08.11.2018 
Die besten Adressen in Portugal

Wellness auf dem Weingut

Von Sebastian Bordthäuser, "Der Feinschmecker"

In Portugals Norden liegen zwei Regionen, die eindrucksvolle Terrassenlandschaften, sattes Grün und ausgezeichnete Weingüter verbinden: Minho, Heimat des Vinho Verde, und Douro. Bei den Winzern lässt sich fürstlich essen und schlafen.

Monverde Hotel: Kellermeister für einen Tag

Inmitten sanft geschwungener Weinberge, nur eine halbe Stunde nördlich der Küstenstadt Porto, liegt das "Monverde Hotel". Hier im grünen Minho, im Norden Portugals, ist die Heimat des Vinho Verde. Die Täler sind vom Morgennebel erfüllt, die Luft ist frisch und die Landschaft gesäumt von Nadelwäldern und Eukalyptusbäumen. Vinho Verde ist ein leider häufig aufgesprudeltes Wässerchen, wie man es vielerorts findet. Doch wer die richtigen Güter besucht, findet gut gemachte, leichte Weine mit mineralischer Note und erfrischender Säure, die perfekt zu Portugals Sommerhitze passen. Und auf manchen dieser Güter kann man sogar übernachten.

So wie bei Familie Meireles. Die Besitzer der Quinta da Lixa bauen sortenreine Vinho Verde aus, die das Profil der einzelnen heimischen Rebsorten der Region zeigen: Alvarinho, Avesso, Arinto und Trajadura ergeben hier spritzige, fruchtbetonte Weine.

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Neben dem Weingut eröffnete die Familie 2015 das "Monverde" und erfüllte sich so ihren Lebenstraum - ein modernes Hotel mitten im Rebberg in der strukturschwachen Region. Das Programm für Weinliebhaber ist vielseitig. "Man kann bei uns Winzer für einen Tag sein", erklärt der Manager Miguel Ribeiro. Die Gäste haben zum Beispiel die Möglichkeit, aus Tankproben der verschiedenen Rebsorten eine Cuvée ganz nach ihrem persönlichen Geschmack zu komponieren und mit nach Hause zu nehmen.

Die Gäste entscheiden selbst: Etwas mehr vom floralen Avesso? Oder lieber das Hauptgewicht auf den säurestarken Arinto? Der Kellermeister steht dabei stets mit Fachwissen zur Seite. Der Umfang des Programms wird individuell auf die Wünsche der Gäste abgestimmt. Ob Rebschnitt, ausgedehnte Spaziergänge oder bloß eine Kellerführung, auf "Monverde" schwingt das Pendel ganz entspannt und passt sich dem Rhythmus der Gäste an.

Die 29 Zimmer verteilen sich auf drei Gebäudekomplexe, die von außen schlicht mit Holz, Glas und Metall gestaltet sind und innen durch modernes Design begeistern. Holz und Beton sind die bestimmenden Stilmittel, und die frei stehende Badewanne erlaubt einen unverstellten Blick auf die Weinberge. Das Haupthaus mit Restaurant, Bibliothek, Aufenthaltsräumen und Terrassen ist weitläufi g und offen angelegt, genau wie der Spa mit dem großen Außenpool. Farblich kontrastieren bordeaux rot-herbstliche Akzente mit dem namensgebenden frühlingshaften Grün - ein Leitthema auch für die Bewirtschaftung des gesamten Hotels, das komplett nach EU-Richtlinien biozertifiziert ist. Sogar die Kunst im Atrium spielt mit der Farbe: Eine riesige Installation aus 366 hölzernen, an Fäden befestigten Blättern symbolisiert das Jahr im Weinberg; ein Blatt für jeden Tag, das Schaltjahr in Gold.

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Das Restaurant im Erdgeschoss war ursprünglich für Freunde und Geschäftspartner geplant, entwickelte sich jedoch schnell zum Herzstück des Hotels, da es auch von externen Gästen gut besucht wird. Die Karte führt neben den Weinen der Quinta da Lixa alles, was in Portugal Rang und Namen hat. "Es wäre banal, nur die eigenen Weine anzubieten", meint Ribeiro, "schließlich sind die Gäste in einem Land mit unglaublicher Vielfalt."

Die Küche von Carlos Silva bietet klassische portugiesische Gerichte mit modernem Ansatz. Wir probieren den 2017 Loureiro von Quinta da Lixa zu Variationen von der Atlantik-Makrele im Wechsel mit dem 2017 Trajadura zum Kabeljau, der mit dehydrierter Blutwurst als crumble einen Knusper-Kick bekommt, bevor zum Zicklein im Hauptgang der rote Vinhão serviert wird. Diese typische Sorte der Region steht rund ums Hotel, sodass man umgeben von den Reben seines Weins zu Tisch sitzt. Mehr mittendrin ist schlicht unmöglich.

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