16.01.2017  Konkurrenz für die Elbphilharmonie in Paris

Neues Konzerthaus "Seine Musicale" am Start

Von
Shigeru Ban Architects Europe / Jean de Gastines Architectes

Während in Hamburg gerade die Elbphilharmonie ihre Tore geöffnet hat und zum Wahrzeichen der Hansestadt empor gejubelt wird, werkeln die Handwerker in Paris noch an der neuen Konzerthalle "Seine Musicael". Für den 22. April ist das Eröffnungskonzert geplant. In wenigen Tagen lüften nun die Architekten, der Japaner Shigeru Ban und sein französischer Partner Jean de Gastines, die Schleier ihres gemeinsamen Bauwerks. Mit Spannung wird auf die Innenansichten des neuen Konzerthauses in Boulogne-Billancourt, im Westen von Paris, gewartet, wo Renault einst Autos produzierte.

Doch angesichts fünf weiterer Musik- und Opernhäusern allein in Paris, darunter die erst vor zwei Jahren eröffnete Philharmonie Paris, fragt das "Wall Street Journal" nicht zu Unrecht, ob es eigentlich genug Interessierte für klassische Musik gibt. Auch die abgelegene Lage im Vorort von Paris, auf einer Seine-Insel, wo einst Autos vom Band liefen, erscheint manchem Kritiker als ungeeignet.

"Klassische Musik live wird immer Geld kosten", zitiert die Zeitung Stephan Kutinak, den Kulturchef für die Region Hauts-de-Seines, die Behörde, die das Projekt finanziert. Die Produktion sei strukturell unprofitabel. Man könne den Zuschauern die wahren Kosten einer Produktion nicht vermitteln. Damit scheint klar, dass es gar nicht das Ziel ist, ein profitables Konzerthaus zu etablieren.

Der Bau wurde mit 127 Millionen Dollar gefördert, heißt es. 10,6 Millionen Dollar stünden darüber hinaus jährlich zur Verfügung, um (erwartete) Verluste auszugleichen. Betrieben wird das Konzerthaus von der Telekommunikations- und Mediengruppe Bouygues und dem Catering-Riesen Sodexo. Sie haben sich für 30 Jahre verpflichtet, allerdings mit staatlicher Hilfe.

Neben der Konzerthalle für klassische Musik entsteht auch ein Platz für Pop-Konzerte. Kutinak sieht eine Verschmelzung der Musikgenres vor. Darüber hinaus umfasst der Komplex Restaurants und Geschäfte, Platz für Seminare und weitere Veranstaltungen ist ebenfalls.

Die gläserne Kuppel ist das Merkmal

Zum Vergleich: Die Elbphilharmonie hat den Steuerzahler 866 Millionen Euro gekostet, 10 Millionen Euro sind jährlich für den Betrieb veranschlagt und im Etat der Stadt Hamburg verankert. Ebenfalls im Gebäude befindet sich ein Hotel, Apartments sowie Restaurants.

Merkmal der "Seine Musicale" ist eine gläserne Kuppel, die das Wasser der Seine spiegeln soll. Basis der Konstruktion ist ein Holzgerüst, an dem auch das deutsche Unternehmen Hess Timber aus Kleinheubach mitbaute. Photovoltaik-Solarzellen folgen auf rund 1000 Quadratmeter dem Sonnenlicht. Das Auditorium sei ein bisschen wie ein musikalisches Instrument, meint Architekt Ban, der von sich selber sagt, dass er kein musikalisches Talent besitze. Ban wurde 2014 mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet. Anders als in Paris punktete er mit Konstruktionen, die er für Notfälle konzipierte, um in Katastrophensituationen Menschen leicht aufbaubare Unterkünfte zu bieten.

Die Betreiber von Konzerthäusern zeigen sich trotz aller Unkenrufe optimistisch. So verbreitet Laurent Bayle, Präsident der im Jahr 2015 eröffneten Philharmonie Paris., Hoffnung. Das Gebäude, das von Stararchitekt Jean Novel entworfen wurde, ist seiner Darstellung nach inzwischen auch für junge Menschen zum Anziehungspunkt geworden. So habe man das Haus für Film- und populäre Musik geöffnet und auch Aktivitäten für Kinder im Angebot. Kutinak rechnet nun mit einer ähnlichen Entwicklung: "Wir müssen die Menschen überzeugen, dass klassische Musik nicht langweilig ist."

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