28.05.2018 
Fußball-WM 2018 in Russland

Was Sie in Moskau nicht verpassen sollten

Friedemann Kohler/dpa-tmn

Moskau
Anreise
Die russische Hauptstadt wird im Linienverkehr von vielen deutschen Flughäfen angeflogen. Während der Fußball-Weltmeisterschaft vom 14. Juni bis 15. Juli 2018 gibt es auch Sonderflüge. Mit der Bahn von Berlin dauert es je nach Zug 20 bis 24 Stunden Fahrt. Achtung: Transitvisum für Weißrussland notwendig!
Einreise
Deutsche Staatsbürger brauchen ein Visum, zu besorgen über die Botschaft in Berlin oder die Generalkonsulate in Hamburg, Bonn, Frankfurt und München. Für die WM ersetzt die Fan-ID das Visum.
Übernachtung
Moskau bietet eine breite Auswahl von Hostels bis zu Luxushotels. Für die Zeit der WM ist aber mit einem knappen Angebot und deutlich erhöhten Preisen zu rechnen.
Währung
Die Russen bezahlen mit dem Rubel. Ein Euro sind ungefähr 75 Rubel (Stand: Mai 2018). Bargeld kann mit einer Geldkarte problemlos an den Geldautomaten abgehoben werden
WM-Spiele in Moskau
Russland - Saudi Arabien (14. Juni), Island - Argentinien (16. Juni), Deutschland - Mexiko (17. Juni), Polen - Senegal (19. Juni), Portugal - Marokko (20. Juni), Belgien - Tunesien (23. Juni), Dänemark - Frankreich (26. Juni), Serbien - Brasilien (27. Juni), Achtelfinale (1. und 3. Juli), Halbfinale (11. Juli), Finale (15. Juli).

Moskau Hauptspielort der Fußball-WM 2018. Russlands Hauptstadt hat sich für das große Event herausgeputzt. Doch so riesig die Metropole ist - Reisende können sie auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. Am besten beginnt man mit dem Roten Platz, der Herzkammer Russlands, groß wie zehn Fußballfelder. Der Name hat nichts mit den roten Mauern des Kremls oder den kommunistischen Jahrzehnten zu tun: Krasnaja Ploschtschad bedeutet auf Russisch der "rote" wie der "schöne Platz".

Der Kreml ist seit Jahrhunderten Sitz der Macht in Russland. Aus seiner Wehrmauer ragt der Spasski-Turm mit der Uhr, die dem größten Land der Welt die Zeit vorgibt. Von außen zu sehen ist auch der Senatspalast mit der flachen Kuppel und der weiß-blau-roten Flagge Russlands. Besucher stehen Schlange, um im Mausoleum den Leichnam des 1924 verblichenen sowjetischen Revolutionsführers Lenin zu sehen.

Die Basilius-Kathedrale am anderen Ende des Platzes wirkt wie ein orientalischer Traum. Die buntgemusterten Kuppeln täuschen darüber hinweg, dass die orthodoxe Kirche aus dem 16. Jahrhundert streng geometrisch gebaut ist. Das Kaufhaus GUM war zu Sowjetzeiten die Ausnahme von der Mangelwirtschaft. Im neukapitalistischen Russland haben sich die teuersten Modefirmen aus aller Welt unter dem Glasdach der Einkaufspassage versammelt.

Seit neuestem schließt sich an den Roten Platz der futuristische Park Sarjadje an. Es gibt eine coole Aussichtsplattform über dem Fluss Moskwa. Aber weil die echten Parkbäume noch kümmerlich sind, tragen die Kirschbäume künstliche Blüten. Nachtigallengesang kommt vom Band. Genau so zeigt sich Moskau in diesem Sommer den Besuchern der Fußball-WM: Alt und modern, schrill und still, schön und hässlich verbinden sich zu einer widersprüchlichen, aber lebendigen Metropole. Die Hauptstadt, bald 871 Jahre alt, hat sich für das Fußballfest herausgeputzt. Gebäude, Straßen, Uferanlagen wurden saniert.

