06.06.2018  Wenig bekannte Routen in Nepal

Die schönste Trekking-Tour im Himalaya

Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

Auf der Hängebrücke ist Rushhour. Eine Maultierkarawane nach der anderen trottet über das wackelige Metallgitter hoch über der Schlucht, beladen mit Säcken und Gasflaschen. Hinter ihnen zetern ihre Antreiber, werfen Steine, schwingen die Peitsche. Die stolzen, jungen Männer lächeln und grüßen nicht. Vielleicht, weil sie wissen: Ohne sie geht nichts. So ist es seit Jahrhunderten in diesem abgelegenen Tal Nepals an der Grenze zu Tibet. Aber bald könnten die Mulitreiber arbeitslos sein - und die kurze Blütezeit der Manaslu-Runde schon wieder enden.

Die Trekkingtour um den achthöchsten Berg der Welt wird noch immer als Geheimtipp gehandelt. Mindestens genauso schön wie die Annapurna-Runde, raunen die Kenner, aber viel weniger Touristen. Die Region wurde erst 1991 für ausländische Besucher geöffnet. Man musste eine Expeditionsgenehmigung bezahlen, im Zelt schlafen und aus Ghorka, der nächsten Stadt, anmarschieren.

"Damals waren hier nur sehr wenige Gruppen unterwegs", erzählt Aung Phuri Sherpa. "Die gesamte Tour dauerte 27 Tage und war sehr teuer." Sherpa, 57, war sein halbes Leben Wanderführer. Das gebrochene Englisch hat er sich auf vielen Himalaya-Touren selbst beigebracht. Allein um den Manaslu ist er mindestens zehn Mal gewandert, die 13 Tage sind ein Spaziergang für ihn. Zumal die Tour immer kürzer wird.

"Diese Straße gab es letztes Jahr noch nicht", sagt Sherpa, als wir im Dorf Soti Khola auf einer zerfurchten Erdpiste losgehen. Der alte Weg verläuft unterhalb. Wir wandern durch Terrassenfelder, auf denen Reis steht. Bananenstauden wachsen neben Bauernhäusern mit geschnitzten Balkonen. Hühner, Ziegen, Kühe.

Coca Cola im Wassereimer

Der Weg durch die Schlucht des Buri Gandaki ist ein uralter Handelspfad, auf ihm zogen früher die Yak-Karawanen mit Holz nach Tibet und kehrten mit Salz zurück. Auch die Gurung, die heute hier leben, kamen einst aus Tibet. Frauen in bunten Saris mit mehreren Nasenringen kommen uns entgegen, ein Mann trägt ein Großmütterchen im Korb auf dem Rücken. Am Wegesrand waschen Frauen in einer Metallschüssel Kleider und legen sie zum Trocknen auf Büsche.

Wanderung durch die Terassenfelder
Florian Sanktjohanser/dpa-tmn
Wanderung durch die Terassenfelder

Manche Dörfler grüßen lächelnd, andere schauen uns unverwandt an. Blasse Menschen in Wanderstiefeln kennen sie längst. Vor ihre Dorfläden haben sie Tische und Bänke gestellt, in Wassereimern kühlen Cola und Limonade. Durstig sind die verschwitzten Gäste immer.

Vor rund zehn Jahren wurden die ersten Lodges entlang der Manaslu-Runde gebaut, seitdem habe die Zahl der Touristen konstant zugenommen, sagt Sherpa. "Hier finden die jungen Leute ein Auskommen und müssen nicht nach Arabien gehen." Einen Arzt gebe es jedoch im ganzen Tal nicht, das nächste Krankenhaus sei mehrere Tagesmärsche entfernt. "Besser, man wird nicht krank."

Was, wenn die Lastwagen rollen?

Nepals Regierung plant nun, die Straße bis Samagaun zu verlängern. Die ersten fünf Etappen würden dann entlang einer Fernstraße führen, über die Lastwagen rollen. Mit der stillen Idylle wäre es vorbei. Vielleicht weichen die Wanderer dann aufs andere Ufer aus, so wie auf der Annapurna-Runde? Oder sie fahren einfach durch die tiefer gelegenen Dörfer und beginnen die Tour weiter oben?

Beim Abstieg passiert man Mani-Mauern
Florian Sanktjohanser/dpa-tmn
Beim Abstieg passiert man Mani-Mauern

All dies wäre schade. Die ersten Etappen sind lang, aber extrem schön. Mal verengt sich die Schlucht zu einer Klamm, mal weitet sie sich zu einem Kessel, terrassiert bis hinauf zu den samtig grünen Graten der Berge. Wasserfälle rauschen herab. Wir wandern im Kiesbett neben dem wild schäumenden Fluss, steigen Steintreppen hinauf, queren Hängebrücken - und kommen jeden Abend erschöpft in einer Lodge an.

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