08.03.2018  Vielflieger-Kolumne über Meilenprogramme

Was Sie vor den Änderungen bei Miles & More noch tun sollten

Von Alexander Koenig
Lufthansa Group

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Miles & More-Kunden sollten dieses Datum im Blick haben: Ab Montag, dem 12. März, gilt für alle Flugtickets, die auf Lufthansa Group Ticket Stock ausgestellt werden, das neue umsatzbasierte Meilenvergabesystem (wir berichteten) bei Europas größtem Vielfliegerprogramm. Das bedeutet konkret, dass Prämienmeilen nicht mehr in Abhängigkeit der Buchungsklasse als Fixmeilen vergeben werden - bisher innerhalb Europas der Fall, und auch nicht mehr in Abhängigkeit von Distanz und Buchungsklasse, wie es bisher bei interkontinentalen Flügen üblich war.

Das ist eine Revolution. Was bei Hotels seit jeher gang und gäbe ist, nämlich Punkte nur für im Hotel getätigte Umsätze zu vergeben, ist bei Airlines in Europa noch ein Novum. Die amerikanischen Airlines haben es in den vergangenen Jahren vorgemacht. Lufthansa und ab April auch Air France ziehen jetzt nach. Die Idee dahinter ist, den Kunden das meiste zu geben, die auch am meisten bei der Airline ausgeben. Die Logik ist nachvollziehbar.

Vielfliegerstatus nicht betroffen

Doch bei Lufthansa Miles & More betreffen die neuen Regelungen nur Prämienmeilen. Statusmeilen werden weiter nach dem alten System vergeben. Das macht das Ganze noch einmal komplexer, sichert aber weiterhin Möglichkeiten, bereits ab 4000 Euro 100.000 Statusmeilen für einen Lufthansa-Senator-Status einzufliegen, wenn man sich auskennt. So gesehen können Statusjäger beruhigt sein. Für Frequent Traveller, Senator und HON Circle ändert sich nichts.

Wer erst nach dem 12. März bucht, verschenkt eventuell sehr viele Meilen, denn die Einbußen können teilweise enorm sein, insbesondere für preisorientiertere Privatreisende. Daher ist es wichtig, jetzt die richtigen Entscheidungen zu treffen. Eine weitere Neuerung ist relevant für Familien: Sie können nun gemeinsam sammeln. Zwei Erwachsene und bis zu fünf Kinder können künftig ihre Meilen bündeln. Gemeinsam gesammelte Meilen könnten von beiden Erwachsenen gleichberechtigt eingelöst werden. Das Angebot gilt für aber nur für Prämienmeilen, nicht für Statusmeilen.

Wie die neuen Meilengutschriften aussehen

Ganz konkret erhält man für Flugtickets, die ab dem 12. März 2018 auf Lufthansa Group Ticket Stock ausgestellt sind (Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines, Eurowings bzw. Brussels Airlines) je Euro Umsatz vier Prämienmeilen gutgeschrieben, wenn man keinen Status hat, und sechs Prämienmeilen, wenn man Frequent Traveller, Senator oder HON Circle Member ist.

Diese Bonusregelung gilt ebenso für Adria Airways, Air Dolomiti, Croatia Airlines und LOT Polish Airlines sowie die Transatlantik-Joint-Venture-Partner United Airlines und Air Canada, sofern die Tickets auf Lufthansa Group Ticket Stock ausgestellt sind. Bei Eurowings und Brussels Airlines sind es mit Status "nur" fünf Prämienmeilen je Euro Umsatz. Umsatz bedeutet in diesem Fall: Der Preis, den die Airline erhält. Das ist die sogenannte Base Fare zuzüglich Airline-Zuschläge, aber ohne Steuern und Gebühren.

Für alle anderen Miles & More-Partnerairlines sowie solche Tickets, die nicht auf Lufthansa Group Ticket Stock ausgestellt sind, gilt das alte System weiterhin. So gesehen ergeben sich noch genügend Möglichkeiten, das alte System weiter zu nutzen.

