01.12.2018 
Nonstop von Singapur nach New York

So fühlt sich der längste Flug der Welt an

TMN/ Singapore Airlines

Mehr als 15.000 Kilometer nonstop fliegen bedeutet den völligen Verlust des Raum-Zeit-Gefühls. Und einen Klima-Schock: Zwischen Singapur und New York herrschen 30 Grad Temperaturunterschied. Zum Trost gibt es unterwegs Champagner - für alle.

Der Airbus A350-900 ULR gleicht an diesem gerade erst angebrochenen Mittwoch einer gigantischen Zeitmaschine. Das Flugzeug wird dank Zeitverschiebung trotz etwa 17 Stunden in der Luft nur fünf Stunden später, kurz vor Sonnenaufgang, in New York landen. Keine Passagiermaschine überwindet eine so weite Strecke am Stück wie Flug SQ22 von Singapore Airlines aus Singapur - 15.300 Kilometer.

Knapp 161 Passagiere kämpfen am Gate A15 kurz nach Mitternacht in schummerigem Licht gegen schwere Augenlider und anhaltendes Gähnen. Dann endlich: Einsteigen. Das Gedrängel bleibt aus, denn für einen Langstreckenflug ist die Zahl der Passagiere gering. In der Business Class nehmen die Stewardessen den Passagieren die vorsorglich mitgebrachten Mäntel ab. Und sie bringen Champagner und Orangensaft. Etwas weiter hinten in der Premium Economy Class ist ein wenig mehr Gewusel. Dann endlich sitzen alle.

Leise setzt sich das schmale Flugzeug in Bewegung und rollt zum Start, da sind schon die ersten Passagiere eingeschlafen. Der Rest greift zu einem bewährten Mittel, das lange Flüge erträglicher macht: Alkohol. Singapore Airlines hat vorgesorgt. 100 Liter Wein und Champagner sind geladen, das macht mehr als einen halben Liter pro Passagier. Dies wird eine knapp 17-stündige Nacht werden. Nur in Richtung Antarktis lässt sich kurzzeitig ein wenig Sonne blicken, das war es.

Für die seit Oktober 2018 bestehende Flugverbindung setzt die Airline auf das Erfolgsrezept eines olympischen Skispringers: geringes Gewicht und günstiger Luftstrom. Daher die wenigen Passagiere. Der Tank eines A350 oder A380 reicht unter gewöhnlichen Umständen nicht, um einmal nonstop halb um den Globus zu fliegen. Zwischen 2004 und 2013 flog Singapore Airlines die Strecke Singapur-New York regelmäßig - mit einem wesentlich sprithungrigeren Flugzeug, dem A340 mit vier Triebwerken. Doch wegen der enormen Spritmengen und steigender Ölpreise lohnte sich das irgendwann nicht mehr.

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Jetzt hat man sich eine neue Strategie einfallen lassen: Premium Economy und Business Class statt ausschließlich Business Class - und deutlich weniger Spritverbrauch. Das Fluggerät mit dem Zusatztitel ULR - das heißt so viel wie ultra-lange Reichweite - hat ein Tanksystem, das höher gefüllt werden kann. Das Gewicht des Fliegers wurde an allen Ecken und Enden optimiert: weniger Frischwasser, weniger Passagiere und sogar leichtere Notrutschen.

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Das Kerosin reicht genau. Mit etwa sieben Prozent verbleibendem Treibstoff kommt der Flieger quasi blank, aber rasant an. Denn die meiste Zeit surft das Flugzeug auf einem Jetstream vor sich hin - das bedeutet eine Geschwindigkeit von bis zu 1100 km/h. Um die Winde bestmöglich auszunutzen, wird die Route, die meist über den Nordpazifik führt, auch während des Flugs noch angepasst.

In den vergangenen fünf Jahren mussten die Passagiere mit derselben Fluggesellschaft über Frankfurt nach New York fliegen. Dort aussteigen, warten, wieder in dieselbe Maschine einsteigen. Füße vertreten fällt nun weg, so wie mindestens vier zusätzliche Stunden Reisezeit. Um die ultralange Nacht erträglich zu machen, hat die Airline keine normale Economy-Klasse eingebaut. Nur Premium Economy ist verfügbar. Der Unterschied: besseres Essen, Champagner, mehr Beinfreiheit und komfortablere Sitze.

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