29.08.2017  Wann sich Regionalflüge lohnen

Unterwegs mit Sylt Air und Rhein-Neckar-Air

Syltair / TMN

Von Berlin nach Boston? Da bleibt dem Urlauber nichts anderes übrig, als ins Flugzeug zu steigen. Von Frankfurt am Main nach Mallorca? Auch da fliegt er am besten. Und von Hamburg nach Sylt? Drei Stunden mit dem Zug, sagt der Routenplaner, fünf Stunden mit dem Auto, wegen der Fähre.

Aber es ginge auch in 50 Flugminuten. Jeden Tag landen zig Direktflüge aus deutschen Städten auf der Insel. Dabei sind Regionalflüge, also Verbindungen zwischen Destinationen abseits der großen Flughäfen, eigentlich aus der Mode.

Im vergangenen Herbst sorgte ein "Überseeflug" für Schlagzeilen: Ein Jet der österreichischen Fluggesellschaft People's Viennaline war am 2. November morgens gegen halb sieben in Altenrhein in der Schweiz gestartet und acht Minuten später auf der anderen, deutschen Seite des Bodensees in Friedrichshafen gelandet - planmäßig. Die Rede war vom "kürzesten Linienflug der Welt" - der nach kurzem Aufenthalt weiter nach Köln ging.

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Kurios: Berichtet wurde, dass die Piloten die Landeerlaubnis beantragen mussten, noch bevor sie gestartet waren. Täglich zwei solche Flüge führte die Airline im Winterflugplan durch. Preis: 40 Euro für die 20 Kilometer Luftlinie. Doch das Passagierziel wurde nicht erreicht, der Verkehr auf der ungewöhnlichen Strecke im April 2017 wieder aufgegeben. Luftverkehrsexperten sehen seit Längerem: Regional funktioniert der Flieger nur noch bedingt.

"Im Regionalluftverkehr können wegen der beschränkten Fluggastpotenziale nur kleinere Flugzeuge eingesetzt werden. Diese aber produzieren hohe Kosten pro Sitzplatz", erklärt der Luftfahrtexperte Gerd Stöwer. Er arbeitete früher für die Lufthansa , war Geschäftsführer von Flughäfen, ist heute als selbstständiger Unternehmensberater tätig und unterrichtet Studenten an der TU Dresden in Luftverkehrsrecht und -politik.

Stöwer erinnert daran, dass noch in den 1990er Jahren Gesellschaften wie der Nürnberger Flugdienst oder Augsburg Airways mit Propellerflugzeugen Strecken abseits der großen Ballungsgebiete bedienten. Damals seien Reisende bereit gewesen, für Hin- und Rückflug 500 Euro zu zahlen. "Damit war Regionalluftverkehr gewinnbringend zu organisieren." Inzwischen habe sich vor allem durch die Billigflieger das Preisdenken geändert: "Ein kurzer Flug darf möglichst nicht über 100 Euro kosten. Mit solchen Tarifen können Strecken mit kleinem Fluggerät nicht kostendeckend betrieben werden."

Eine Boeing 737-800 wie sie beispielsweise Ryanair einsetzt, kann bis zu 190 Passagiere befördern. Doch auch kleinere Regionalflugzeuge mit 20 bis 70 Sitzen "benötigen zwei Piloten, mindestens einen Flugbegleiter, zahlen vergleichbar hohe Entgelte für Navigation, Anflug, Landung und Abfertigung", erläutert Stöwer.

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