01.05.2018  So wird der Island-Urlaub günstiger

Aktivurlaub statt abhängen

Inspired by Iceland/dpa-tmn

Island hat in den vergangenen Jahren einen Boom bei deutschen Urlaubern erlebt. Die Insel wurde entsprechend voll - und teuer. Abschreckend teuer, wie manche Veranstalter feststellen mussten. Individualreisende kommen günstiger weg - mit einigen Tipps.

Ein Bier für acht Euro? In Island ein normaler Preis. Die Insel im Atlantik mit ihren Vulkanen und Gletschern ist ein teures Reiseziel, nicht nur in Sachen Alkohol. Die Hotel- und Pauschalreisepreise sind in den vergangenen Jahren noch einmal gestiegen, seit das Land einen Touristenboom erlebt. Besonders die Deutschen zieht es nach Island. Doch fünf Tage Rundreise können bei einem deutschen Veranstalter gut und gerne 1500 Euro kosten - ohne Flüge. Geht Island günstig?

Mit diesen Tipps und Tricks sparen Individualreisende Geld:

Ein großer Posten ist die Anreise. Ziel ist stets der Flughafen Keflavík. Die Ticketpreise variieren je nach Flugtag, Flugzeit und Reisemonat. Der isländische Low-Cost-Carrier Wow Air wirbt mit besonders günstigen Flügen. In der Nebensaison lassen sich bei der Airline Flüge für 100 Euro pro Strecke inklusive Gepäck finden. In der Hauptsaison im Sommer ist es oft das Doppelte und mehr.

Ratschlag: Am besten dann fliegen, wenn nicht auch alle anderen fliegen. Das Reisedatum variieren und die Preise für einen anderen Abflughafen prüfen. Auf Portalen checken, ob Aufgabegepäck im angezeigten Ticketpreis enthalten ist.

Wie viel Geld vor Ort fällig wird, hängt dann stark von der Reiseform ab. "Wanderer und Radfahrer können immer noch einen preiswerten Urlaub in wunderbarer Landschaft erleben", sagt Island-Expertin Sabine Barth. Die Kölnerin kehrt seit den 1980er Jahren immer wieder auf die Insel zurück und hat mehrere Reiseführer über das Land geschrieben. Wer Island aktiv und somit preiswerter erleben möchte, muss aber etwas mitbringen: "Erfahrung, eine exzellente Ausrüstung, sprich ein gutes Zelt und gute Kleidung", sagt Barth.

Lesen Sie auch: Bitcoin-Räuber flieht aus Island - mit der Regierungschefin

Viele Reisende bevorzugen allerdings ein festes Dach über dem Kopf. Und hier gilt in Island verschärft, was auch für andere Reiseziele Gültigkeit hat: "Wer Hotels auf eigene Faust bucht, sollte früh im Voraus planen, nicht nur wegen der Preise, sondern auch wegen der Verfügbarkeit", empfiehlt Rebecca Schnobl von Islands größtem Internet-Buchungsportal Guide to Iceland. "Island hat in manchen Gebieten auf dem Land immer noch sehr wenige Hotels, und vor allem im Südosten und rund um Mývatn ist es schnell ausgebucht."

Die Reisebloggerin Inka Chall ("Blickgewinkelt") aus Berlin schwört auf Ferienhäuser, weil man dort selbst kochen kann. Eine Woche im Ferienhaus für vier Personen kostet im Juli ungefähr ab 1000 Euro. "Jeden Tag essen zu gehen, kann sich kein Durchschnittsverdiener leisten", sagt sie. Ihrer Erfahrung nach ist der Standard der Ferienhäuser sogar besser als der in Hotels. Als Selbstversorgerin hält sie immer Ausschau nach Bonus, Islands günstigstem Supermarkt.

Von Vorteil ist auch, wenn man zeitlich nicht an die Sommerferien gebunden ist und die Nebensaison nutzen kann. Chall hat damit gute Erfahrungen gemacht: "Wir hatten im Oktober 20 Grad. Es hätte natürlich auch Schneesturm sein können." Das Wetter ist in Island nahezu unkalkulierbar, besonders im Winter. Andererseits besteht zwischen Oktober und April die Chance, Nordlichter zu sehen. Und in der kalten Jahreszeit sind die Eishöhlen begehbar.

Nicht mit der Masse schwimmen empfiehlt sich auch geografisch: "Die Orte, die in jedem Reiseführer stehen, sind überlaufen und teuer", sagt Tourismusforscher Philipp Wagner vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) in Kiel. Die meisten Touristen konzentrierten sich auf Regionen, die ein bis zwei Tage vom Flughafen Keflavík entfernt liegen. Sabine Barth findet: "Wer Island ursprünglicher und weniger überlaufen kennenlernen möchte, der sollte schnell den Großraum Reykjavík und den Südwesten verlassen." Es gebe phantastische Gegenden auch im Osten und Nordosten.

Aber wie im Land herumkommen? Die meisten mieten ein Auto. Dabei kostet der Geländewagen mit Allradantrieb natürlich mehr als der einfache Pkw. "Wer im Sommer unterwegs ist und nicht ins Hochland will, der braucht keinen Allradwagen", sagt Rebecca Schnobl. Im Winter sei der allerdings empfehlenswert und für manche Strecken auch Pflicht. Und die Hochlandstraßen, die überhaupt nur im Sommer geöffnet sind, lassen sich nur mit Allradantrieb befahren.

Damit die Tour hinterher nicht teurer wird als geplant, sollte man eine Versicherung abschließen: "Die Chance, dass man sich unterwegs einen Schaden am Auto holt, ist größer als bei anderen Zielen", sagt Wagner. Wer keine Erfahrung im Gelände hat, sollte einen Ausflug mit den speziell dafür ausgerüsteten öffentlichen Bussen einbauen, die im Sommer fahren. "Besser als liegenbleiben!"

Ob Ferienhaus oder Mietwagen: Ein Island-Urlaub wird günstiger, je größer die Reisegruppe ist. Solo-Reisende schließen sich am besten organisierten Touren unter Führung kundiger Isländer an. "Gerade wenn man alles zusammenrechnet, hat man oft von einer organisierten Tour viel mehr", sagt Barth. Und die Planung ist leichter.

Wer rechtzeitig mit der Vorbereitung beginnt und etwas flexibel ist, kann die "Insel aus Feuer und Eis" also immer noch verhältnismäßig günstig erleben. Auch für die berühmte Blaue Lagune, berüchtigt für ihre hohen Eintrittspreise, gibt es Alternativen: "Ein Bad in Hofsós mit Blick aufs Meer ist nicht weniger genussvoll und vor allem deutlich preiswerter", findet Sabine Barth.

Andrea Seliger, dpa

Mehr zum Thema