27.09.2016  Kim-Eva Wempe über schwierige Geschäfte

"Die Uhrenbranche leidet auf hohem Niveau"

Von
Wempe

Der Luxusgüterkonzern Richemont hat jüngst dramatische Ergebniseinbußen verzeichnet. Von Händlern in Hongkong und Macau wurden sogar Uhren zurückgekauft, die bei den Kunden keine Abnehmer fanden. manager-magazin.de hat bei Kim-Eva Wempe nachgefragt, wie es in der Branche aussieht: Sie ist Chefin des Uhren- und Schmuckhandels Wempe, der mit 32 Filialen in Europa und den USA einer der größten Richemont-Kunden ist.

manager-magazin.de: Der Luxusgüterkonzern Richemont hat Ergebniseinbußen von 45 Prozent gemeldet, vor allem der Uhrenbereich hat Federn gelassen. Sie sind mit 32 Filialen in Europa und den USA einer der größten Richemont-Kunden. Wie beurteilen Sie die Situation?

Kim-Eva Wempe

Wempe: Sie ist herausfordernd. Es gibt vier Gründe für die derzeitigen Schwierigkeiten. Davon fallen drei aber weniger ins Gewicht: Die allgemeine politische Situation in Europa, die sich sehr unerfreulich entwickelt, die Wahlen in den USA und die Abkopplung des Schweizer Franken vom Euro, die zu Umsatzverschiebungen geführt hat. Die Hauptursache für die Einbußen aber ist das Chinageschäft, das durch die Antikorruptionsgesetze und die immensen Einfuhrzölle extrem gelitten hat. Allerdings muss man sich klarmachen: Das ist ein Leiden auf hohem Niveau. Es geht der Uhrenbranche insgesamt nicht schlecht.

mm.de: Wempe hatte Umsatzeinbußen - bei den Halbjahreszahlen waren es 25 Prozent im Uhrensegment.

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Wempe: Es hat sich schon wieder etwas erholt, aktuell sind wir bei 21 Prozent. Für uns liegt der Hauptfokus darauf, ob wir erfolgreich sind mit den Kunden, die dort wohnen, wo unsere Niederlassungen sind. Denn das ist das nachhaltige Segment. Das Geschäft mit den reisenden Chinesen verschiebt sich ruckzuck in andere Länder, wenn die Währung dort gerade günstiger steht. Aber beim lokalen Umsatz sind wir auf plusminus Null, da kann ich ruhig schlafen. Das ist unser Kerngeschäft, und seit Großvaters Zeiten haben sich manche Dinge hier nicht geändert: Der junge Mann kauft sich eine schöne Uhr, sobald er sie sich leisten kann. Dann kauft er seiner Freundin ein schönes Schmuckstück, irgendwann einen Ring. Die feine Uhr, das Juwel: Das hat nichts an Attraktivität eingebüßt, in Zeiten des Niedrigzinses sind diese Assets eher noch attraktiver geworden. Ich erwarte, dass sich unsere Zahlen bis Jahresende noch verbessern. Wir hoffen auf ein starkes Weihnachtsgeschäft.

mm.de: Nochmal zu Richemont: In Hongkong und Macau hat der Konzern schwer verkäufliche Uhren von den Händlern zurückgekauft. Ist das eine gängige Praxis?

Wempe: Das war eine starke Entscheidung. Wenn zu viel Ware am Markt ist, endet das mit ausufernden Nachlässen, und die Ware landet im Graumarkt. Sehr gängig ist die Praxis schon deshalb nicht, weil solche extremen Entwicklungen dafür zu selten vorkommen.

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