16.02.2017  Karrierekiller Ehrgeiz

Warum der Davidoff-Chef schon mal einen Top-Kandidaten abgelehnt hat

Von
Petra Stadler / Davidoff

Hans-Kristian Hoejsgaard (58) ist seit 2011 Chef der Oettinger Davidoff AG. Zuvor war der Brand Equity und Retail-Spezialist CEO der Timex Group und als Führungskraft bei diversen Unternehmen der Luxusbranche tätig. Hoejsgaard hat zwei erwachsene Kinder und liebt außerdem Kochen, Weine, Innenarchitektur, moderne Kunst und Lesen, am liebsten Bücher über Geschichte und Politik.
Hans-Kristian Hoejsgaard (58) ist seit 2011 Chef der Oettinger Davidoff AG. Zuvor war der Brand Equity und Retail-Spezialist CEO der Timex Group und als Führungskraft bei diversen Unternehmen der Luxusbranche tätig. Hoejsgaard hat zwei erwachsene Kinder und liebt außerdem Kochen, Weine, Innenarchitektur, moderne Kunst und Lesen, am liebsten Bücher über Geschichte und Politik.

Zwar liegen auch morgens um neun Uhr schon die Zigarren bereit in der Smokers Lounge des Hamburger Luxushotels Atlantic. So früh beginnt aber selbst der Davidoff-Chef nicht zu rauchen - ihm reicht ein kleiner Espresso. Am Vorabend hat er die Einweihung der deutschen Davidoff-Tochtergesellschaft gefeiert. Erfreulich: Er ist in Plauderlaune.

manager-magazin.de: Herr Hoejsgaard, freuen Sie sich, wenn Ihre Kinder rauchen?

Hans-Kristian Hoejsgaard: Für mich ist es ein großer Unterschied, was man raucht. Eine Zigarre zu genießen hat wenig mit Rauchen zu tun. Das ist eine Zeremonie. Man inhaliert ja auch nicht. Mit meinem Sohn und meinem Schwiegersohn rauche ich gerne ab und zu feierlich eine Zigarre zusammen. Sie rauchen keine Zigaretten, aber einmal im Monat eine Zigarre - das ist doch schön.

mm.de: Sigmund Freud sagte: Manchmal ist eine Zigarre einfach nur eine Zigarre. So einfach ist es aber nicht, oder?

Hoejsgaard: Nichts gegen Freud, aber für mich ist eine Zigarre ein Katalysator. Eine wunderbare 45-minütige Pause von einem stressigen Alltag, in der man mit Freunden oder alleine entspannen kann. Man setzt sich, man diskutiert, man hat Zeit zu reflektieren.

mm.de: Sitzen Sie manchmal mit Ihrer Frau zu Hause, und Sie rauchen beide eine Zigarre?

Hoejsgaard: Wir genießen ab und zu eine Zigarre, aber dann eher mit Freunden zusammen auf der Terrasse, bei schönem Wetter, nach einem guten Essen, mit einem guten Glas Wein. Im Haus rauchen wir selten.

mm.de: Wieviel rauchen Sie?

Hoejsgaard: In einer normalen Woche vielleicht drei bis vier Zigarren. Aber es gibt nicht sehr viele normale Wochen in meinem Leben, wir haben ja mit Davidoff viele Anlässe - also ist es eher eine am Tag. Damit liege ich deutlich über dem Durchschnitt der Zigarrenraucher, der auf eine bis drei pro Woche kommt.

mm.de: Laut einer Studie verdienen CEOs in der Tabak-, Alkohol- und Glücksspielbranche bis zu einer halben Million Dollar mehr als in neutralen Branchen. Sind Sie deshalb Davidoff-Chef geworden?

Hoejsgaard: Die Studie kenne ich nicht. Ich habe auch für andere Luxusfirmen gearbeitet. Meine Familie hat sich seit drei Generationen mit der Tabakdistribution beschäftigt, das Geschäft lag also nahe für mich, und ich habe auch zu Anfang meiner Laufbahn zehn Jahre in der Branche gearbeitet. Da hat sich also ein Kreis geschlossen.

mm.de: Was ich meinte, war: War Geld der Hauptgrund, zu Davidoff zu gehen?

Hoejsgaard: Überhaupt nicht. Geld ist natürlich ein Mittel zur Freiheit. Aber wenn man zehn oder zwölf Stunden am Tag arbeitet, dann muss man die Arbeit auch lieben und genießen. Ich bin ein Brand-Equity-Mensch. Es motiviert mich, eine gute, starke Marke auszubauen. Davidoff war für mich ein sehr schöner Diamant, der noch etwas geschliffen werden musste.

mm.de: Sie haben ihn ja zu Beginn erst einmal recht gründlich abgeschliffen.

Hoejsgaard: Ich war der erste CEO, der von außerhalb zum Familienunternehmen kam. Es gab in der Firma das klassische patriarchale System mit einem sehr großen Management-Team. Das haben wir auf Normalmaß verschlankt. Von 39 auf 9 Leute.

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