11.09.2017  Vinyl-Träume der Electric Recording Company

Neue Schallplatten ab 330 Euro aufwärts

Philip Dethlefs/dpa

Wer das Studio von Pete Hutchison im angesagten Londoner Stadtteil Notting Hill betritt, fühlt sich wie auf einer Zeitreise. Die historisch anmutende Ausstattung mit den sperrigen grauen Maschinen könnte auch in einem Museum stehen. Statt auf hochmodernes Studio-Equipment setzt der Schallplatten-Produzent mit den langen Haaren und dem Zottelbart auf die Technik der 50er und 60er Jahre. Nur damit, insistiert Hutchison, könne er die gewünschte hohe Tonqualität erzielen.

Mit seiner Electric Recording Company produziert der Unternehmer Neuauflagen seltener Klassik- und Jazz-Platten. Die günstigste Schallplatte im Online-Shop kostet umgerechnet rund 330 Euro. Andere liegen bei 500 Euro oder mehr. Dafür verspricht Hutchison eine authentische Reproduktion der Originalpressungen.

Anlass für dieses Geschäft war Hutchisons eigene Leidenschaft für die LPs der 50er und 60er Jahre. "Ich war sehr enttäuscht von den anderen Neuauflagen auf dem Markt", erklärt er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Deshalb habe ich immer die Erstpressungen gesammelt, die Originale." Doch das ging ins Geld. In einem einzigen Jahr habe er einmal umgerechnet knapp 45 000 Euro für klassische Musik ausgegeben.

Das teure Hobby brachte den Briten, der seit den frühen 90er Jahren das Label Peace Frog für elektronische Musik betreibt, auf die Idee. "Wir hatten zu dieser Zeit schon eine Mastering-Anlage hier und haben Vinyl-Schallplattenschnitt gemacht. Da dachte ich, es wäre doch eine gute Idee, die Platten aus dieser Epoche selbst neu aufzulegen."

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Als praktisch erwies sich, dass Peace Frog ein Vertriebsabkommen mit der Plattenfirma EMI hatte. Deren Tochterlabel Columbia hatte die Rechte an vielen der seltenen und gefragten Sammlerstücke. "Die hatten die Originalbänder in ihrer Fabrik", erzählt Hutchison. "Da hab ich mich gefragt, ob es die Möglichkeit gibt, diese Platten neu zu produzieren, und zwar exakt genauso, wie sie damals produziert wurden."

Doch zunächst gab es ein gravierendes Hindernis: "Das Problem war, dass das Equipment, das damals zum Remastern verwendet wurde, nicht mehr erhältlich war", erinnert er sich. "All die großen Tonstudios wie Abbey Road haben das Equipment weggeworfen. In den 70ern wurde alles entsorgt. Das heißt, dass jede Neuauflage, die nach 1975 rauskam, anders gemastert wurde als das Original und auch anders klingt. Und dieser Klang war für mich nicht so gut, wie die Schallplatten damals klangen."

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