30.01.2019 
Komfortabler fliegen

So kommen Sie an Upgrades

Von Alexander Koenig
Duncan Chard

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    First Class & More
    Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de), dem größten deutschsprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner neuen Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

Jeder möchte sie haben, wenige bekommen sie: Upgrades bei Airlines. Es ist eine der häufigsten Fragen, die ich höre: "Ich habe ein Economy Class Ticket für Flug X gebucht, könnt ihr das für mich auf Business upgraden?" Das Problem ist: Die meisten, die das fragen, haben die günstigsten Economy Class Tickets gebucht und diese kann man weder mit Meilen upgraden noch steht man bei solchen Tickets selbst bei Vorhandensein eines hohen Vielfliegerstatus weit oben auf der Liste für sogenannte "Operational Upgrades".

Für ein "Operational Upgrade", also eines am Check-in oder am Boarding Gate muss zunächst einmal eine Voraussetzung erfüllt sein: Die Economy Class muss überbucht sein. Denn Upgrades sind anders als in Hotels, wo diese als "Goodie" für besonders gute Kunden eingesetzt werden, bei Airlines eher aus der Not geboren, nämlich dass mehr Menschen mitfliegen möchten, als es Plätze in der gebuchten Serviceklasse gibt. Das passiert relativ häufig. Doch dann kommt es auf weitere Dinge an, um auf der Upgrade-Liste der Airline ganz oben zu stehen.

Vielfliegerstatus und Buchungsklasse

Es geht um die Kombination aus Vielfliegerstatus bei der Airline, mit der man fliegt und Buchungsklasse, welche die Wertigkeit des gebuchten Tickets ausdrückt. Ganz oben auf der Upgrade-Liste stehen diejenigen mit dem höchsten Vielfliegerstatus, bei der Lufthansa also die HON Circle Members, danach die Senatoren. Innerhalb dieser Gruppen wird dann noch einmal nach Buchungsklasse sortiert. Schließlich kann es weitere Einflussfaktoren geben, welche die Upgrade-Wahrscheinlichkeit beeinflussen. Reist man etwa zu zweit (eventuell sogar mit Kind), gibt es aber nur einen Upgrade-Platz, dann wird man eventuell zugunsten eines Einzelreisenden übersprungen. Hinderlich für Upgrades ist es auch immer, wenn man zum Beispiel ein Spezialmenü bestellt hat.

Wie Upgrade-Profis vorgehen

Upgrade-Profis checken die Flugstatistiken bestimmter Routings, lassen sich von Reisebüros oder von der Airline selber Auskünfte zum Buchungsstand geben und buchen dann solche Flüge, die mit hoher Wahrscheinlichkeit überbucht sind. Sie haben zudem einen hohen Status bei der Airline und sie buchen Tickets in einer etwas höheren Buchungsklasse. Ein Klassiker für Flüge mit guten Upgradechancen sind solche zum Anfang der Sommerferien, die beispielsweise in die USA gehen. In der Ferienzeit ist die Business Class eher schwächer gebucht, die Economy Class hingegen meist überfüllt.

Bezahlte Upgrades

Doch neben diesen kostenlosen Upgrades gibt es natürlich auch weitere Varianten, nämlich Bezahl-Upgrades und Upgrades mit Meilen. Einige Airlines bieten einem einige Tage vor dem Flug Cash-Upgrades an. Meist liegt der Preis one-way bei 500 bis 800 Euro. Bisweilen kann man auch auf ein Upgrade bieten. In beiden Fällen muss jeder für sich entscheiden, was ihm ein Upgrade wert ist. Auch am Check-in-Schalter kann man nach einem bezahlten Upgrade fragen.

Meilenupgrades

Interessanter wird es jetzt bei Meilenupgrades. Im Lufthansa Miles & More Programm wurde im vergangenen Jahr eine sehr positive Veränderung vorgenommen. Während man früher nur aus den höchsten Business Class Buchungsklassen C, D und J auf First Class upgraden konnte, ist dies jetzt aus allen Business Class Buchungsklassen möglich. So gesehen ist eine der besten Upgrade Möglichkeiten die Buchung eines besonders günstigen Business Class Tarifs in einem Sale mit anschließendem Upgrade. Während günstige Business Class Tickets zwischen 1500 und 2000 Euro kosten, liegen die normalen First Class Preise in einer Spanne von 5000 bis 10.000 Euro.

