10.08.2018 
Whisky als flüssige Geldanlage

Kostbare Liquidität in Flaschen

Whisky ist gut für Überraschungen: Je mehr man sich mit dem Getränk auseinandersetzt, desto spannendere Geschichten findet man - von verlorenen Destillen bis zu wiederentdeckten alten Beständen. Liebhaber werden früher oder später auch mal daran denken, eine Rarität zu erwerben. Statt sie zu trinken, kann es sich auszahlen, die Flasche aufzubewahren und auf Wertsteigerungen zu spekulieren. Allerdings müssen sich Käufer auskennen.

"Tatsächlich mag die Geldanlage in Alkohol sehr unkonventionell klingen", sagt Stephan Witt von der Finum Private Finance AG in Berlin. Doch kann sich eine Investition durchaus lohnen. "Besondere Voraussetzungen an den Anleger sind dabei kaum zu beachten, und schon mit vergleichsweise wenig Kapital lässt sich eine recht ansehnliche Rendite erzielen."

Das sieht auch Marco Jansen von der Oberbanscheidt & Cie. Vermögensverwaltungsgesellschaft und Gesellschafter von Whisky Investments so. Trotz der jüngst gestiegenen Preisen bewertet er die Aussichten für die Anlageklasse weiterhin als gut. "Wachsende Nachfrage speziell aus Asien trifft auf eine begrenzte Angebotsmenge."

Doch das Investment setzt viel Wissen voraus. Daher ist Whisky aus Sicht des Vermögensberaters Gunther Hemmann von der Isfinance AG in Dessau-Roßlau für Kleinanleger eher bedingt geeignet. "Denn es gibt vieles zu beachten."

Video: Profi-Tipps für den Whiskygenuss

Das Wichtigste: Der Wert von Whisky steigt mit seinem Alter, jedoch ist es schwierig, alten Bestand zu finden. "Es gibt zwar viele der alten Brennereien noch, auch wenn 90 Prozent über die Jahre kaputt gegangen sind", erklärt Horst Lüning, Marketing- und IT-Manager bei Whisky.de und Betreiber eines Videoblogs zu dem Getränk. Deren Flaschen sind allerdings längst in Sammlerhänden. Davon noch eine zu finden, eine Ferintosh (Ben Wyvis bis 1893) zum Beispiel, "so was ist nahezu unmöglich".

Wertvoll sind auch Tropfen von sogenannten "lost destilleries", den verlorenen Brennereien wie etwa die 1983 geschlossene Port Ellen auf der schottischen Insel Islay. Von ihren Lagerbeständen werden seit Jahren limitierte Abfüllungen verkauft. Hemmann nennt Whiskys solcher Destillen "sicher eine gute Wertaufbewahrung für freie Liquidität", preislich aber seien diese schon sehr weit oben.

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In der Tat, hier gibt es die kühnsten Preissteigerungen - und die tollsten Geschichten. Die vielleicht spannendste stammt aus der Antarktis. Der Polarforscher Ernest Shackleton errichtete sich dort eine Basishütte für eine seiner Expeditionen. Mit dabei waren ein paar Flaschen Whisky, die jedoch 1909 genauso wie die Hütte aufgegeben wurden. 2007 fand man unter dieser zwei zurückgebliebene Kisten Mackinlay-Whisky.

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