27.02.2017  Jobwechsel: Aus dem Tonstudio auf die Elbe

Unter Segeln durch die Großstadt

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Holger Brauns hat nach zwei Hörstürzen beherzt den Beruf gewechselt. Jetzt sitzt er nicht mehr im Tonstudio, sondern segelt über die Elbe.

Holger Brauns, 42, ist der einzige Skipper, der auf der Elbe ab Hamburg geführte Sightseeing-Törns anbietet, Hafenrundfahrten inklusive. Wer an Bord geht, darf segeln helfen, muss aber nicht. Die erste Saison liegt hinter ihm, in die neue Saison ab Mitte April startet er mit einer neuen, größeren Yacht: Die "Zandaam" ist ein gut 13 Meter langer Bavaria 42-3 Cruiser.

manager-magazin.de: Sie sind der einzige Skipper, der in Hamburg Sightseeing-Törns auf einer Segelyacht anbietet. Warum hat das vor Ihnen noch keiner gemacht?

Holger Brauns: Die Hürden sind hoch. Man muss das Boot so ausrüsten, dass die Berufsgenossenschaft Verkehr es zulässt. Das Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie muss die nautische Anlage abnehmen. Man muss sich mit dem Hafenamt einig werden, man muss alle möglichen Berechtigungen und Scheine beibringen. Der Papierkrieg im Vorfeld hat sechs Monate gedauert. Und teuer war es auch. Wenn man keine klare Vision hat, sondern das nur ausprobieren will, steht das in keinem Verhältnis. ich glaube, auf der Elbe gibt es einen Klüngel wie auf dem Kiez: Da gönnt keiner dem anderen das Schwarze unterm Fingernagel. Man muss feinfühlig agieren, und trotzdem: Als ich anfing, wurde ich erst einmal wiederholt bei der Wasserschutzpolizei angezeigt, dabei hatte ich alle nötigen Berechtigungen.

mm.de: Wie sind Sie auf die Elbsegelei gekommen?

Brauns: Ich bin Tontechniker und Musikproduzent. Seit meiner Kindheit hatte ich immer zwei Themen: Musik und Segeln. Beides habe ich sehr früh auf hohem Niveau gemacht, Segeln als Leistungssport bis hin zur Europameisterschaft, dazu Geige, Klavier und Chor. Meine Eltern haben beides gefördert, das ist immer parallel gelaufen. Mit 20 hat mir der Kaderchef des Segelverbands gesagt: Du musst dich für eine Sache entscheiden, sonst läuft das nicht. Damals habe ich mich für die Musik entschieden und sie zu meinem Beruf gemacht. Gesegelt bin ich nur noch in der Freizeit.

mm.de: Was haben Sie beruflich gemacht?

Brauns: Ich kam nach Hamburg und gründete meine erste Produktionsfirma. Als Künstler habe ich Platten produziert, ich hatte mehrere Label, ich war als Liveact und DJ unterwegs. Aber auf Dauer richtig auskömmlich davon leben können nur ganz wenige - das ist ein hartes Geschäft. In den vergangenen Jahren habe ich als Sounddesigner rechnerbasierte Musikinstrumente mitentwickelt. Ich habe vier, fünf Jahre lang im Studio gesessen und selektiv Töne gehört. Da steht dann ein Geiger und spielt Halbton für Halbton in allen Dynamiken, Techniken und Variationen, und dann muss man jeweils den besten Ton finden, schneiden und perfektionieren. Wenn man sich über Jahre diese Töne ins Ohr pfeift, dann ist irgendwann der Dispo an Lärm aufgebraucht. Ich hatte mich weit von meinem Traum entfernt, Musik zu machen, habe nur noch unter Zeitdruck Töne bearbeitet. Dann kam vor zweieinhalb Jahren unser Sohn auf die Welt, ich wollte auch noch der perfekte Vater sein. Ich hatte dann zwei Hörstürze und noch einen Tinnitus, die haben mir signalisiert: Du musst da raus.

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