Die Riesenstadt mit 12,5 Millionen Einwohnern hat über die letzten Jahre an Lebensqualität und Urbanität gewonnen. Auch geht kein Tourist mehr verloren, weil er kein Russisch kann. An vielen Stellen stehen Wegweiser auch auf Englisch. Und mit etwas Übung lässt sich nach wenigen Tagen auch die kyrillische Schrift lesen.

Im Kreml ist die altrussische Kirchenbaukunst zu bewundern. In der Maria-Entschlafungs-Kathedrale wurden die russischen Zaren gekrönt. In der Erzengel-Michael-Kathedrale ruhen in Messingsärgen alle Moskauer Herrscher bis zum 18. Jahrhundert. Die Rüstkammer zeigt den unermesslichen Reichtum der Zaren: Kronen, Schmuck und kostbare Goldschmiedearbeiten, Kleidung, Waffen und alte Kutschen.

So groß Moskau ist, so nah liegen doch die Sehenswürdigkeiten im Zentrum beieinander. Es gibt zwar die auch in anderen Hauptstädten beliebten roten Doppeldeckerbusse für Stadtrundfahrten. Doch vieles ist in Moskau nur einen kurzen Fußweg vom Kreml entfernt: die Einkaufsstraße Twerskaja, das Bolschoi-Theater, der Puschkin-Platz.

Ein anderer Spaziergang könnte auf der Patriarchenbrücke beginnen. Von der Christ-Erlöser-Kathedrale spannt sich die Fußgängerbrücke über die Moskwa. Wieder ist in der Nähe der Kreml zu sehen. Die gewaltige weiße Kirche ist ein Nachbau, das Ergebnis einer wechselvollen Geschichte. Sowjetdiktator Josef Stalin ließ die Vorgängerkirche 1931 sprengen. An ihrer Stelle sollte ein gewaltiger Turm, der Palast der Sowjets, entstehen. Der kam aber nie über eine Baugrube hinaus. Aus der Grube wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ein Ganzjahresfreibad mitten in Moskau. Doch als Russland sich nach dem Ende der Sowjetunion wieder auf sein orthodoxes Erbe besann, wurde die Erlöser-Kathedrale von 1995 bis 2000 wieder aufgebaut.

Am anderen Ende der Brücke steht eine alte rotbraune Fabrikanlage. Das war einmal eine Schokoladenfabrik, gegründet von dem deutschen Unternehmer Theodor Ferdinand von Einem (1826-1976). Zu Sowjetzeiten hieß die Fabrik "Krasny Oktjabr" (Roter Oktober) und stellte weiter die leckersten Pralinen des Landes her. Heute wird am Stadtrand produziert. Doch einen Laden gibt es noch, und er verkauft Pralinen unter den Markennamen "von Einem" und "Roter Oktober". So ist das neue Moskau: Es verleibt sich widerspruchsfrei alle Traditionen ein.

Die alte Fabrik erinnert im Inneren ein wenig an New York. Sie ist zu einem der Lieblingsorte der Hipster in Moskau geworden. Hier gibt es Galerien, Boutiquen, Bars und Clubs mit Livemusik.

Der brutale Betonbau der Neuen Tretjakow-Galerie ist dagegen keine Schönheit. Der alte Teil des Museums versteckt sich im Stadtteil Samoskworetschje (jenseits der Moskwa) und zeigt die schönsten Ikonen. Im neuen Teil hängt die sowjetische Kunst des 20. Jahrhunderts. Ein Fußballfan sollte diese Ausstellung besuchen. Dann bekommt er das weltweit wohl beeindruckendste Gemälde eines Torwarts zu sehen. Überlebensgroß hechtet der Goalie waagrecht durch die Luft auf dem Bild von Alexander Dejneka (1899-1969).

Noch ein paar Schritte weiter beginnt der Gorki-Park. Nein, nicht der Schreckensort im gleichnamigen US-Thriller mit John Hurt! Seit einigen Jahren ist der Gorki-Park einer der wirklich hippen Orte in Moskau mit geschmackvollen Stadtmöbeln, netten Cafés, Restaurants, dem schicken Museum Garage für moderne Kunst. Und mit Strecken, auf denen sich Skater und Radfahrer austoben können.

