17.05.2017  EU konferiert mit den USA

Die wichtigsten Fragen zum Laptop-Verbot

Von Antje Blinda
Lufthansa

Kommt das Laptop-Verbot auf Flügen von Europa in die USA? Von einem Treffen an diesem Mittwoch in Brüssel erhoffen sich die EU-Länder Aufklärung. Und womöglich Informationen, die Russland bereits haben könnte.

Filmeschauen auf dem Tablet, Arbeiten am Laptop - das können Reisende auf Flügen in die USA womöglich bald nicht mehr. Denn die Vereinigten Staaten erwägen ein Handgepäckverbot für solche Geräte. Und diese Pläne scheuchen Politik und Flugbranche auf. Nach Angaben des Flughafenbetreiber-Verbandes ACI Europe wären 3257 Flüge pro Woche in die USA betroffen.

Bereits am vergangenen Freitag haben Vertreter der EU-Kommission sowie mehrere Minister aus den Mitgliedstaaten über dieses Thema mit dem US-Heimatschutz-Minister John Kelly telefoniert. Dabei wurde ein Treffen am Mittwoch vereinbart.

Brisant wird das Treffen auch dadurch, dass US-Präsident Donald Trump Geheimdienstinformationen im Zusammenhang mit dem Laptop-Verbot an den russischen Außenminister Sergej Lawrow weitergegeben haben soll. Deutschland und andere US-Bündnispartner fragen diese seit Wochen von Washington an - bisher ohne Erfolg.

Schon vor dem Treffen nannte der Sprecher des US-Heimatschutzministeriums, David Lapan, eine Ausweitung des Verbots nicht allein auf Europa, sondern auf weitere Regionen "möglich".

Die Behörden müssten mit den sich ändernden terroristischen Gefahren Schritt halten, sagte Lapan am Dienstag. "Wie viele Versuche haben wir schon gesehen, ein Passagierflugzeug zum Absturz zu bringen - Unterhosenbomben, die Nutzung von Flüssigkeiten, von Druckerpatronen." Es sei die Pflicht der Behörden herauszufinden, "was die, die uns schaden wollen, als Nächstes tun werden, und sie versuchen aufzuhalten".

Was würde der Bann für Reisende bedeuten? Hier ein Überblick:

Welche Geräte wären betroffen?

Details der geplanten Auflagen für Flüge aus Europa sind noch unklar. Im März hatte die US-Regierung allerdings schon eine ähnliche Regelung für Direktflüge von zehn Flughäfen im Nahen Osten und Nordafrika in Kraft gesetzt. Sie gilt für sämtliche elektronischen Geräte, die größer als Mobiltelefone sind, also Laptops, Tablets, E-Book-Reader oder Kameras. Medizinische Geräte bleiben an Bord erlaubt. Großbritannien verhängte im März ein ähnliches Verbot.

Wieso könnte das Verbot jetzt kommen?

Die USA scheinen sich auf Geheimdienstinformationen zu stützen. Amerikanische Medien hatten Anfang April berichtet, Terrororganisationen hätten Methoden entwickelt, um Sprengsätze in Laptops und anderen elektronischen Geräten zu verbergen. Der Sprengstoff werde möglicherweise von den Scannern bei der Sicherheitskontrolle an Flughäfen nicht entdeckt. Die Medien beriefen sich auf Informanten aus der US-Bundespolizei FBI und andere Quellen aus Geheimdiensten.

Was soll das Verbot bringen?

Was sich die USA von dem Kabinenverbot versprechen, ist aus europäischer Sicht schwer nachvollziehbar. Denn die Geräte würden ja weiterhin mitfliegen, nur eben im Frachtraum. Der europäische Pilotenverband European Cockpit Association fürchtet, dass solche Auflagen die Branche vom Regen in die Traufe führen. Denn wenn Passagiere ihre Tablets und Laptops nicht mit in die Kabine nehmen dürfen, fliegen im Frachtraum große Mengen von Geräten mit Lithium-Batterien mit, was als mögliches Brandrisiko gilt. Dadurch könnte der Frachtraum erst recht zum attraktiven Ziel für Terroristen werden, warnt der Verband.

Welche Auswirkungen könnte ein Laptop-Verbot haben?

Sollte ein US-Verbot nur für bestimmte Flughäfen in Europa gelten, müssten diese einen erheblichen Wettbewerbsnachteil fürchten. Auf Reisende kämen wohl zusätzliche Kontrollen zu, außerdem müssten sie teures Gerät mit persönlichen oder auch sensiblen geschäftlichen Daten aus den Händen geben. Verlorenes Gepäck würde zu einem noch größeren Ärgernis als bisher. Geschäftsreisenden ginge auf langen Transatlantikflügen wertvolle Arbeitszeit verloren. Der Geschäftsreiseverband VDR rechnet deshalb mit Buchungsrückgängen.

Welche Strecken sind von den schon jetzt geltenden Verboten betroffen?

Seit März dürfen Flugreisende auf Direktflügen aus acht muslimischen Ländern in die USA größere elektronische Geräte nicht mehr im Handgepäck mitführen. Eine ähnliche Regelung gilt für Flüge nach Großbritannien. Lesen Sie hier mehr dazu.

abl/dpa/AFP/nis

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