt erstmals mit Jubilé-Armband, einem noch robusterem Oyster-Stahl und dem neuen Automatikkaliber 3285 auf das zehn Patente angemeldet sind.

Passend zu vergangenen Zeiten erfahren auch Gehäusegrößen eine Mäßigung. Vornehme Manufakturen wie Patek Philippe proklamieren seit Jahren für Herren diskrete Eleganz unter 40 Millimeter Durchmesser. Das laute XXL-Wecker unmodern wirken und Platz für Neues machen können, haben inzwischen einige Lifestyle-Label erkannt. Sie verpassen ihren Kollektionen ein Downsizing. Aufgeräumt wird auch beim Zifferblatt-Design. Unnötige Gimmicks fallen weg und die Zeit lässt sich wieder ablesen. Purismus liegt vorne, er darf aber keine Langeweile ausstrahlen. Mehr Mut zur Farbe sorgt für Erfrischung. Rote Applikationen, vor allem Blautöne sind längst etabliert, weshalb der Trend jetzt ins Grüne schwappt. Chopard, Omega, Certina, Frederique Constant und sogar die eher design-diskrete Manufaktur Glashütte Original fahren diese Farbe zur Baselworld auf.

Potenz durch skelettierte Zifferblätter und Kaliber

Neben der klassischen Eleganz bleiben Chronographen mit PS-starkem Automobil-Image, Taucher- und Fliegeruhren im Military-Stil sowie anspruchsvolle Mechanik beliebt. Gerne wird diese Potenz durch skelettierte Zifferblätter und Kaliber vorgeführt. Im Haut Horlogerie Segment kommen neue Hightech-Materialien und neue Kombinationen nützlicher Funktionen zum Zuge. Bulgari sticht mit einem neuen Weltrekord hervor - das flachste Automatik-Tourbillon mit 3,95 Millimeter Gehäusehöhe. Bei Rolex sorgen Nickel-Phosphor-Legierungen und innovative Laborentwicklungen für perfektionierte Neukonstruktionen. Zenith hebt Gravitationskräfte auf und optimiert ein Schnellschwinger-Kaliber um 70 Prozent. Und Patek Philippe vereint eine Weltzeituhr mit einer Minutenrepetition. "Diese Kombination ist in der Uhrmacherei bisher einzigartig und hat uns bei der Entwicklung mehrere Jahre Kopfzerbrechen bereitet", erklärt Patek-Inhaber Thierry Stern. Weltpremiere feierte die 5531 vergangenen Sommer auf der Manufaktur-Ausstellung in New York und ist ab dieser Baselworld unlimitiert zu haben.

"In den letzten drei Jahren war es schwieriger", räumt der Swatch-Group-ChefNick Hayek ein, "aber das ist doch kein Grund, Leute zu entlassen und weniger zu investieren". Vor wenigen Monaten eröffnete er für Omega ein neues Highend-Manufakturgebäude. Auch bei seiner Edelmarke Blancpain geht die Entwicklung weiter. Hochgerüstet wurde das Automatikwerk mit einer Silizium-Spirale für den neuen Vollkalender mit zweiter Zeitzone Villeret Quantième Complet GMT.

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Freuen können sich auch preissensible Mechanik-Liebhaber. Tag Heuer ist mit einem neuen Motor beim Chronographen Carrera Heuer 02 am Start - Kostenpunkt unter 5000 Euro. Longines offeriert beim Jahreskalender Master Collection ein optimiertes Eta-Automatikkaliber mit 64 Stunden Gangreserve für 1940 Euro. Nomos Glashütte erweitert sein Manufakturwerke-Sortiment um das Automatikkaliber DUW 6101 mit einer Datumsanzeige. "Etwa vier Jahre dauerte die Entwicklung und zwei Patente sind darauf angemeldet," erklärt der CEO Uwe Ahrendt. Auf eine simple Modulbauweise haben die Sachsen verzichtet, "weil wir unbedingt ein flaches Kaliber mit komfortabler Vor- und Rückwärts-Schnellschaltung für das Datum wollten".

Verpackt ist das Werk mit einem sportiv-rasanten Look des Designers Werner Aisslinger, nennt sich Autobahn und kommt in drei Farbvarianten für je 3800 Euro. Das gleiche Kaliber ist für den vernünftig kalkulierenden Geschäftsmann auch in der neuen Tangente Neomatik Update für 3200 Euro zu haben. Ganz neue Überlegungen hat man bei Nomos bezüglich der Baselworld. Die Marke wurde kürzlich in den erlauchten Manufakturenkreis der Fondation Haute Horlogerie aufgenommen und man überlegt ernsthaft ab nächstes Jahr auf dem SIHH auszustellen.

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