01.04.2018  Trekking in Afrikas sagenhaften Mondbergen

Menschenleere, feuchte Nebelwelten

Philipp Laage/dpa-tmn

Die Ruwenzori-Berge
Anreise und Formalitäten
Von Deutschland aus gibt es nach Uganda keine Direktflüge. KLM zum Beispiel fliegt von Amsterdam aus nach Kampala. Von dort per Bus oder Privattransfer bis Kasese. Für die Einreise ist ein Visum nötig, das vor der Reise online beantragt und bezahlt werden muss. Der Preis beträgt 50 US-Dollar (etwa 42 Euro). Außerdem ist der Nachweis einer Gelbfieberimpfung bei Einreise vorzulegen.
Reisezeit
Für das Trekking im Ruwenzori-Gebirge eignen sich die zwei Trockenperioden von Mitte Dezember bis Mitte März und von Juni bis August. In den anderen Monaten des Jahres können die sumpfigen Wege im Nationalpark unpassierbar sein.
Trekking
Zwei lokale Agenturen bieten Trekking im Ruwenzori an. Rwenzori Mountaineering Services ist auf dem Central Circuit Trail unterwegs, Rwenzori Trekking Services (RTS) auf dem Kilembe Trail. RTS bietet Touren verschiedener Länge mit und ohne Besteigung des Margherita Peak. Die meiste Ausrüstung lässt sich leihen. Wer den Margherita-Gipfel besteigen will, sollte über hochalpine Erfahrung verfügen und sicher mit Seil und Steigeisen umgehen können.
Gesundheit
Landesweit und ganzjährig besteht in Uganda ein hohes Malariarisiko, das Auswärtige Amt rät zur Chemoprophylaxe mit Medikamenten. Konsequenter Mückenschutz ist wichtig. Oberhalb von 2500 Metern gibt es allerdings keine Malaria-Übertragung. Als Reiseimpfung wird zumindest Hepatitis A empfohlen. Ein Problem im Ruwenzori kann die Höhenkrankheit sein. Bei Symptomen rasch absteigen. Empfehlenswert ist eine Auslandsreisekrankenversicherung, die auch den medizinisch sinnvollen Rücktransport nach Deutschland bezahlt.
Sicherheit
Uganda ist ein politisches stabiles Reiseland. Wegen Operationen der ugandischen Armee gegen kongolesische Rebellen im Grenzgebiet rät das Auswärtige Amt jedoch, sich vor einem Besuch des Ruwenzori-Parks über die aktuelle Sicherheitslage zu informieren.

Im Herzen Ostafrikas liegen die legendären Mondberge, das höchste nichtvulkanische Gebirge des Kontinents: Ruwenzori. Ein Trekking durch die faszinierende Natur führt durch Nebel, Nässe und Schlamm. Wenn sich der Nebel in den Mondbergen lichtet, zeigt sich eine scheinbar urzeitliche Version dieser Welt. Lobelien und Senezien ragen bis zu vier Meter in die Höhe, die Vegetation scheint in prähistorischen Proportionen zu sprießen. Flechten hängen an den Ästen der Bäume wie Bärte schweigsamer Naturgeister. Sümpfe, Feuchtigkeit, nasse Erde, schier undurchdringliches Grün.

Ruwenzori heißt dieses Gebirge auf der Grenze von Uganda und dem Kongo in Ostafrika. Seine höchsten Gipfel messen mehr als 5000 Meter und sind noch vergletschert, eine surreale Szenerie am Rande der immerfeuchten Tropen. Der Begriff Mondberge soll auf Ptolemäus zurückgehen, der schon 150 nach Christus von schneebedeckten Bergen im Herzen Afrikas sprach. Die Menschen in der Region haben eine andere Erklärung: Die Bergspitzen liegen tagsüber praktisch immer im Nebel, so dass man sie nur nachts sieht - bei Mondschein.

Das Ruwenzori-Gebirge ist eine der spektakulärsten und gleichzeitig unzugänglichsten Gegenden Afrikas. Schlammige Pfade führen durch enge Täler und über schlüpfrige Pässe, oft mehr Bäche als Wege. Ohne Gummistiefel geht nichts. Übernachtet wird in kargen Hütten ohne Strom und Wasser oder in Zelten. Bevor überhaupt die höchsten Berge in Sichtweite kommen, läuft man drei Tage durch menschenleere Wildnis. Ein Trekking durch diese feuchte Nebelwelt führt an Grenzen - der Kondition, der Vorstellungskraft, der friedvollen Welt.

"Die Herausforderungen sind das steile Terrain, der Matsch und die rutschigen Stämme, die Höhe und Wetterbedingungen, die körperliche Fitness", sagt Richard Dramaza, 33. Der sanftmütige junge Mann ist einer der beiden Bergführer auf dieser einwöchigen Trekkingtour. Der andere ist Samuel Ociti, 31, mehr der Typ Draufgänger. Mehrere Jahre hat er in der ugandischen Armee gekämpft und den Warlord Joseph Kony gejagt.

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Aufbruch in Kilembe. Das kleine Dorf westlich der Stadt Kasese besteht aus Kirche, Schule, einfachen Hütten und den Baracken einer Minengesellschaft, die in den Ausläufern der Berghänge Kupfer schürft. Die heimischen Bakonjo sind aber vor allem Bauern. Auf den Feldern rund um das Dorf pflanzen sie Bohnen, Kaffee und Maniok an. Tagsüber steht ihnen der Schweiß auf der Stirn, abends bleibt die Luft mild. Von den unwirtlichen Bedingungen im Herzen des Ruwenzori ahnt der Wanderer hier auf 1400 Metern noch nichts.

Die Agentur Rwenzori Trekking Services betreibt in Kilembe ein kleines Gasthaus. Der von ihr unterhaltene Kilembe Trail wurde erst im Jahr 2008 eröffnet. Vorher waren fast alle Touristen auf dem Central Circuit Trail weiter nördlich unterwegs. Beide Routen treffen unterhalb des Mount Stanley aufeinander, dem höchsten Bergmassiv im Ruwenzori. Das anspruchsvolle Ziel ist der 5109 Meter hohe Margherita Peak. Die Bakonjo glauben, dort wohne das Götterpaar Ketasamba und Nyabibuya. Wenn es sich bewegt, heißt es, dann lösen sich Steine.

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