08.08.2018 
Amerikas rostiges Herz

Ein Roadtrip durch den Rust Belt der USA

Visit Indiana/dpa-tmn

3. Teil: Neue Wander- und Radwege sollen Outdoor-Fans locken

Auch von der Politik lassen sich die Menschen im Rust Belt nicht verschrecken, vor allem nicht in den Städten - im Gegenteil. In den USA hat Aufschwung nicht unbedingt mit der Politik zu tun. Vielmehr braucht es den einen oder anderen finanzstarken Investor, der an seinen Plan glaubt und viel Geld hineinsteckt. So wie Milliardär Dan Gilbert in Detroit, der mitten in der Krise viele Millionen Dollar investierte. Andere zogen nach. Die Leuchtturmprojekte gingen schnell voran, man glaubte wieder an die Stadt.

Trump und die Republikaner? Das ist natürlich ein Thema, das auch Reisende interessiert, gerade in dieser Region. Doch selbst in den ländlichen Gegenden muss man eine Weile suchen, bis man hartgesottene Anhänger des US-Präsidenten findet. Die meisten Menschen sind auch heute, nahezu zwei Jahre nach der Wahl, geschockt darüber, dass die Menschen ihre Stimme für Trump abgeben konnten. "Es war wohl einfach eine Protestwahl", sagen die einen. "Hillary Clinton mochten die Leute noch viel weniger, weil sie viele Jahre Teil des Washingtoner Establishments war", sagen andere.

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Dass Trump nun mit seinen umstrittenen Zöllen auf Stahl und Aluminium die Industrie von einst wiederbeleben kann, glauben die wenigsten. "Diese Zeiten sind vorbei", sagt Ingenieur Genova. Man brauche neue Ideen und Unternehmen. Und Jobs, die ins Jahr 2018 passen.

Viele Menschen entlang des Rust Belts haben keine Lust, sich selbst zu bemitleiden. Das ist eine der ureigensten Eigenschaften der Amerikaner, und hier wird sie besonders deutlich. Sie setzen Ideen um, auch oder gerade ohne die große Politik.

Sie richten in der vielerorts unberührten Natur mit viel Bedacht Wanderwege und Radstrecken ein, um Outdoor-Freunde in ihre Staaten zu locken. Sie holen die Techno-Gemeinde zum Electronic Music Festival nach Detroit, dem größten seiner Art weltweit. Sie bringen die PS-Fans nach Speedway in Indiana, wo alljährlich weit mehr als nur der Indy 500 ausgetragen wird. Ins weltgrößte Kindermuseum kommen Familien von weit her nach Indianapolis. Und in Cleveland gibt es neben dem Symphonieorchester die Rock'n'Roll Hall of Fame. So ist Trump für die Reisenden in dieser Region letztlich das, was er wohl für Urlauber überall in den USA ist: ein Randphänomen.

Verena Wolff, dpa

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