27.11.2018 
Neues iPad Pro im Test

Brillant, aber kein Laptop-Ersatz

Franziska Gabbert/dpa-tmn

Video-Bildschirm, E-Book-Reader, Fotoalbum, Spielkonsole: Das iPad von Apple kann vieles sein. Die neue Generation des iPad Pro zeigt, wie ein Tablet-Computer produktiv und kreativ eingesetzt werden kann.

Das iPad Pro sollte eigentlich die meisten Laptops in den Ruhestand schicken. Vor drei Jahren stellte Apple-Chef Tim Cook die Pro-Serie als Vision des Konzerns für die Zukunft des Personal Computers vor. Und inzwischen werden tatsächlich mehr Geräte dieser Modellreihe verkauft als von jedem einzelnen Notebook-Hersteller mit seiner gesamten Produktpalette.

Dennoch ist die Kategorie der herkömmlichen Notebooks nicht von der Bildfläche verschwunden - ganz im Gegenteil. Das neue iPad Pro muss nun auch gegen interessante Hybrid-Geräte von Herstellern wie Microsoft oder Lenovo antreten.

Schaut man auf die Leistung des neuen iPad Pro, haben inzwischen die meisten Notebooks das Nachsehen. Mit dem Acht-Kern-Prozessor A12X ist die neue Tablet-Generation von Apple schneller als 92 Prozent aller mobilen PCs, die derzeit im Handel sind. Diese Behauptung von Apple wird durch Benchmark-Messungen bestätigt. Selbst bei der Ausstattung kann ein iPad Pro viele PC-Konkurrenten abhängen, auch wenn die üppigste Konfiguration des iPad Pro mit einem Terabyte Speicherplatz und eingebautem LTE-Modem dann schrecklich teuer wird (2099 Euro).

Interessanter für viele potenzielle Käufer sind die Einsteigermodelle mit 64 oder 256 Gigabyte (GB) Speicher, die bei der 11-Zoll-Variante ab 879 Euro zu haben sind. Die größere 12,9-Zoll-Variante ist ab 1099 Euro erhältlich. Bei kleinem wie großem Speicher gilt: In der Praxis hat man nie den Eindruck, an die Leistungsgrenzen des Tablets zu gelangen, ob man nun Fortnite spielt, Videos in 4K-Auflösung mit iMovie schneidet, Bilder in zig Schichten mit Procreate zeichnet oder Fotos mit Adobe Lightroom bearbeitet.

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Beide Pro-Modelle kommen beim Display ohne Einbuchtung (Notch) aus, wie man sie von den neueren iPhones her kennt. Obwohl der schmale Rahmen kaum Platz dafür bietet, ist es den Apple-Ingenieuren gelungen, darin die Sensoren und Kameras für die Gesichtserkennung FaceID unterzubringen. Am unteren Ende blieb aber kein Platz mehr für einen Fingerabdruck-Sensor, so dass man kein TouchID zum Entsperren des iPads mehr verwenden kann. Die Gesichtserkennung funktioniert nicht nur hochkant, sondern auch, wenn man das iPad im Querformat hält. Sollte man dabei unabsichtlich mit Handballen oder Finger den Sensor abdecken, weist ein Pfeil auf dem Display darauf hin.

Der Bildschirm überzeugt mit einer brillanten Darstellung. Das Panel kann nun Farben im erweiterten Farbraum DCI-P3 anzeigen. DCI-P3 ist ein Standard der Hollywood-Studios. Geräte, die diese Norm erfüllen, decken den Bereich der natürlich vorkommenden Oberflächenfarben zu über 85 Prozent ab. Beim Monitor-Standard RGB sind das nicht einmal die Hälfte. Die Farbtemperatur kann über die TrueTone-Funktion an das Umgebungslicht angepasst werden.

Die neuen iPads passen die Bildwiederholrate an, um wenn nötig volle Leistung zu zeigen - etwa beim Scrollen von Webseiten. Wird nicht so viel Leistung benötigt, wird die Frequenz deutlich abgesenkt, was den Akku schont. Dreht man die Helligkeit voll auf (was beispielsweise beim Lesen im Sonnenlicht notwendig ist), kann man eine Lichtstärke bis zu 568 Candela messen - ein Spitzenwert für Tablet-Computer. Das 11-Zoll-Modell kommt auf eine Auflösung von 2388 mal 1668 Pixel, 164 Pixel mehr auf der längeren Seite als beim iPad Pro mit 10,5-Zoll. Beim 12,9-Zoll-Model sind es 2732 mal 2048 Pixel.

Damit werden Schriften und Linien sauber geschnitten und scharf dargestellt. Wenn man die volle Auflösung in Videos genießen will, sollte man sich bei iTunes, Netflix oder Amazon Prime umschauen. YouTube-Filme werden dagegen nicht in der höchstmöglichen Auflösung dargestellt, da Apple Googles Video-Codec VP9 nicht unterstützt.

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