Beispiel Premium Economy Class

Ein 700 Euro Premium-Economy-Class-Flug von Frankfurt nach Dubai hat im alten System ohne Status 6022 Prämienmeilen gebracht und mit Status gar 7528. Im neuen System liegt der anrechenbare Umsatz bei etwa 600 Euro, daraus ergeben sich ohne Status 2400 und mit Status 3600 Prämienmeilen. Das sind bis zu 60 Prozent weniger. Bei einem 700-Euro-Premium-Economy-Class-Flug nach New York wären es gar bis zu 70 Prozent weniger.

Die Premium Economy Class war bisher immer die Serviceklasse, die von Lufthansa meilentechnisch am meisten begünstigt wurde, da viele Unternehmen diese als Alternative zur Business Class genommen haben und man zumindest meilentechnisch keine Nachteile haben sollte. Damit ist jetzt, zumindest was die Prämienmeilen angeht, Schluss. Wenn Sie also Premium-Economy-Class-Flüge planen, dann sollten Sie diese unbedingt jetzt buchen, sofern der Preis attraktiv ist, und nicht bis zum 12. März warten.

Economy, Business und First Class

Auch bei den günstigsten Economy-Class-Flügen in Europa, vor allem aber auch interkontinental, ergeben sich Einbußen, die jedoch absolut gesehen vergleichsweise gering sind, prozentual aber sehr hoch sein können. In der Business Class sind nahe gelegene Interkontinentalziele wie der Mittlere Osten (Dubai) oder die US-Ostküste (New York, Washington etc.) meilentechnisch im neuen System meist besser gestellt. Bei allen anderen Zielen muss man in der Regel Preise von mindestens 2400 Euro mit Status bzw. 2900 Euro ohne Status zahlen, damit das neue System zu keinen Einbußen führt.

In der First Class sind es bei den meisten Zielen mindestens 5500 Euro ohne Status und 7500 Euro mit Status. Für Geschäftsreisende kann sich das neue System durchaus lohnen, doch Privatreisende nutzen meist günstigere Tarife. Ebenso werden Umsteigeverbindungen gegenüber Direktflügen meilentechnisch benachteiligt. Geschäftsreisende, die kurzfristig und meist teuer buchen, profitieren auch bei Inlandsflügen und innerhalb von Europa.

Was kann man also konkret tun?

Neben einer Buchung vor dem 12. März 2018 gibt es weitere Wege, die alten Gutschriften beizubehalten. Da die neuen Gutschriften nur für Flugtickets, die auf Lufthansa Group Ticket Stock ausgestellt sind, gelten, kann man diese umgehen, indem man Lufthansa Tickets etwa über die Webseite eines der Joint Venture Partner bucht. Hierzu gehören Air Canada, United Airlines, ANA, Singapore Airlines und Air China . Natürlich geht das immer nur für bestimmte Interkontinentalroutings.

Alternativ kann man Ziele auch generell mit Star Alliance Partnerairlines anfliegen, die nicht zur Lufthansa Group gehören. Dies bedeutet allerdings meist zusätzliches Umsteigen. Oder aber man entscheidet sich generell dafür, die Meilen nicht mehr bei Miles & More, sondern bei einem anderen Star Alliance Vielfliegerprogramm gutzuschreiben. Es gibt hier viele lohnenswerte Alternativen, die bisweilen sogar deutlich schneller zu den meisten Vorteilen eines Lufthansa Senator Status führen, als wenn man sich bei Lufthansa Miles & More direkt qualifizieren würde.

Zuletzt darf man nicht vergessen, dass sich Lufthansa-Prämienmeilen auch auf anderen Wegen sammeln lassen. Über Abos, Finanzprodukte, Mobilfunkverträge, Einkäufe und vieles andere mehr lassen sich oft zu günstigen Preisen Prämienmeilen sammeln, sodass Einbußen auf den Flügen meist leicht ausgeglichen werden können.

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