Es macht Spaß, sich hier ein Fahrrad oder einen Roller auszuleihen und das Moskwa-Ufer damit zu erkunden. Hin am waldigen grünen Flussufer, zurück durch den Sportpark Luschniki mit dem großen Stadion. Bei der WM werden dort von der Eröffnung bis zum Finale sieben Spiele ausgetragen. Je nachdem, welche Brücken man nutzt, ist die Fahrradrunde bis zu 16 Kilometer lang - ein ordentliches Stück Sport mitten in Moskau. Die Strecke ist weitgehend autofrei.

So groß ist die Stadt, dass man gern einen Blick von oben haben möchte. Der schönste Ausblick bietet sich von der Plattform auf den Sperlingsbergen vor der Universität. Um den russischen Schriftsteller Anton Tschechow zu zitieren: "Wer Russland kennenlernen will, sollte von hier oben auf Moskau schauen!" Das Luschniki-Stadion liegt einem zu Füßen, in der Ferne blinken die Kuppeln der Kreml-Kirchen. Bis zum Horizont dehnt sich die Stadt. Während der WM wird hier oben die Fanzone sein, mit dem Stadion verbunden durch eine neue Seilbahn.

Im Rücken ragt die Universität in den Himmel, gebaut im Stil des sowjetischen Empire oder Zuckerbäckerstil. Die Universität hat schöne, strenge Schwestern unten in der Stadt - das Außenministerium, das Hotel "Ukraina", das Haus an der Kotelnitscheskaja.

Wer noch höher hinaus will, sollte den Fernsehturm Ostankino besuchen oder das neue Hochhausviertel Moskwa-City, das ohnehin einen Besuch lohnt. Vom Wolkenkratzer Federazija Wostok hat man in 327 Meter Höhe einen Rundblick über die Stadt, im Nachbarturm Oko ist man sogar 354 Meter hoch. Höher geht es in Europa einstweilen nicht.

Aber tiefer als in Moskau geht es in Europa auch kaum. Lange Rolltreppen führen hinab in die Metro, sie ist eine der Attraktionen der Stadt. Die U-Bahn transportiert nicht nur täglich neun Millionen Menschen. Die graue Sowjetunion hat unter der Erde Paläste für das Volk geschaffen. Jede Station ist anders. Silbrig glänzt die Station Majakowskaja. Mosaikbilder aus dem ukrainischen Landleben zieren die Kiewskaja, beleuchtete Jugendstilfenster die Station Nowoslobodskaja. Die Station Komsomolskaja verbindet Lenin-Motive mit barockem Stuck und Gold. Eine Metro-Tour mit vielen Stopps zum Staunen ist ein Muss.

Ein ruhiger Ort ist das Viertel Kitai-Gorod östlich des Kremls. Die stillen, hügeligen Straßen sind der Modernisierung und Gentrifizierung Moskaus bislang entgangen. So war die Stadt früher: gemütliche Hinterhöfe, viele Kirchlein. Ein bisschen alternativ ist Kitai-Gorod, voller Graffiti. Sozial engagierte junge IT-Unternehmer treffen sich zum Co-Working in einer alten Druckerei, in der vor 150 Jahren die Noten von Peter Tschaikowski (1840-1893) gedruckt wurden.

In den nahen Straßen Pokrowka und Marossejka gibt es viele Restaurants. Und die Umgebung der nächsten Metro-Station Tschistyje Prudy ist ein Treffpunkt des Nachtlebens. Überhaupt die Nacht! Moskau hat abends Theater, Konzerte, Diskotheken und Clubs für jeden Geschmack zu bieten. Doch vor allem bekommt die Stadt im Dunkeln ein ganz anderes Gesicht. Hässliche Ecken verschwinden, dafür zaubert buntes Licht an vielen Gebäuden neue Seiten hervor. Im Dunkeln verwandelt sich Russlands Hauptstadt in eine Nachtschönheit.

Friedemann Kohler, dpa

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