04.04.2018  Kulinarik-Tour im Sonoma Valley

Ganz neue Genüsse aus Kalifornien

Sonoma County Tourism/www.sonomacounty.com/dpa-tmn

Sonoma County
Reiseziel
Sonoma County liegt rund 100 Kilometer nördlich von San Francisco, westlich von Napa Valley. Mehr als 425 Weingüter gibt es dort, dazu viel Landwirtschaft - oft ökologisch. Der Highway 1, die bekannte Küstenstraße, führt am Pazifik entlang.
Anreise
Lufthansa und United fliegen täglich nach San Francisco. Von dort aus kommt man mit einem Mietwagen ins Sonoma County. Erstes Highlight: die Fahrt über die Golden Gate Bridge, für die man in nördlicher Richtung keinen Brückenzoll zahlen muss.
Klima
Wetter und Temperaturen variieren, je nachdem, ob man direkt am Pazifik oder im Landesinneren ist. Nebel kommt immer wieder vor. Die Sommer sind meist warm und sonnig, im Winter sinken die Temperaturen nur selten unter den Gefrierpunkt.
Übernachtung
Große Hotelketten gibt es im Sonoma County nicht. Meist sind es kleine Bed-and-Breakfasts, die Zimmer in idyllischer Umgebung anbieten. Mitunter vermieten auch Weingüter Zimmer. Und es gibt alternative Übernachtungsmöglichkeiten wie das Autocamp oder verschiedene Baumhäuser. Wer mit Zelt oder Wohnmobil unterwegs ist, findet im gesamten County wunderschön gelegene Campgrounds.

Bedächtig, fast liebevoll lehnt sich Ashby Marshall mit dem Gesicht an das helle Eichenfass. Sie drückt ihr Ohr gegen das Holz. Und spürt Vibrationen. Denn das Fass, in dem Whiskey ihrer Destillerie Spirit Works in Sebastopol lagert, wird von einem Lautsprecher beschallt - und zwar mit dem "Nussknacker" von Tschaikowski, in der Version des San Francisco Ballet. Die Schnapsbrennerin und ihr Mann gehen jedes Jahr vor Weihnachten in die Ballettvorstellung in der rund 80 Kilometer entfernten US-Metropole. "Das ist Tradition", sagt Marshall. Jeder Mitarbeiter der kleinen Destille durfte die Musik für eines der 16 Fässer aussuchen, die hier seit drei Jahren beschallt werden. "Der Nussknacker" ist Favorit der Chefin.

Wozu diese Beschallung? "Andere Menschen reden mit ihren Blumen. Wir wollen wissen, ob die Musik den Geschmack des Whiskeys beeinflusst", sagt Marshall. Ein Destillat wird üblicherweise aus Roggen gebrannt und in Fässern gelagert. Fünf, acht, zwölf Jahre. So, wie man es in Schottland schon seit Jahrhunderten macht. Klassisch aber ist nichts in Sonoma im Norden Kaliforniens.

In diesem sonnigen Landstrich probieren viele etwas Neues in Sachen Genuss aus. Wein wird schon seit vielen Jahrzehnten in den verschiedenen Regionen des Countys hergestellt, doch in den vergangenen Jahren sind Brenner, Metzger und Käsereien dazugekommen. Und Farm-to-table-Restaurants, in denen die Zutaten für die Küche von den Bauernhöfen in der Umgebung kommen. Davon gibt es eine ganze Menge, direkt am Pazifik und in den sanften grünen Hügeln, die ins Landinnere gehen. Schafe, Ziegen und Rinder zieren die Landschaft, während auf der anderen Seite des berühmten Highway 1 der Pazifik an die zerklüfteten Felsen klatscht.

Lesen Sie auch: Welche Airlines den besten Wein ausschenken

Über dieses Meer kamen einst die Russen. Vor mehr als 200 Jahren gründeten sie im heutigen Fort Ross ihren südlichsten Stützpunkt in Nordamerika. Von dort aus versorgten sie die Landsleute im Norden mit Lebensmitteln. Und sie jagten und handelten mit Pelzen. Doch Otter und Robben erlegt an dieser Stelle heute niemand mehr. Spaziergänger warten nur geduldig darauf, am Horizont Wasserfontänen zu entdecken, die die vorbeiziehenden Wale ausblasen.

Auch Russen gibt es in der Gegend kaum noch, sehr wohl aber verschiedene Hinweise auf die Geschichte: So ist der Russian River, der in den Pazifik mündet, ein beliebter Fluss für Kajaktouren und Campingausflüge. Sebastopol findet man ebenso auf der Landkarte wie einen Ort namens Moscow.

Eine bewegte Vergangenheit haben viele Orte. Petaluma zum Beispiel, am südlichen Ende des Sonoma Countys, einst "Eierkorb der Welt" genannt. Die örtlichen Historiker geben 1945 als Rekordjahr an: 612 Millionen Eier wurden damals von den Hennen in rund 4000 Farmen gelegt. Die Exporte gingen so weit, wie es zu der damaligen Zeit mit dem fragilen Produkt möglich war. Irgendwann war der Eierboom zu Ende. Noch heute lohnt sich ein Besuch in dem kleinen Örtchen. Die Menschen verschiedener Epochen haben hier hübsche Häuser gebaut, die nie von einem Erdbeben zerstört wurden.

1 / 2

Mehr zum Thema