03.12.2018 
Neue Expeditions-Kreuzfahrtrouten

Bären-Dienste in der Arktis

Von Viola Keeve
Stefan Dall / Hurtigruten

86 Eisbären zählte das Kreuzfahrt-Expeditionsschiff Hanseatic 2016 auf der legendären Nordostpassage. Wer da kein passables Foto vom König der Arktis (Arktos ist Altgriechisch und bedeutet Bär) mitbrachte, musste wirklich viel falsch gemacht haben. Landschaftlich sind die 5500 Seemeilen nicht immer aufregend; dass die russische Arktis lange - auch aus politischen Gründen - unbefahrbar war, macht sie zum Reise-Highlight. Weiße Flecken gibt es kaum noch im Kreuzfahrtgeschäft. Die Nordostpassage war eine der letzten Unbekannten. Nur wenige bieten sie an.

Zehn Jahre hatte es gedauert, bis es der Hanseatic, die bis Ende September 2018 im Dienst der deutschen Reederei Hapag Lloyd Cruises unterwegs war, als erstem nichtrussischen Schiff 2014 gelang. Die Plätze waren weg, als nur das Gerücht aufkam, man werde die Tour anbieten, noch bevor die Preise feststanden. 2020 wird Silver Sea Cruises sie anbieten, mit der Nordwestpassage, erstmals, 25 Tage für 37170 Dollar. Auch die Tour ist fast ausgebucht. Eine Garantie der Route gibt es nicht, aber damit die Silver Explorer nicht im Packeis einfriert, wird sie ein Eisbrecher begleiten. Hapag Lloyd bietet im Sommer 2019 die erste Arktisumrundung an, 72 Tage, samt der Nordwestpassage, auch eine Premiere.

Schon immer hatten Seefahrer, Kaufleute von der Verbindung geträumt, die den Weg von Europa nach China entscheidend verkürzt. Lange hielt man sie schlicht für zu gefährlich: wenig Häfen, Infrastruktur, dazu Packeis auch im Sommer, nur etwas für russische Atomeisbrecher, eigentlich. Bis das Eis schmolz, die Route möglich machte. Auch andere Reedereien sind interessiert, auch Hurtigruten, weltweit Nummer eins unter den Polarkreuzfahrt-Anbietern: 14 Expeditions-Schiffe haben die Norweger in der Antarktis, in Kanada, Grönland, Island und Norwegen (Spitzbergen) allein, aber kein einziges hier - noch nicht.

Lesen Sie auch: Party am Pol - Geschäfte im ewigen Eis

Denn der Osten holt auf, touristisch. Wie viele Eisbären es hier gibt, lässt sich nicht genau sagen, Studien sind teuer. Und die Zusammenarbeit mit norwegischen Forschern suboptimal. 2015 etwa bekamen sie keine Aufenthaltserlaubnis in Russland, konnten nur in Norwegen zählen, per Hubschrauber riesige Gebiete überfliegen, mühsam. Die russische Eisbärzahl ist die am schlechtesten erforschte. Die größten Verluste gab es in der Baffin Sea, weniger in der Chukchi Sea.

"An der Küste gibt es viele Walrösser, da unterstützen wir die nahen Siedlungen wir mit Eispatroullien", sagt Sybille Klenzendorf vom WWF. Elektrische Zäune um Essens-Speicher (für Schlittenhunde), Müllanlagen. Schreckschusspistolen. Tierkadaver werden außerhalb der Ortschaften verarbeitet. Das Übliche, was man in Alaska und Kanada erfolgreich praktiziert. Hat sich in Churchill, Kanadas Eisbär-Hauptstadt, bewährt. 60 Prozent aller erfassten Tiere leben hier.

Rund 1000 Tiere warten im Herbst darauf, dass die Hudson Bay zufriert, so viele Einwohner hat Churchill. Mit Tundra Buggys, Bussen mit Ballonreifen und Observationsdeck werden Touristen hier herumgefahren. "Ende Oktober, Anfang November hat man fast hundertprozentige Chancen, dort Bären zu sehen", sagt die deutsche Expertin. Vorher an Land: Im Juli und August bringen rund 3000 Belugawale in der Hudson Bay ihre Jungen zur Welt.

1 | 2

Mehr zum Thema