31.08.2017  Telefunken, Grundig und Nordmende auf der IFA

Das zweite Leben für Traditionsmarken

Die moderne Unterhaltungselektronik wurde maßgeblich von Unternehmen aus Deutschland mitbegründet. Doch diese Firmen sind bis fast alle schon vor Jahren untergegangen. Doch für manche gestrauchelte Traditionsmarken gibt es ein erfolgreiches Leben nach der Insolvenz.

Ingenieure von Telefunken haben in den sechziger Jahren das Farbfernsehen entscheidend mitentwickelt. Dem Team um Telefunken-Veteran Walter Bruch gelang es damals, PAL als dritten Weltstandard für das Farbfernsehen zu etablieren. Doch ausgerechnet mit dem Farbfernseher begann der Abstieg der deutschen Traditionsmarke, die 1903 auf den Befehl von Kaiser Wilhelm II. gegründet worden war. Es fehlte das Kapital und das unternehmerische Geschick, um mit aufsteigenden Marken aus Asien mitzuhalten.

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Auch eine Fusion 1967 mit dem Elektroriesen AEG konnte nicht verhindern, dass Telefunken den Trend verpasste, den damals japanische Konzerne wie Sony vorgaben. In den achtziger Jahren wurde die Telefunken AG fast vollständig zerschlagen. Die Markenrechte landeten über den AEG-Konzern kaum mehr beachtet bei der Daimler AG .

2007 startete der Investor Hemjö Klein einen spektakulären Versuch, der Marke neues Leben einzuhauchen. Der ehemalige Bahn-Vorstand kaufte die Markenrechte für einen zweistelligen Millionenbetrag, um Unterhaltungselektronik unter dem Namen Telefunken anbieten zu können.

Der Wiederbelebungsversuch verlief allerdings zunächst ziemlich holprig. Hartmut Esslinger, der einst mit seiner Firma frog Design wichtige Produkte für Apple entwickelt hatte, zog sich schon nach einem Jahr enttäuscht aus dem Projekt zurück. Doch auch ohne eine aktive Mitarbeit des Stardesigners erschienen in den Elektrofachmärkten dann wieder Produkte unter der Marke Telefunken. Allerdings gibt es kein zentrales "Telefunken-Werk" mehr in Deutschland oder sonstwo, sondern ein Lizenzgeschäft mit ganz unterschiedlichen Partnern.

Die Telefunken-Fernseher, die auf der IFA 2017 mit aktueller 4K-Technik zu sehen sind, stammen vom türkischen Konzern Vestel, einem der größten Produzenten im Bereich Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte weltweit. Vestel bietet aber auch Haushaltsgroßgeräte - also Kühlschränke, Waschmaschinen und anderes - unter dem Namen Telefunken an. Die SB-Warenhauskette Real zeigt in diesem Jahr unter dem Berliner Funkturm Lautsprecher und DABplus-Radios mit dem Telefunken-Logo. Der ostwestfälische Mittelständler Briloner Leuchten bietet unter der Marke Telefunken Lichtlösungen an. Und aus Baden-Württemberg segelt die Karcher AG unter der Telefunken-Flagge und zeigt neue E-Bikes.

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