07.04.2018 
Lissabon, Gastgeberin des Eurovision Song Contest

Musik an jeder Ecke

REUTERS

Stadt des Gesangs: Lissabon ist im Mai Austragungsort des Eurovision Song Contest. Portugals Hauptstadt ist dafür der perfekte Ort, denn die Stadt des melancholischen Fado-Gesangs ist nicht nur eine beliebte Metropole für Citytrips, sondern auch eine der musikalischsten Städte Europas.

Im Kellergewölbe des alten "Clube de Fado" wird das Licht gedimmt. Mario Pacheco gibt mit seiner portugiesischen Gitarre die ersten Moll-Akkorde vor. Die Sängerin Cuca Roseta steht neben ihm an einer Steinsäule. Eine Bühne gibt es nicht. Roseta hat die Augen geschlossen. Sie konzentriert sich, holt Luft. Dann durchbricht ihre Stimme mit einer so gewaltigen Stärke und Leidenschaft die Stille, dass selbst die zahlreichen ausländischen Touristen ohne Portugiesisch-Kenntnisse sofort verstehen, worum es beim Fado geht: Sehnsucht, Wehmut, Liebe, Schmerz. Als die Frau ihre Stimme wieder senkt und die Augen schließt, applaudieren die Gäste nahezu andächtig. Ein Fado-Konzert ist ein Erlebnis und eine Chance, tief in die portugiesische Seele zu schauen.

Lissabon ist 2018 die Stadt des Eurovision Song Contest - vor allem aber ist es die Metropole des Fado. "Wer keinen Fado gehört hat, hat Lissabon nicht kennengelernt", sagt Pacheco, dessen "Clube de Fado" zusammen mit "A Baiuca", "Casa de Linhares" und "Senhor Vinho" zu den angesagten Adressen im hügeligen Altstadtviertel Alfama gehört.

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Besonders beliebt ist auch das Fado-Restaurant "Mesa de Frades". In der alten Kapelle aus dem 18. Jahrhundert mit kunstvoll bemalten Wandfliesen und rustikalen Holzmöbeln tritt fast täglich der gefeierte Gitarrist und Besitzer Pedro de Castro an der Seite bekannter Fado-Sänger und Newcomer auf.

Auch die Einheimischen besuchen wieder verstärkt die knapp 30 Fado-Lokale im Alfama-Viertel. Das war nicht immer so. Früher gingen vor allem ausländische Touristen zu den Konzerten. Doch heute begeistern sich auch wieder viele Portugiesen für ihre melancholisch-nostalgische Traditionsmusik. "So populär wie heute war der Fado schon lange nicht mehr", versichert Pacheco, einer der bekanntesten Fado-Gitarristen des Landes. "Dank einer neuen Generation von Künstlern erlebt der Fado derzeit eine regelrechte Renaissance." Pacheco spricht von Künstlern wie Carminho, Mariza, Ana Moura, Ana Sofia Varela - und Cuca Roseta.

"Wir haben dem Fado wirklich ein neues Gesicht gegeben. Wir singen heute unsere eigenen Lieder mit modernen Texten, kleiden uns nicht mehr traditionell in schwarzen Kleidern, wie es einst unter Fado-Sängerinnen üblich war", erzählt Roseta.

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