Häufiger relevant sind jedoch Upgrades von Economy auf Business Class. Leider sind die günstigsten Buchungsklassen K, L und T von Upgrades ausgeschlossen. Das folgende zufällige Beispiel zeigt den Unterschied. Wenn ich aktuell für Mai 2019 in der Economy Class einen Flug von Frankfurt nach Los Angeles mit Lufthansa buche, zahle ich im günstigsten Tarif 457 Euro non-stop. Wenn ich denselben Flug in einer upgradefähigen Buchungsklasse (H, M, Q, S, U, V, W) buche, dann schnellt der Preis auf 939 Euro hoch. Das ist mehr als das Doppelte. Hinzu kommt, dass ein Return Flug Upgrade auf dieser Strecke 100.000 Meilen kostet. Wenn man hingegen den kompletten Flug mit Meilen buchen würde, würde man "nur" 105.000 Meilen plus etwa 500 Euro an Steuern und Gebühren zahlen.

Wenn also ein Business Class Flug auf Meilen verfügbar ist, macht es in der Regel mehr Sinn, diesen zu buchen. Und wenn keiner verfügbar ist, dann gibt es zum Zeitpunkt der Buchung sowieso keine Upgrade-Möglichkeiten. Man würde dann, wenn man sich die Upgrade Chancen erhalten möchte, da sich wenige Tage vor Abflug oft noch Upgrade-Möglichkeiten auftun, in unserem Beispiel ein 500-Euro-Risiko eingehen, denn das ist der Aufpreis für ein upgradefähiges Ticket.

Daher machen Meilenupgrades bei Lufthansa meist nur in ganz besonderen Fällen Sinn. Ein solcher ist gegeben, wenn der Arbeitgeber das Flugticket zahlt (in der Regel ist es dann eine höhere upgradefähige Buchungsklasse) und man dann private Meilen nutzt, um den Flug upzugraden. Oder man führt das oben beschriebene Upgrade von günstiger Business Class auf First Class durch.

Wie man Lufthansa Upgrade Voucher einsetzt

Das Upgrade-Problem haben auch oft Lufthansa Statuskunden, da sie bei der Status-(Re-) Qualifikation immer Upgrade e-Voucher erhalten. Für teurere vom Arbeitgeber bezahlte Flüge sind diese sehr gut einsetzbar. Doch für private Urlaubsreisen sollte man sie nur dann einsetzen, wenn es bereits bei Buchung des regulären Tickets eine Verfügbarkeit für ein Upgrade gibt. Eine Ausnahme sind Upgrades von Business auf First Class. Hier sind die Upgrade Voucher die perfekte Möglichkeit, egal ob man geschäftlich oder privat reist.

Bei welchen Airlines sich Upgrades lohnen

Doch wie sieht es bei anderen Airlines und Meilenprogrammen aus? Ist Lufthansa ein Einzelfall, wo sich Meilenupgrades in den meisten Fällen nicht lohnen? Wir haben in einer Studie acht beliebte Vielfliegerprogramme miteinander verglichen und konnten nur zwei identifizieren, bei denen Meilenupgrades in den meisten Fällen lohnenswert waren: British Airways und Emirates. Bei British Airways ist von Vorteil, dass alle Premium Economy und alle Business Class Buchungsklassen upgegraded werden können. Bei Emirates ist von Vorteil, dass reguläre Prämientickets sehr hohe Steuern und Gebühren nach sich ziehen (meist 600 Euro oder mehr) und man sich diese im Falle eines Upgrades spart.

Fazit

Der Upgrade-Mythos lebt, doch in der Praxis sieht alles etwas nüchterner aus. Für "Operational Upgrades" ist der Vielfliegerstatus entscheidend, für Meilenupgrades lohnt sich bei Lufthansa insbesondere das Upgrade von Business auf First Class. Ansonsten sind Meilenupgrades in erster Linie bei fremdbezahlten Flügen eine Option - für Selbstzahler bei den meisten Airlines jedoch nicht. Dann bleibt nur noch das Bezahlupgrade, bei dem jeder seine eigene Schmerzgrenze für ein Upgrade ausloten kann, damit es am Ende doch noch heißt: You have been upgraded.

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