11.02.2018  Weinverkostung über den Wolken

Welche Airlines den besten Wein ausschenken

Von Frank Kämmer, "Der Feinschmecker"

Emirates

Bei den Flugpreisen der First Class erwartet man mit Recht Luxus und delikate Menüs. Doch wie steht es mit den Weinen, die im exklusivsten Teil der Kabine ausgeschenkt werden? Master Sommelier Frank Kämmer hat bereits im vergangenen Mai und Juni für das Magazin "Der Feinschmecker" das Angebot der Airlines unter die Lupe genommen.

Ein interkontinentales Rückflugticket in der First Class kostet rund 10.000 Euro - dafür sollte über den Wolken aber bitte auch der Genuss grenzenlos sein. Daher entdecken immer mehr Airlines das kulinarische Angebot an Bord als Möglichkeit, sich im umkämpften Markt der besonders lukrativen First-Class-Tickets zu positionieren.

Schon längst ist es mehr oder weniger zum Standard geworden, internationale Spitzenköche für die Kreation der Menüs zu verpflichten.

Und nun ist der Zeitpunkt gekommen, an dem viele Fluggesellschaften (unter anderem auf Strecken von und nach deutschen Flughäfen) auch größeren Wert auf ein außergewöhnliches Weinangebot legen. So hat beispielsweise Emirates seit 2006 schon 690 Millionen US-Dollar in sein Weinprogramm investiert, das mit 3,8 Millionen Flaschen nach eigenen Angaben nun über den weltgrößten Keller einer Airline verfügt.

Analog zu den Meisterköchen für die Speisen hören hierfür immer mehr Fluggesellschaften auf den Rat internationaler Weinexperten. So kümmern sich bei Singapore Airlines mit den Masters of Wine Michael Hill Smith aus Australien und Jeannie Cho Lee aus Hongkong sowie dem namhaften englischen Fachautor Steven Spurrier gleich drei Schwergewichte der internationalen Szene um die Qualität des Angebots. Bei der Lufthansa ist seit vielen Jahren der Master of Wine und frühere Sommelier-Weltmeister Markus Del Monego als Berater an Bord.

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Heft 5/2018

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All diese Experten stehen vor der gleichen Herausforderung: Sie müssen die hohen Erwartungen der betuchten, elitären Kundschaft mit den logistischen Anforderungen und dem Budget für die üblicherweise im ein- bis zweimonatigen Rhythmus wechselnde Weinauswahl verbinden. Eine weitere Schwierigkeit bei der Wahl der passenden Weine für den Genuss an Bord ist nicht ganz so offensichtlich, kann aber das Geschmackserlebnis maßgeblich beeinflussen. Denn dass ein Wein am Boden gut schmeckt, ist eine Sache. Ob er es auch zehn Kilometer über der Erde tut, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Vor allem der geringere Luftdruck im Flugzeug, der auf Reiseflughöhe etwa dem auf dem Gipfel der Zugspitze entspricht, sowie die trockene Kabinenluft beeinflussen das sensorische Empfinden erheblich. Um diese Effekte genauer zu verstehen, gab die Lufthansa vor einigen Jahren sogar eigens eine Untersuchung zur Geschmackswahrnehmung unter Kabinendruck beim Fraunhofer-Institut in Auftrag.

Die Versuche in einem der Kabine eines Airbus A 310 nachgebauten Fluglabor zeigten nicht nur, dass die Aromatik der Weine insgesamt deutlich gedämpft war, sondern auch, dass die Wahrnehmung von Süße und Alkohol merklich vermindert wurde, während die Empfindung für Tannin und Säure spürbar anstieg. Der Sommelier muss den Geschmack bei der Auswahl also gewissermaßen umrechnen.

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