16.09.2017  Vom Wein wachgeküsst

Wie Napa zum Urlaubsparadies wurde

Napa Valley ist der Superstar, Sonoma County der Aufsteiger der amerikanischen "Foodie"-Szene. Rund 800 Weingüter und immer mehr Spitzenrestaurants locken Genießer nach Kalifornien - und nicht nur die.

Lautlos steigt der Heißluftballon über dem Sonoma County in den stahlblauen Himmel. Eine Brise zerreißt die letzten Nebelbänke. Wie Fabelwesen wabern sie über sanft gewellte Weinberge, von der aufgehenden Sonne dramatisch in Szene gesetzt. Im Korb des Ballons herrscht ergriffenes Schweigen. Pilot Armand O'Connor steuert den bunten Ballon im Nordwesten Kaliforniens über eine wahre Bilderbuchlandschaft. "Heute ist ein perfekter Tag", meint O'Connor. Sonst sei der Nebel oft zu dicht, erklärt der Pilot von Up & Away Hotair Ballooning.

Nebel ist der Feind der Ballonfahrer, aber der Freund der Winzer. Und die haben Sonoma und vor allem das benachbarte Napa Valley weltberühmt gemacht. Tagsüber jagt die brennende Sonne den Zuckergehalt der Trauben in die Höhe, nachts sorgt die vom kalten Pazifik hereinziehende Feuchtigkeit dafür, dass sie dennoch elegante Tropfen hervorbringen. Top-Weine aus Kalifornien kosten mittlerweile ein Vermögen.

1976 waren die bis dato von großen Weinnationen wie Frankreich belächelten Farmer aus Napa über Nacht weltberühmt geworden. Bei einer Blindverkostung in Paris schlugen der Chardonnay vom Chateau Montelena und der Cabernet Sauvignon von Stag's Leap die genauso hochgelobten wie hochnäsigen Franzosen. Die Weinprobe mit dem Triumph der Amerikaner ging in die Geschichte ein. 2008 wurde er unter dem Titel "Bottle Shock" verfilmt.

Die Underdogs sind längst Superstars geworden. Und mit dem Aufstieg der Winzer blühte auch das Napa Valley auf. Obstbäume wichen Rebstöcken, schäbige Farmen imposanten Weingütern. Mit den Weinkennern kam das Geld in das rund 50 Kilometer lange Tal zwischen Napa und Calistoga. Hotels schossen aus dem Boden, das beeindruckende "Silverado Golf Resort" stieg zu einem der besten des Landes auf.

Spitzenküche im Valley

Hauptstadt der Winelands ist Napa mit seinen feinen Boutiquen, unzähligen Bars und Restaurants. "Napa Valley ist ein Hotspot für Foodies", erzählt Ballonpilot O'Connor. "Foodies" nennen Amerikaner Menschen, für die Essen und Trinken alles und die Region eine Autostunde nördlich von San Francisco deshalb ein Schlaraffenland ist.

Die Auswahl für Gourmets wird immer größer: "Basalt" und der Japan-Grill "Miminashi" gehören zu den Neueröffnungen, "Torc" zu den Etablierten und das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete "La Toque" zurecht zu den kulinarischen Top-Adressen in Napa. Starkoch aber ist Thomas Keller. Sein "French Laundry" in Yountville ist Kult und trotz saftiger Preise auf Monate ausgebucht.

Wer in der "French Laundry" schlemmt, sieht immer wieder Rennradfahrer und Mountainbiker vorbeirollen. Wenige hundert Meter entfernt, hat Napa Valley Bike Tours seine Basis. Dort gibt es Routen-Karten und Leihräder. Über ruhige Nebenstraßen und Radwege jagen Sportler durch schier endlose Weingärten oder hinauf auf Bergstrecken am Mt. Veeder, während "Foodie-Biker" genüsslich von Weinprobe zu Weinprobe rollen.

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