20.03.2018 
Klaus-Michael Kühne eröffnet sein "The Fontenay"

Ein Rundgang durch Deutschlands neuestes Fünf-Sterne-Superior-Hotel

Von
Christian Charisius/dpa

Die Amsel ist überrascht. Als sie auf der breiten Mauer aus schwarzem Stein landen will, rutscht sie aus - so glatt poliert ist der Granit vor Hamburgs neuem Luxushotel "The Fontenay". Feinste Oberflächen, edelste Materialien: Damit prunkt das neue Haus selbst bei den Außenanlagen.

"Das beste Hotel Deutschlands" soll der runde Neubau an der Alster werden, hat sich Klaus-Michael Kühne vorgenommen. Der 80 Jahre alte Logistikunternehmer und Milliardär besitzt schon ein Luxusresort auf Mallorca und hat sich nun mit dem 100 Millionen Euro teuren Haus ein Denkmal in seiner Heimatstadt gesetzt. Das teilte allerdings zunächst das Schicksal aller spektakulären hiesigen Neubauten: Wieder und wieder musste die Eröffnung verschoben werden. Nun ist alles fertig. "Wir wollen einen Beitrag leisten, dass viele internationale und nationale Gäste nach Hamburg kommen. Aber es ist auch ein Hotel für die Hamburger", sagte Kühne bei der Eröffnung am Montag.

Architekt Jan Störmer hat das Haus in Anlehnung an drei ineinander verwachsene Baumkronen geplant - man kann sich den Grundriss auch als Fidget-Spinner vorstellen. Die meisten Wände sind rund, alle 114 Zimmer und 17 Suiten haben Balkone, die meisten blicken auf die Alster. Die Form bedingt, dass das Haus beständig um sich selbst zu kreisen scheint, ständig eröffnen sich neue Blickachsen auf das Gebäude selbst - verlaufen kann man sich nicht, höchstens eine Extrarunde drehen. Und anders als in traditionellen Bauformen hat man beständig das Haus selbst im Blick.

Die Zimmer sind groß: Bei 28 Quadratmetern geht es los - das ist auch in der Spitzenhotellerie sehr viel. 320 Euro pro Nacht kostet ein Doppelzimmer, in der De-Luxe-Variante sind es 43 Quadratmeter und 355 Euro. Für das Frühstück kommen nochmal 35 Euro dazu. Man kann aber auch die 200 Quadratmeter große Suite buchen, für 9000 Euro pro Nacht. Da ist das Frühstück dann inklusive. Neben jedem Bett ist ein Panel, mit dem man auf Knopfdruck die Vorhänge schließen und die Beleuchtung auf "Romantik" stellen kann.

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Herzstück des Hauses ist das 27 Meter hohe Atrium mit seinen bis zu 25 Metern langen Rundsofas. Sechs Stockwerke weit schweift der Blick nach oben bis zum gläsernen Geländer der Bar. Wenn dort auf dem Steinway-Flügel gespielt wird, perlen die Klänge am acht Meter hohen Kronleuchter entlang hinunter bis zum weichen Teppich, den die Edelmanufaktur House of Tai Ping maßfertigte. 198 satinierte Glasscheiben lassen Licht auf die einzelnen Etagen, ohne zuviel Einblick zu geben, wer genau in welches Zimmer geht.

Im ganzen Haus geht man wie auf Waldboden über weiche Teppiche, die Innenausstattung ist materialverliebt. Weder Chrom noch Blattgold protzen, feine Hölzer und Mineralien pflegen das Hamburger Understatement. In der Hansestadt trägt man den Pelz halt traditionell innen im Mantel. 180 Mitarbeiter kümmern sich unter Leitung von Direktor Thies Sponholz um die Gäste. Eingecheckt wird an lauschig besesselten Tischlein, einen Tresen gibt es nur für die Garderobe.

Wer sich keine Übernachtung leisten kann oder mag, kann trotzdem Gast sein, in der Atrium Lounge für ein Heißgetränk oder im Gartenrestaurant Parkview im Erdgeschoss. Küchenchef Stefan Wilke kochte früher auf der MS Europa auf den Weltmeeren und bietet nun immerhin freien Alsterblick. Lunch gibt es für unter 30 Euro. Teurer wird es im weiter oben gelegenen Fine-Dining-Restaurant Lakeside, wo das abendliche Acht-Gang-Menü für 165 Euro zu haben ist. Hier kocht der junge Schweizer Sternekoch Cornelius Speinle (der vor einigen Monaten für manager-magazin.de neue Küchengeräte testete).

Die Bar schließlich bietet einen 320-Grad-Blick über Stadt und Alster - die 500 Quadratmeter große Außenterrasse wird im Sommer sicherlich ein It-Spot sein. Ebenso wie der 20 Meter lange Infinity-Pool, der ebenfalls auf die Alster blickt. Aber in den Spa-Bereich kommt als externer Gast nur, wer eine Behandlung für mindestens 150 Euro bucht.

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