20.07.2018  Neue Hotelkonzepte der großen Reiseveranstalter

Badeurlaub im Bauhaus-Bungalow

Philipp Laage/dpa-tmn

Nein, dies sind keine minimalistischen Wohnkübel, die ein Stararchitekt für wohlhabende Klienten auf Rhodos vor einen kargen Hang gesetzt hat. Sondern Ferienunterkünfte. Das Casa Cook an der Ostküste der griechischen Insel mit seinen weißen Bungalows im Bauhaus-Stil ist ein Konzepthotel von Thomas Cook für stilbewusste Paare, die auf den viel beschworenen "Lifestyle" Wert legen.

Über helle Fliesen läuft man an scheinbar endlosen Pools vorbei, die offenbar mehr der Ästhetik der Anlage als der Abkühlung dienen. Die Gäste sonnen sich auf ihren Liegen, niemand planscht. Das "Casa Cook Rhodes" ist ein Adults-Only-Hotel für Gäste ab 16 Jahren. Die blütenweißen Bungalows sind eine Hommage an den rechten Winkel: Die Häuser der Marke Casa Cook dürfen keine runden Bauelemente haben, das ist die Vorgabe. Alles soll modern und schnörkellos aussehen.

Buchbar ist das Hotel beim Veranstalter Thomas Cook Signature und dessen Luxusableger Finest Selection. Ein weiteres Casa Cook liegt auf Kos, im kommenden Jahr kommt ein drittes Haus auf Kreta hinzu. Casa Cook steht für einen Trend: Die großen Reiseveranstalter feilen verstärkt an ihren Hotelmarken und -konzepten, um verschiedene Urlaubertypen zielgerichtet für sich gewinnen zu können. Der Gast soll eine Unterkunft bekommen, die gut zu ihm passt. Der Durchblick fällt angesichts verschiedenster Marken aber nicht so leicht.

Hier eine Übersicht der Hotelmarken der größten Veranstalter:

Diese Hotelkonzepte sollen dem Urlauber Orientierung geben - und den Gast an den Veranstalter binden. Man wolle ein "durchgehendes Tui-Markenerlebnis" bieten, sagt Erik Friemuth, der in Hannover die Tui Hotels & Resorts verantwortet. "Das ist nur mit eigenen Hotelmarken und -konzepten möglich." Und bei Thomas Cook hat man im jüngsten Holiday Report herausgefunden, dass für die meisten Urlauber das Hotel noch wichtiger als das Reiseziel ist.

FTI erklärt die Auffächerung der Hotelmarken auch mit praktischen Gründen: "Wir übernehmen bestehende Häuser, die zum Teil schon seit vielen Jahren am Markt existieren, renovieren sie, bauen sie um und entwickeln sie weiter", sagt Geschäftsführer Ralph Schiller. Diese Hotels könnten nicht alle den gleichen Standard haben. Und so müssen eben diverse Marken her, damit der Kunde die Häuser zuordnen kann.

Die verschiedenen Marken sind für Laien teils gar nicht so leicht voneinander zu trennen, auch wegen der blumigen Marketing-Sprache. Da müssen die Reisebüros im Zweifel viel erklären. Urlauber, die eine Marke kennen, kommen dann aber hoffentlich gerne wieder. Die Veranstalter verweisen auf hohe Weiterempfehlungsraten.

Für die Veranstalter werden eigene Hotels immer wichtiger. Allein das Hotelsegment macht für Tui nach eigenen Angaben rund 30 Prozent des operativen Gewinns aus. Und Stefanie Berk, Geschäftsführerin Thomas Cook Central & East, sagt: "Die Hotelkonzepte sind der Hauptweg, um sich zu differenzieren und Produkte exklusiv nur bei uns anzubieten. Denn das Gesamterlebnis Paketreise macht zu 80 Prozent das Hotel aus. Da müssen wir möglichst großen Einfluss haben."

Hinter diesen Erklärungen steckt die Tatsache, dass ein Veranstalter letztlich nur Pakete aus Flügen und Hotels schnürt. In Zeiten von Online-Reisebüros, Hotelportalen und Airbnb, die den Trend zum individuellen Zuhause auf Zeit im Urlaub groß gemacht haben, besteht die Gefahr, austauschbar zu werden. Der Urlauber könnte sich fragen: Warum soll ich ausgerechnet zu Tui? So wollen die Veranstalter mehr bieten als austauschbare Standardhotels, die jeder im Angebot hat.

Interessant daran ist, dass die Eigenmarken häufig auch bei der Konkurrenz zu finden sind - um die Häuser auch möglichst voll zu bekommen. Die Thomas-Cook-Marke Sentido zum Beispiel ist nicht exklusiv bei dem Veranstalter buchbar. Und viele Labranda-Häuser von FTI bekommt der Urlauber auch bei anderen Anbietern.

Casa Cook gibt es nur exklusiv bei Thomas Cook. Um die "Bohème Lifestyle Hotels" zu bewerben, hat der Veranstalter zur Einführung der Marke auf Social-Media-Influencer gesetzt. Die Webseite von Casa Cook sieht entsprechend aus wie ein Instagram-Account: schöne Menschen am Pool und auf Liegen, Sepia-Farben.

Die Kundschaft ist nicht nur stilbewusst, sie verfügt auch über eine gut gefüllte Urlaubskasse. Das einwöchige Pauschalpaket mit Flug kostet im "Casa Cook Rhodes" in der Nebensaison im Oktober immer noch ab etwa 900 Euro pro Person aufwärts - nur mit Frühstück. Die Speisen sind preislich im Rahmen. Das günstigste Bier kostet jedoch 4,50 Euro. Weil es importiert werden muss, so der Hotelmanager.

Philipp Laage, dpa

Mehr zum Thema