18.08.2017  Kanadas schönste Eisenbahnhotels

764 Zimmer, 27-Loch-Golfplatz, 11 Restaurants und Bars

Fairmont Hotels & Resorts/dpa-tmn

Es ist ein trüber Herbstmorgen irgendwo in den weiten Wäldern der kanadischen Rocky Mountains. Bärtige Männer in Anzügen und schwarzen Zylinderhüten stehen auf matschigem Boden und warten auf das feierliche Zeremoniell. Einer der Männer, der Bankier Donald A. Smith, greift zum Hammer und rammt den letzten Nagel in die Holzschwelle. Geschafft. Die transkontinentale Eisenbahn ist fertig.

Nach schwierigen Bauarbeiten haben die Arbeiter der Canadian Pacific Railway am Eagle Pass in British Columbia soeben den Brückenschlag von Ost nach West und damit die Einheit des Landes vollendet. Es ist das Jahr 1885, und kaum eine historische Szene ist in Kanada so berühmt wie jene mit dem letzten Nagel.

Roberto Garito erzählt die Episode mit einer Inbrunst, als hätte sie sich erst gestern zugetragen. "Der letzte Nagel war wie die Geburtsstunde unserer Nation, denn er brachte die Siedler im Westen in den Schoß der kanadischen Familie", erklärt er das berühmte Schwarzweiß-Foto. Auch eine Nachbildung des Nagels hat er parat. Das "Ah" und "Oh" der Besucher ist nicht zu überhören.

Garito arbeitet als Gästeführer im "Banff Springs Hotel", einer Luxusherberge, die in besonderer Weise mit dem Nagel und den Gründerjahren Kanadas verwoben ist. Das Schlosshotel im Banff Nationalpark liegt nur ein paar hundert Kilometer vom Ort des Brückenschlags entfernt und gilt als das berühmteste von mehreren Eisenbahnhotels, mit denen die Canadian Pacific Railway nach der Fertigstellung der transkanadischen Strecke neue Siedler und Touristen in das Land bringen wollte.

"Einer der Bahnmanager hat damals gesagt: Da wir die grandiosen Landschaften nicht exportieren können, müssen wir die Menschen eben importieren", erzählt Garito auf seinem einstündigen Rundgang durch das Hotel, das mit seinen Türmchen und Erkern einem schottischen Schloss ähnelt. Dazu passt Garitos Outfit: Er trägt eine karierte Krawatte, einen grünen Schottenrock und polierte Stiefel.

Seine Touren sind gefragt, denn Kanada feiert in diesem Jahr 150. Geburtstag, und die legendären Eisenbahnhotels wie das "Banff Springs" verkörpern die Geschichte des Landes wie nur wenige Monumente. Mehr als ein Dutzend Chalets, Resorts oder Stadthotels hatten die Bahnmanager zwischen Atlantik und Pazifik bauen lassen, um die Vision einer Nation, die von Küste zu Küste reicht, zu verwirklichen. Manche Hotels wurden geschlossen, viele aber stehen noch und gelten heute als Ikonen Kanadas.

Das "Banff Springs" mit seinen 764 Zimmern, dem 27-Loch-Golfplatz sowie elf Restaurants und Bars gehört wie viele der Eisenbahnhotels heute zur Fairmont-Kette und gilt als eines der am meisten fotografierten Hotels der Welt. Millionen Besucher reisen jedes Jahr in die Bergwelt der Rocky Mountains, um von der Hotelterrasse aus die schneebedeckten Gipfel, kristallklaren Seen und rauschenden Wasserfälle zu bestaunen. Oder um in den heißen Quellen am Fuße des Sulphur Mountain zu baden.

Auch andernorts in Kanada lebt die Tradition der Eisenbahnhotels fort. In Québec City im Osten checkten die ersten Trans-Kanada-Reisenden einst im majestätischen "Chateau Frontenac" ein, bevor sie sich auf ihre 5500 Kilometer lange Bahnfahrt über den Kontinent machten.

Das Hotel, das 1893 eröffnet wurde, thront bis heute wie eine Trutzburg über der historischen Altstadt von Québec, die zum Weltkulturerbe gehört. Ein wenig ähnelt es einem Schloss an der Loire. Der prächtig verzierte Ballsaal drinnen ist dem Spiegelsaal aus dem Schloss Versailles nachempfunden. Auch sonst sind rund um das 611-Betten-Hotel die historischen Parallelen zum kolonialen Mutterland Frankreich allgegenwärtig

1 / 2