20.01.2018 
Günter Zorn fotografiert Tokio für Japaner

Wie ein Top-Manager zum Top-Fotografen wurde

Guenter Zorn

Die japanische Fotografengruppe Tokyo GA ist ein wichtiger Faktor im Kulturleben der Stadt. Als einer von nur zwei Deutschen und einziger in Japan lebender deutscher Fotograf ist Günter Zorn die Ehre zuteil geworden, in die vorwiegend aus Japanern bestehende Fotografengemeinschaft aufgenommen zu werden. Hier ist seine Sicht auf die Stadt.

Die Fahrt über die breite Autobahn führt durchs Grüne, vorbei an Reisfeldern und einzelnen Bauernhäusern. Bald weicht das Grün grauem Beton, Häuser reihen sich an Häuser, Fabriken an Fabriken, in der Ferne ragen die ersten Wolkenkratzer auf. Dann geht es über riesige Betonstelzen hinein in ein unendliches Häusermeer. Der erste Eindruck von Tokio, dieser Megalopolis mit 38 Millionen Einwohnern, ist für manchen Ankömmling überwältigend.

"Alles erscheint zu groß, zu laut, zu viel Beton, zu viele Menschen, kaum Grün", erzählt Günter Zorn. Doch wer wie der Deutsche hier seit längerem lebt, erfährt Tokio schon bald eher als eine Ansammlung lauter "Dörfer", meist gruppiert um jeweils einen Bahnhof und Einkaufsstraßen, wo die Menschen fast unberührt von der lauten Großstadthektik Tokios oft ein recht beschauliches Leben führen.

Lesen Sie auch: Das waren die Neuheiten der Tokyo Motor Show

So wie auch Zorn. "Hier lebt man fast wie auf dem Lande", erzählt der 64 Jahre alte Unternehmensberater und passionierte Fotograf in einem gemütlichen Restaurant in Kagurazaka. "Meine Kagaruzaka" nennt Zorn seinen schmucken Stadtteil, der zwar unweit des Kaiserpalastes mitten in Tokio liegt, der jedoch mit seinen Gassen voller hübscher kleiner Holzhäuser und edler Sterne-Restaurants eher an ein Dorf mit einem Hauch französischen Flairs erinnert denn an eine Mega-Großstadt.

Von hier aus entdeckt der frühere langjährige Leiter der Region Asien/Pazifik der Heidelberger Druckmaschinen in quasi zweiter Karriere als Fotograf Japans Hauptstadt mit ihren "1000 Dörfern", wie Zorn seine Wahlheimat gerne liebevoll beschreibt, täglich aufs Neue: Als einer von nur zwei Deutschen und einziger in Japan lebender deutscher Fotograf ist ihm die Ehre zuteil geworden, in die vorwiegend aus Japanern bestehende Fotografengemeinschaft namens Tokyo GA aufgenommen worden zu sein.

Die Gruppe besteht aus 100 Fotografen, darunter viele junge Talente, aber auch berühmte Namen wie Daido Moriyama, der als einer der Väter der Streetfotografie gilt. Gegründet wurde sie 2011 unter dem Eindruck der damaligen Dreifach-Katastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Atomunfall in Fukushima von der international aktiven Kuratorin Naoko Ohta. Sie wollte den damals um die Welt gehenden düsteren Bildern vom GAU entgegentreten und zeigen, dass das Leben in Tokio weiter geht.

1 | 2

Mehr zum Thema