29.05.2018  Emirates, Etihad und Qatar Airways

Wie die Golf-Airlines Meilensammler abstrafen

Von Alexander Koenig

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Qatar Airways macht Meilentickets unangekündigt über Nacht bis zu 70 Prozent teurer und führt Buchungsgebühren ein, Etihad berechnet bis zu 200 Dollar mehr für Prämientickets, hebt den Chauffeurservice für diese komplett auf und erhöht Meilenpreise um bis zu 15 Prozent. Was ist los bei den Golf Carriern? Vor zwei Jahren schien es, dass die drei großen Golf-Airlines Emirates, Qatar Airways und Etihad der Konkurrenz enteilen. Großartige Produkte gekoppelt mit höchst attraktiven Preisen; dazu mit Dubai, Doha und Abu Dhabi perfekt gelegene Drehkreuze, die alle im Bereich Tourismus mächtig aufrüsten. Demgegenüber stand die Lufthansa , etwas gebeutelt durch ständige Streiks und inmitten verschiedener Cost-Cutting-Initiativen.

Etihad und Qatar Airways mit Problemen

Doch heute zeigt sich ein ganz anderes Bild. Emirates konnte nach einem sehr schlechten Vorjahr zwar mittlerweile wieder deutliche Gewinne einfahren und teilte Anfang Mai 2018 ein um 124 Prozent besseres Ergebnis für Emirates und insgesamt 1,1 Milliarden Dollar Gewinn mit, doch Qatar Airways CEO Akbar Al-Baker kündigte im April 2018 "erhebliche Verluste" an und Etihad verlor im letzten Jahr ganze 1,87 Milliarden Dollar.

Die Lufthansa hingegen erhielt bei Skytrax ihren 5. Stern als erste europäische Airline und steht nach dem Wegfall von Airberlin für Flüge ab Deutschland quasi als Monopolist dar. Die Gewinne sprudeln. So konnten im März 2018 die höchsten Gewinne der Geschichte vermeldet werden. Das operative Ergebnis stieg um fast 70 Prozent auf knapp drei Milliarden Euro.

Die Gründe sind unterschiedlich

Die Gründe für die Probleme bei Etihad und Qatar Airways sind ganz unterschiedlich: Bei Etihad war der Krisenauslöser die verfehlte Akquisitionsstrategie: Salopp gesagt wurden "marode" Carrier aufgekauft, um dadurch das Netzwerk schnell zu erweitern und diese danach wieder auf Kurs zu bringen. Doch das scheiterte grandios bei Airberlin, auch bei Alitalia . Air Seychelles ist in der Restrukturierung und Air Serbia steht auch kurz vor der Pleite.

Bei Qatar Airways ist die Lage anders. Die Probleme sind nicht selbst verschuldet: Die Airline leidet an dem von Saudi Arabien initiierten Boykott von vier arabischen Staaten (Saudi Arabien, VAE, Bahrain, Ägypten) gegen Qatar. Die diplomatischen Beziehungen wurden gekappt und zudem auch die Flüge zwischen Doha und den genannten Ländern gestoppt. Das war ein massiver Einschnitt in das Geschäft der Airline. Das Problem dabei: Qatar Airways war bis dahin die Airline, die immer mit den besten Business-Class-Angeboten auf sich aufmerksam gemacht hatte. Doch diese "Großzügigkeit" ist anhand der neuen finanziellen Situation leider etwas abhanden gekommen.

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