12.06.2018  Fußball-WM 2018 in Russland

Wo die deutsche Nationalmannschaft wohnt

Ozdorowitelnij Komplex Watutinki

Der Feinschliff ist getan, bis zuletzt haben Handwerker gearbeitet, damit es WM-Titelverteidiger Deutschland schön hat bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Seit kurzem seien die Bauarbeiten abgeschlossen, sagte die Leitung des Team-Hotels Watutinki. An diesem Dienstag ist es soweit, dann reist die deutsche Nationalmannschaft mit dem Sonderflieger LH 2018 nach Moskau und bezieht ihr WM-Quartier. Dort kann sie sich auf das erste Gruppenspiel am Sonntag im Luschniki-Stadion gegen Mexiko vorbereiten.

Watutinki liegt im Südwesten der russischen Hauptstadt, 30 Kilometer vom Flughafen Wnukowo entfernt, bis zum Luschniki-Stadion sind es 35 Kilometer. Für Ausländer mag der Name exotisch klingen, ein bisschen mystisch gar. Für russische Ohren ist es lediglich ein gewöhnlicher, obschon seltener Name.

Das Team-Hotel Watutinki liegt am Rande der gleichnamigen Ortschaft. "Das Trainingsgelände von Erstligist ZSKA Moskau ist nur fünf Minuten entfernt", sagte eine Hotel-Sprecherin. Mit der Entscheidung für den abgelegenen Spa-Komplex hat es sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) dennoch nicht leicht gemacht. Verlockend waren der Strand und das subtropische Klima im Ferienort Sotschi am Schwarzen Meer. Dort residierte die DFB-Auswahl beim Confederations Cup im vergangenen Sommer. Das edle Resort an der Strandpromenade war mondän und modern. Das Stadion lag in Sichtweite; ein Privatstrand lud die späteren Turnier-Sieger zur Zerstreuung ein. Es war Fußball unter Palmen.

Bei der Weltmeisterschaft vom 14. Juni bis 15. Juli gelten andere Maßstäbe. "Wir haben doch auch unsere Vernunft eingeschaltet", begründete Bundestrainer Joachim Löw die Entscheidung für Moskau. In einem Wäldchen gelegen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum erreichbar, soll das Hotel für Löw und sein Team ein Ruhepol zwischen den Spielen werden.

DFB-Auswahl bei der Ankunft in Moskau
DPA
DFB-Auswahl bei der Ankunft in Moskau

"In Moskau können wir bei besten Trainingsbedingungen konzentriert arbeiten und finden in dem ruhig gelegenen Quartier auch gute Möglichkeiten zu regenerieren", sagte Löw. Team-Manager Oliver Bierhoff sagte der Agentur Tass über die Hotel-Wahl, manche Mannschaften suchten einen lebhaften Ort. Deutschland wolle hingegen, dass die Spieler so wenig Aufmerksamkeit wie möglich bekommen.

Fotos im Internet zeigen blank polierten Marmor in der Lobby und schwere dunkle Holzmöbel auf den Zimmern - edler, postsowjetischer Hotel-Schick eben und etwas weniger modern als beim Confed Cup in Sotschi. Menschen, die schon einmal in Watutinki übernachtet haben, schwärmen vom riesigen Schwimmbad.

72 Zimmer für die Mannschaft und ihren Tross

Ruhe ist Löw und seinem Team in den kommenden Wochen sicher. Vom 1. Juni bis 27. Juli ist das Hotel für den Publikumsverkehr geschlossen. Zwar lehnte die Hotelleitung vorab eine Führung über die Anlage ab, aber sie versicherte, dass es der DFB-Elf an nichts fehlen werde. 72 Zimmer seien für die Mannschaft und ihren Tross vorgesehen, sagte die Sprecherin.

Neben Spielern und Trainerstab wohnen in dem Luxushotel auch das Team hinter dem Team, bestehend aus zwei Köchen, vier Ärzten, vier Physiotherapeuten, Analysten, Fitnesstrainern sowie dem Medien- und Organisationspersonal.

Ein ganzer Gebäudekomplex sei teils renoviert, teils neu gebaut worden. "Alles ist sehr modern." Seit 2015 sei die Anlage für die WM vorbereitet worden, hieß es. Noch im Mai waren die Bauarbeiten Augenzeugen zufolge nicht fertig.

DFB-Präsident Reinhard Grindel sah das bei einem Besuch in Moskau wenige Wochen vor WM-Anpfiff gelassen. "Es gehört zu den Usancen im DFB, dass sich der Präsident um diese operativen Fragen nicht im Einzelnen kümmert", sagte Grindel. "Er kloppt keine Steine, und er sorgt nicht für die Inneneinrichtung, sondern er informiert sich, wie die Vorbereitungen laufen."

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Bayerns Verbandschef Rainer Koch, der Grindel nach Moskau begleitet hatte, sah in den langwierigen Bauarbeiten aber ein gutes Omen. Auch bei der WM 2014 in Brasilien sei noch bis zur letzten Minute am Team-Hotel gewerkelt worden. "Wir sind dann Weltmeister geworden." Wenn das nun wieder so ist, seien die Aussichten in Watutinki gut.

Thomas Körbel, dpa

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