31.08.2018 
Ambien

Die gefährliche Schlafdroge, auf die nicht nur Elon Musk setzt

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Milliardär Elon Musk nimmt regelmäßig starke Schlafmittel
REUTERS
Milliardär Elon Musk nimmt regelmäßig starke Schlafmittel

Die Tabletten, die Elon Musk zum Einschlafen nimmt, haben es in sich. "Häufig ist es eine Wahl zwischen keinem Schlaf und Ambien", erklärte der Tesla-Chef in einem denkwürdigen Interview mit der "New York Times". Eine ehrliche Ansage, die nicht nur den Börsenkurs ins Wanken brachte - sie soll auch den Tesla-Aufsichtsrat beunruhigen.

Denn: Das starke Schlafmittel Ambien kann abhängig machen. Es ist durch eine Reihe berühmter Film- und Sport-Stars bekannt geworden, deren Pillenmissbrauch an die Öffentlichkeit gelangte. Angesichts der Gefahren werde das Medikament in den USA zu häufig verschrieben, sagte der Pharmakologe und Forscher David Juurlink der "Financial Times".

Das Mittel wird vom Pharmakonzern Sanofi hergestellt, der damit 2017 noch 320 Millionen US-Dollar umsetzte. Es enthält das Sedativ Zolpidem, das für schnelleres Einschlafen und längeren Schlaf sorgt. In Deutschland werden Tabletten mit dem Wirkstoff unter dem Namen Stilnox verkauft.

Wie alle starken Medikamente kann Ambien massive Nebenwirkungen auslösen. So stehen manche Patienten nachts auf, ohne völlig wach zu sein, und tun Dinge, an die sie sich später nicht mehr erinnern. Wie es im Beipackzettel heißt, können dazu "Autofahren, Essen zubereiten und verspeisen, telefonieren und Sex" gehören.

Charlie Sheen: "Es ist das Aspirin des Teufels!"

Die US-amerikanische Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde (FDA) rät sogar ganz klar davon ab, am Tag nach dem Konsum von Ambien Auto zu fahren. Patienten sollten generell Aktivitäten unterlassen, die "völlige mentale Aufmerksamkeit" erforderten. Das Medikament könne noch beeinträchtigen, obwohl man sich völlig wach fühle. Wer weniger als sieben bis acht Stunden Schlaf vor sich hätte, sollte das Mittel gar nicht einnehmen.

Die Behörde forderte die Hersteller außerdem dazu auf, die empfohlene Dosis auf nur etwa die Hälfte zu reduzieren. Auch diese Menge sei bei den meisten Menschen bereits effektiv.

Trotz der Kritik ist die Einnahme unter Promis salonfähig. Schauspieler Sean Penn witzelte bei einem Auftritt in der "Late Night Show", er habe noch Ambien im Blut. Moderator Stephen Colbert sprach vom "Ambien Train" und fragte sich, ob er überhaupt etwas Elan aus Penn herauspressen könne. Rapper Jay-Z widmet dem Mittel eine Zeile in seinem Song "Empire State of Mind". Und Schauspielerin Roseanne Barr versuchte jüngst gar, einen rassistischen Tweet mit der Einnahme von Ambien zu entschuldigen. Vergebens: Ihre Serie wurde abgesetzt.

Elon Musk wiederum schrieb vergangenes Jahr bei Twitter, er würde das Mittel mit Rotwein kombinieren. Auf den Hinweis eines Followers, dass das gefährlich sein, antwortete er damals noch mit einem Scherz:

Ambien als Vergewaltigungsdroge

Wie verheerend der Konsum sein kann, berichtete unter anderem "Full House"-Serienstar John Stamos: Es sei härter gewesen, von Ambien wegzukommen, als seine Alkoholsucht zu bekämpfen. Der umstrittene Hollywood-Schauspieler Charlie Sheen ramponierte 2010 ein Hotelzimmer und erklärte seinen Ausraster mit dem Konsum des Medikaments: "Es ist das Aspirin des Teufels!" Golf-Legende Tiger Woods soll laut Medienberichten 2009 unter Ambien-Einfluss seinen SUV gegen einen Hydranten gefahren haben. Vergangenes Jahr wurde er mit einem Medikamentencocktail im Blut hinter dem Steuer erwischt, Ambien war wieder darunter.

Der ehemalige Football-Star Darren Sharper beging mit Ambien gar schwere Verbrechen: Selbst abhängig von dem Medikament verabreichte er die Pillen verschiedenen Frauen, um sie zu vergewaltigen. Sharper gestand und wurde zu 18 Jahren Haft verurteilt.

Solch prominente Vorfälle und die Schritte der FDA dürften dazu geführt haben, dass immer weniger Schlafmittel in den USA verschrieben werden. So hat Daniel Kripke, ehemaliger Psychiatrieprofessor an der Universität San Diego, gegenüber der "FT" eine klare Meinung, wenn es um Ambien geht: "Überhaupt niemand sollte Zolpidem nehmen, weil die Nebenwirkungen so gefährlich sind."

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