22.03.2017  Neue Handgepäck-Regeln auf USA-Flügen

Laptop-Verbot - Schlag gegen arabische Airlines

Von Alexander Koenig, "First Class and more"
Emirates

Zum Autor

Ab sofort gibt es für Fluggäste bestimmter Airlines (siehe Infobox) massive Einschränkungen, wenn sie in die USA fliegen möchten. Die US Behörden haben festgelegt, dass bei Direktflügen von zehn bestimmten Flughäfen, darunter auch Dubai, Abu Dhabi, Doha und Istanbul, keine Laptops, Tablets oder Kameras im Handgepäck mitgeführt werden dürfen.

Davon betroffen sind allerdings keine US-amerikanischen Airlines. Die hatten sich in der vergangenen Woche mit einem Hilferuf an die US-Regierung gerichtet, dass insbesondere durch die starken Middle East Carrier Emirates, Etihad und Qatar Airways viele Jobs in Gefahr seien. Ist es also ein Zufall, dass wenige Tage später so eine Maßnahme umgesetzt wird, die sich genau gegen diese und auch weitere Airlines in muslimischen Ländern richtet?

Sicherheitstechnisch ist die Maßnahme so oder so höchst fraglich, denn das Aufgabegepäck wird an Flughäfen weniger geprüft als das Handgepäck und ein "explosiver" Laptop kann auch im Frachtraum des Fliegers massiven Schaden anrichten. Die Maßnahme ist jedoch ein massiver Schlag für Geschäftsleute, aber auch Privatreisende, die bisher mit Turkish Airlines, Emirates, Etihad, Qatar Airways & Co. (weitere Airlines siehe Infobox) in die USA geflogen sind.

Denn wer legt seinen Firmenlaptop gegebenenfalls mit sensiblen Daten ins Aufgabegepäck? Wer deponiert dort als Tourist seine hochwertige Kamera, die durch beim Gepäckhandling eventuell beschädigt wird? Aber auch Familien sind betroffen. Wer Kinder hat weiß, wie anstrengend lange Flüge sein können, und da ist es oft eine willkommene Ablenkung, wenn die Kleinen auf dem Tablet ihre Lieblingsfilme sehen können.

Infobox
Folgende Flughäfen sind vom Laptop-Verbot betroffen: Istanbul, Abu Dhabi, Dubai, Doha, Kuwait, Casablanca, Kairo, Riad, Dschidda und Amman.

Folgende Airlines sind betroffen: Qatar Airways, Emirates, Etihad, Turkish Airlines, Saudi Airlines, Royal Air Maroc, Egypt Air, Kuwait Airways, Royal Jordanian.

America First - die neue Leitlinie der US-Regierung - zeigt sich hier deutlicher denn je. War man bisher bei den Einreiseverboten kaum erfolgreich, so holt man hier gleich zu einem Schlag gegen unliebsame Konkurrenten der US-Fluggesellschaften aus. Die Ungerechtigkeit dabei ist: Die Maßnahmen sind gegen Airlines gerichtet, die im weltweit angesehenen Skytrax-Ranking ganz weit oben stehen. So ist Emirates dort die weltweit führende Airline, Qatar Airways auf Platz zwei, aber mit der weltbesten Business Class, auch Etihad ist eine 5 Sterne Airline und hat die weltbeste First Class und Turkish Airlines gewinnt seit Jahren das Ranking für die beste europäische Airline. Die US Carrier hingegen tummeln sich recht weit unten im Ranking.

So gesehen werden zwar Airlines abgestraft, die von ihren Regierungen unterstützt werden, aber es wird auch Qualität abgestraft. Und die US Airlines werden ohnehin seit Jahren massiv unterstützt: So bietet das sogenannte Chapter 11 in den USA angeschlagenen Unternehmen Gläubigerschutz. So war United von 2002 bis 2006 unter Gläubigerschutz, Delta von 2005 bis 2007 und American Airlines von 2001 bis 2013.

1 / 2

Mehr zum Thema